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„Tatort: Blind Date“ // Deutschland-Start: 24. Oktober 2021 (Das Erste)

Als bei einem Überfall auf eine Mainzer Tankstelle der Tankwart erschossen wird, stehen die ermittelnden Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Martin Rascher (Sebastian Blomberg) vor einem großen Problem: Rosa Münch (Henriette Nagel) ist die einzige Zeugin. Und sie ist blind. Dennoch kann die junge Studentin entscheidende Hinweise geben, wer hinter dem Überfall stecken könnte. Dessen sind sich auch Sophie Hansen (Anica Happich) und Moritz Boldt (Jan Bülow) bewusst, weshalb das Duo nach einem Weg sucht, die Zeugin irgendwie auszuschalten. Umso seltsamer, dass diese jeglichen Polizeischutz vehement ablehnt. Gleichzeitig hat Berlinger noch ein anderes Problem, denn David Murphy (Alan Burgon) ist wieder da, der Vater ihrer kleinen Tochter (Elin Knipchild). Und er hat sich in den Kopf gesetzt, diese zu sich zu nehmen …

Schuldige im Fokus

Auch wenn es beim Tatort normalerweise darum geht, ein Verbrechen aufzuklären und unter verschiedenen Möglichkeiten den Täter oder die Täterin herauszufinden, manchmal geht die ARD-Krimireihe dann doch einen anderen Weg. So kommt es durchaus vor, dass einzelne Fälle die eigentliche Suche nach den Schuldigen überspringen und stattdessen diese in den Mittelpunkt stellen. So war es kürzlich bei Borowski und der gute Mensch, bei dem Langzeitkiller Kai Korthals im Umgang mit potenziellen Opfern, aber auch dem titelgebenden Polizisten gezeigt wird. Bei Fall 1175 Blind Date haben Rätselfans ebenfalls erst einmal Sendepause. Das Publikum darf schließlich von Anfang an erfahren, wer hinter dem Überfall steckt, da wird nicht groß auf die Folter gespannt.

Rätseln darf man dennoch. Da wäre zum einen der Faktor, weshalb die zwei diese Überfälle begehen. Die naheliegende Antwort, sich damit bereichern zu wollen, reicht hier nicht aus. Tatort: Blind Date zeigt zwei Menschen, die eher aus Arroganz und einer gewissen Langeweile heraus zu Verbrechern werden. Und dann wäre da noch Rosa, die trotz ihrer Einschränkungen durchaus in der Lage wäre, das Duo hinter Gittern zu bringen. Nur will sie das nicht, in den entscheidenden Momenten schweigt sie. Das verwirrt nicht nur Berlinger und Rascher, die schon bei der Absage an Polizeischutz überfordert sind. Auch das Publikum daheim vor den Fernsehern darf sich fragen, was das denn alles soll.

Vielversprechend, aber plump umgesetzt

Wer sich angesichts des Szenarios – eine Blinde wird zur Zielscheibe eines brutalen Pärchens – so richtig viel Spannung erhofft, der geht leer aus. Drehbuchautor Wolfgang Stauch (Der Tod der Anderen) hatte daran kein Interesse, auch wenn zwei Szenen eigentlich eine solche Richtung andeuten. Die anfängliche Idee, mit anderen Sinnen auf Mörderjagd zu gehen, wird ebenfalls schnell fallen gelassen. Stattdessen versucht sich Tatort: Blind Date an dem Porträt einer jungen Frau, die es leid ist, ein Opfer zu sein, und deswegen von der Möglichkeit fasziniert ist, einmal selbst Täterin werden zu können. Oder sich wenigstens mit einer solchen einzulassen und auf diese Weise ein bisschen Aufregung in ihr bislang so behütetes Leben zu bringen.

Als Konzept ist das nicht uninteressant, hätte die Grundlage für ein faszinierendes Porträt werden können. Stattdessen ist Tatort: Blind Date letztendlich ein ziemlich plumper Film, welches das Trio zu seltsamen Freaks reduziert und dem es einfach nicht gelingt, das Menschliche hinter dem Verhalten zu entdecken. Dafür ist dann wohl Berlinger da, die ganz offensichtlich nicht weiß, wie sie mit ihrer Tochter klarkommen soll. Dieser Part wurde etwas besser ausgeführt, zumindest hat man hier den Eindruck, es mit einem Charakter zu tun zu haben. Richtig spannend ist aber auch das nicht, so wie der Film insgesamt Spannung vermissen lässt. Die meiste Zeit über ist der Krimi langweilig, dann und wann von nervigen Passagen unterbrochen.

Credits

OT: „Tatort: Blind Date“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ute Wieland
Musik: Oli Biehler
Drehbuch: Wolfgang Stauch
Kamera: Cornelia Janssen
Besetzung: Heike Makatsch, Sebastian Blomberg, Henriette Nagel, Anica Happich, Jan Bülow, Alan Burgon, Elin Knipchild

Bilder

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Tatort: Blind Date
Wenn in „Tatort: Blind Date“ ein Tankwart überfallen und getötet wird, ist das ausnahmsweise nicht mit der Suche nach Schuldigen verbunden. Stattdessen stellt der Film die Figuren in den Mittelpunkt. Richtig interessant ist das aber nicht, trotz ungewöhnlicher Verhältnisse, da die Umsetzung zu plump ist. Auch der Spannungsfaktor ist schon recht überschaubar.
4von 10
Leserwertung: (12 Votes)
3.7

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

Eine Antwort

  1. Petra Schnoor

    Zuviel persönliches Drama der Komissarin, dass Komissarinen allein leben -erziehend sind und das dem Kind nicht gut tut ist zwar immer wieder eine gute Warnung an Anwärterinen auf diesen Job, ist aber gähnend langweilig für die Story. Warum wird englisch gesprochen? Um Heike Makatschs Englisch zu bewundern oder um.nicht englischsprachige dazu zu zwingen vom Bild weg zu schauen und den Untertitel zu lesen? Sie wissen welche Generation Tatort schaut, oder?
    Mal die „Sicht“weise einer blinden Person darzustellen ist zwar ganz interessant diente gefühlt aber nur als Politir für die Story.
    Sollte dieses Ermittlerteam nochmal einen Tatort machen, erwarte ich mehr. Ansonsten wars das.

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