Kritik

Tatort Es lebe der Koenig

„Tatort: Es lebe der König!“ // Deutschland-Start: 13. Dezember 2020 (Das Erste)

Während seiner Karriere als Kriminalhauptkommissar hat Frank Thiel (Axel Prahl) natürlich schon so manche Leiche gesehen. Diese hier war aber auch für ihn neu: Manfred Radtke, der neue Burgherr des Haus Lüdecke, wurde ertrunken im Burggraben vorgefunden – in voller Rittermontur. Während das zunächst nach einem Unfall aussieht, schöpfen Thiel und der Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne (Jan Josef Liefers) schnell Verdacht, dass da an der Sache mehr dran sein muss. Ob dessen Kinder Claudia (Sandra Borgmann) und Tobias (Marek Harloff) etwas damit zu tun haben? Oder war es vielleicht doch Clarissa von Lüdecke (Justine Hauer), die nicht nur die vorherige Besitzerin war, sondern auch die Leiche gefunden hat?

Zeit für Entspannung
Nach dem sehr bitteren Zweiteiler In der Familie, welche zum 50-jährigen Jubiläum der Endlosreihe Tatort ausgestrahlt wurde, durfte man schon ein wenig an der Welt und den Menschen verzweifeln. Der düstere Ton und die große Tragik um eine Familie, die in kriminelle Machenschaften verwickelt wird, war alles andere als ein Crowdpleaser. Da ist es nur gerecht, wenn im Anschluss wieder Thiel und Boerne zum Einsatz kommen, ist die Münster-Ausgabe vom Tatort doch für eine eher humorvolle Ausrichtung bekannt. Und ein bisschen Aufheiterung ist als Kontrastprogramm nach dem Vorgänger, der Drama mit Thriller mixte, mehr als willkommen.

Dabei hat Es lebe der König! durchaus ernste Elemente. Ganz abgesehen davon, dass der Film mit einer obligatorischen Leiche beginnt, bei der doch naheliegt, dass da jemand nachgeholfen hat – sonst bräuchte es die Ermittler ja nicht –, tauchen auch andere Themen auf, die nicht unbedingt Grund zur Erheiterung sind. So wird bald klar, dass der Verstorbene an Demenz litt. Außerdem sollen an der Burg in Zukunft Mittelalterspiele veranstaltet werden, die sich nicht auf ein paar Reitturniere und traditionelle alkoholische Getränke beschränken. Vielmehr will man die blutrünstige Geschichte der Wiedertäufer zu Münster aufgreifen, ein bisschen Nervenkitzel also.

Alles eine Nummer kleiner
Letzteren sollte man bei Es lebe der König! jedoch nicht erhoffen. Zwar war ursprünglich mal ein größerer Showdown geplant, durch den der Film in einem Knall enden sollte. Dann kam aber Corona dazwischen. Tatsächlich ist der Krimi einer der ersten, der dieses Jahr unter den neuen Bedingungen gedreht wurde. Das bedeutet viele Aufnahmen draußen an der frischen Luft, bei den Innenszenen musste abgespeckt werden. Gerade die Burg wird so zu einer Kulisse, die mehr im Hintergrund zum Einsatz kommt. Allgemein gibt es auffallend wenige Schauplätze, man setzte hier mehr auf Dialoge als auf Handlung.

Die sind dafür wieder recht amüsant geworden. Vor allem Liefers hat als selbstverliebter Rechtsmediziner, der gerne mal sein Umfeld belehrt und sich in unpassenden Selfies festhält, wieder sichtlich Spaß, während Prahl eher den mürrischen Polizisten gibt, dem das alles irgendwie zu doof ist. Dieser Kontrast funktioniert auch nach einem Dutzend gemeinsamer Fälle gut, das Duo ist Partner und Widersacher zugleich. Die Gastschauspieler und Gastschauspielerinnen haben dabei jedoch das Nachsehen. Ihnen wurden nur wenig erinnerungswürdige Szenen bereit gestellt, sie werden in ihrer eigenen Geschichte zu sehr auf die Funktion des Stichwortgebers reduziert.

In der Hinsicht wäre mehr möglich gewesen, auch das Thema von Leuten, die blutige historische Ereignisse zum eigenen Vergnügen nachspielen, wird nicht so wirklich ausgekostet – da wäre satirisch noch viel mehr möglich gewesen. Trotzdem bleibt Es lebe der König! eine launige Ausgabe des Dauerbrenners, die im Gegensatz zum ebenfalls eher grotesk angelegten Die Ferien des Monsieur Murot kürzlich griffiger ist und weiß, was sie will. Wer das Team und den Humor mag, schaut rein. Als reiner Krimi ist das jedoch eher weniger gehaltvoll, da die Ermittlungen schon mal in den Hintergrund rücken können. Immerhin: Die Auflösung kommt dann doch eher überraschend.

Credits

OT: „Tatort: Es lebe der König!“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Buket Alakuş
Drehbuch: Benjamin Hessler
Musik: Christoph Blaser
Kamera: Andreas Höfer
Besetzung: Jan Josef Liefers, Axel Prahl, Christine Urspruch, Mechthild Großmann, Sandra Borgmann, Marek Harloff, Violetta Schurawlow, Mai Duong Kieu, Justine Hauer

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3.9/5 - (14 votes)
Tatort: Es lebe der König!
In „Es lebe der König“ stolpert das Münster-Ermittlerduo über eine Leiche in einer Ritterrüstung, während in der Burg blutige Mittelalterspiele vorbereitet werden. Der Film selbst ist dabei aber wieder humorvoll gehalten, lebt vor allem von den Reibungen der beiden Hauptfiguren. Das ist unterhaltsam, auch wenn man in mancher Hinsicht zu minimalistisch vorging.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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