Tatort: Videobeweis Das Erste ARD TV Fernsehen
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Tatort: Videobeweis

Inhalt / Kritik

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„Tatort: Videobeweis“ // Deutschland-Start: 1. Januar 2021 (Das Erste)

Die Weihnachtsfeier im Versicherungskonzern ist geglückt, die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen erfreuen sich an Karaoke und jeder Menge Alkohol. Am nächsten Morgen ist die Partystimmung jedoch schlagartig vorbei, als ein Kollege tot im Foyer aufgefunden wird, nachdem er zuvor wohl über die Balustrade gestürzt ist. Ein Unfall im betrunkenen Zustand? Offensichtlich nicht, Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) ist schnell klar, dass da jemand seine Hand im Spiel hatte und anschließend seine Spuren verwischt hat. Während die beiden nach Antworten suchen, stoßen sie auf ein Video, welches der Verstorbene in der fraglichen Nacht aufgenommen hat und welches Abteilungsleiter Oliver Jansen (Oliver Wnuk) und seine Mitarbeiterin Kim Tramell (Ursina Lardi) beim Sex zeigt. Doch so eindeutig die Bilder auf den Ersten Blick erscheinen, so widersprüchlich ist die Geschichte, welche die zwei erzählen …

Spannende Wahrheitssuche

Zuletzt war der Tatort eine recht frustrierende Angelegenheit. Weder die gesellschaftskritische Hafenermittlung Und immer gewinnt die Nacht noch die atmosphärische Klostersuche Wunder gibt es immer wieder kamen übers Mittelmaß hinaus, trotz guter Ansätze. Die Udo-Lindenberg-Hotel-Groteske Alles kommt zurück war nicht einmal das, war so sehr mit den skurrilen Figuren beschäftigt, dass dabei die Geschichte auf der Strecke blieb. Da war die Vorfreude auf die beiden Folgen des Dauerbrenners, die unmittelbar nach dem Jahreswechsel an zwei aufeinanderfolgenden Tagen ausgestrahlt werden, eher gering. Zumindest der Neujahrstitel Videobeweis überzeugt jedoch, ist sogar der spannendste Teil seit einigen Wochen.

Dabei dauert es eine Weile, bis der 1184. Fall der ARD-Krimireihe wirklich Fahrt aufnimmt. Zunächst denkt man, Tatort: Videobeweis sei der klassische Whodunnit, bei dem zu Beginn die Leiche entdeckt wird und der Rest des Films sich mit der Frage befasst, wer für den Mord verantwortlich ist. Grundsätzlich stimmt das auch. Ungewöhnlich ist dabei jedoch, dass die Zahl der Verdächtigen so klein ist. Recht früh wird klar, dass eigentlich nur Jansen und Tramell in Frage kommen, da es außer den beiden kaum relevante Episodenfiguren gibt. Es gibt auch kein Geheimnis darum, wie es zum Todessturz kam. Selbst bei der Motivation kommt es zu keinen größeren Überraschungen. Man erhält relativ früh alle notwendigen Informationen, die es braucht, um den Fall zu klären.

Eine Frage der Perspektive

Oder fast alle. Im Mittelpunkt des Films steht für Regisseur und Co-Autor Rudi Gaul (Safari – Match Me If You Can) gar nicht so sehr die Frage, wer von den beiden den Mord begangen hat. Stattdessen gilt es zu klären, ob der Sex einvernehmlich war, so wie Jansen es sagt, oder ob es sich um eine Vergewaltigung handelt – so der Vorwurf von Tramell. Wie es bei solchen Geschichten üblich ist, steht da Aussage gegen Aussage. Interessant ist aber, wie Tatort: Videobeweis mit diesen divergierenden Aussagen arbeitet. Lügt einer der beiden bewusst? Handelt es sich um das Ergebnis verschiedener Perspektiven? Nicht immer ist ein Nein schließlich als solches zu erkennen. Besonders knifflig wird es aber, als das im Titel angekündigte Video Teil der Ermittlungen wird. Bilder lügen nicht, heißt es gern. Aber sie können die unterschiedlichsten Interpretationen ermöglichen, selbst zu vermeintlich klaren Sachverhalten.

Tatort: Videobeweis handelt daher von einer doppelten Wahrheitssuche, die im Zusammenhang steht, aber sich nicht eindeutig auseinander ergibt. Die Frage, ob eine Vergewaltigung vorgefallen ist, bringt nicht zwangsläufig die Antwort, wer der beiden für den Tod verantwortlich ist. Das wird eventuell einem Publikum nicht gefallen, das einfach nur mal wieder einen Mordfall lösen will – zumal die Auflösung ein bisschen aus dem Nichts kommt. Spannend ist der Krimi aber durchaus, sowohl bei den beiden Einzelfragen wie auch der Kombination aus beiden. Nicht nur dass bis zum Schluss beide Fragen offen bleiben und man sehr lange spekulieren darf. Die Frage nach der Vergewaltigung wirkt sogar über den Abspann hinaus nach, da der Film viel über Machthierarchien und die Subjektivität von Perspektiven zu sagen hat. Diese nehmen zwar für sich in Anspruch, eine allgemeingültige Wahrheit zu sein. Und doch ist nur klar: Klar ist da nichts.

Credits

OT: „Tatort: Videobeweis“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Rudi Gaul
Drehbuch: Rudi Gaul, Katharina Adler
Musik: Verena Marisa
Kamera: Stefan Sommer
Besetzung: Richy Müller, Felix Klare, Ursina Lardi, Oliver Wnuk, Karoline Bär

Bilder

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In „Tatort: Videobeweis“ stürzt bei der Weihnachtsfeier einer Versicherung ein Angestellter in den Tod. Daraus ergibt sich aber nicht nur die Frage, wer ihn gestoßen hat, sondern auch ob vorher eine Vergewaltigung stattgefunden hat. Die Verbindung zweier Themen ist spannend und gibt zu denken, selbst wenn für Fans reiner Rätselkrimis ein bisschen wenig geschieht.
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