Tatort Leben Tod Ekstase Tv Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
© HR/Bettina Müller

Tatort: Leben Tod Ekstase

Tatort Leben Tod Ekstase Tv Fernsehen Das Erste ARD Mediathek
„Tatort: Leben Tod Ekstase“ // Deutschland-Start: 16. Oktober 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Eigentlich hatten sich die sechs Männer und Frauen neue Erkenntnisse und Einblicke erhofft, als sie an einer besonderen Psycholyse-Sitzung teilnehmen. Stattdessen sind sie am Ende alle tot, lediglich ihr umstrittener Therapeut Dr. Adrian Goser (Martin Wuttke) hat überlebt. Als Anna Janneke (Margarita Broich) und Paul Brix (Wolfram Koch) den Fall übernehmen, steht für sie daher fest, dass dieser irgendwie Schuld an allem trägt, selbst wenn er behauptet, sich an nichts mehr erinnern zu können. Während einer Tatort-Begehung hoffen sie, seine Zunge ein wenig zu lockern und damit die Lösung für den rätselhaften Tod zu finden. Doch diese nimmt einen etwas anderen verlauf, als sie es sich im Vorfeld ausgemalt hatten …

Reise in die Drogen-Hölle

Dieses Jahr scheint der Tatort ein bisschen stärker darauf zu achten, passend zu Halloween Filme für ein horroraffines Publikum bereitzustellen. Besonders deutlich war dies natürlich vor zwei Wochen bei Das Tor zur Hölle, als das für die Reihe eher unerwartete Thema der dämonischen Besessenheit und eines damit einhergehenden Exorzismus aufgegriffen wurde. Hat jemand den Exorzisten aus irdischen Gründen getötet oder waren da dämonische Kräfte im Spiel? Aber auch Tatort: Leben Tod Ekstase scheint mit Blick auf diese spezielle Phase des Jahres konzipiert worden zu sein. So gibt es hier Dämonen zwar nur im übertragenen Sinn, wenn sich viel um die Überwindung psychologischer Abgründe dreht. Es darf einem aber auch da schon angst und bange werden, wenn wir uns kopfüber in die Dunkelheit stürzen.

Wobei der 1213. Fall der ARD-Krimireihe durchaus mit Humor an die Sache geht. Ein Running Gag betrifft beispielsweise den Spleen von Goser, dass die Wahl des Lieblingsfilms mit Arnold Schwarzenegger besondere psychologische Aussagekraft hat. Überhaupt ist die Figur so seltsam überzeichnet, dass man bei ihr nie genau sagen kann, ob sie manipulatives Monster oder echter Spinner ist. Tatort: Leben Tod Ekstase lässt das offen, so wie vieles sich hier erst einmal einer klaren Definition entzieht. Da werden Grenzen überwunden oder zumindest in Frage gestellt, bis irgendwann gar nichts mehr so richtig klar ist, obwohl die drogenbegleitete Sitzung zur Klarheit führen sollte. Stattdessen nimmt der Film das Publikum mit auf eine etwas andere Reise in die Hölle. Eine Reise, die so psychedelisch ist, als sei sie selbst unter Drogeneinfluss entstanden.

Mehr Trip als Krimi

Für einen solchen Film ist Nikias Chryssos natürlich eine gute Wahl. Der deutsche Regisseur hat schließlich in seinen beiden Kinoproduktionen Der Bunker (2015) und A Pure Place (2021) bewiesen, dass ihm die Kombination aus Seltsamem und Abgründigem liegt. Und auch der Fokus auf einen fixen Schauplatz kennt man aus den beiden anderen Werken. Die Villa, die hier zum Tatort wird, ist zwar ausnahmsweise mal nicht an einem abgelegenen Ort, zu dem die meisten Menschen keinen Zugang haben. Und doch wirkt sie wie aus einer anderen Welt, deren Zugang wir nur zufällig gefunden haben, ein bisschen wie in Alice im Wunderland. Dazu passt dann auch der locker-philosophische Ton von Tatort: Leben Tod Ekstase, wenn bei der Selbst- und Schuldsuche ganz Existenzielles auf den Tisch kommt.

Das ist gerade auch audiovisuell fesselnd, selbst wenn jetzt schon klar, dass ein Teil des Publikums mit der experimentellen Art wenig wird anfangen können. Nicht ohne Grund feierte der Film auf dem Filmfest Oldenburg 2022 Premiere, das es gern etwas eigenwilliger mag. Dass das nicht allen gefallen kann und wird, ist klar. Wer den Sonntagabend in erster Linie zum Abschalten nutzen will und ein bisschen über Motive und Tathergänge grübeln, der ist hier falsch. Dafür gibt es in Tatort: Leben Tod Ekstase auch gar nicht genügend Verdächtige. Eine Lösung gibt es dann zwar schon, wenn sich mit der Zeit der Drogennebel lichtet. Doch darum geht es nicht wirklich. Sie ist einfach nur da, weil es sie braucht, damit es überhaupt ein Ende gibt.

Credits

OT: „Tatort: Leben Tod Ekstase“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Nikias Chryssos
Drehbuch: Nikias Chryssos, Michael Comtesse
Musik: John Gürtler, Jan Miserre
Kamera: Jonas Schneider
Besetzung: Margarita Broich, Wolfram Koch, Martin Wuttke, Pit Bukowski, Frederik von Lüttichau, Aenne Schwarz, Uisenma Borchu, Doğuhan Kabaday

Bilder

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Tatort: Leben Tod Ekstase
fazit
„Tatort: Leben Tod Ekstase“ ist ein interessanter Teil, wenn der Tod von sechs Menschen geklärt werden muss, die bei einer drogenunterstützten Psychositzung gestorben sind. Der Krimi an sich wird dabei jedoch zur Nebensache. Stattdessen ist der Film selbst wie ein Trip, der in die Abgründe der Menschen führt, wo Humor und Horror eng beieinander sind.
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