Tatort Drei Affen
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Tatort: Drei Affen

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„Tatort: Drei Affen“ // Deutschland-Start: 26. September 1999 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als der Polizist Ben Keller (Henning Baum) vom Drogendezernat zum Morddezernat wechselt, ist die Freude groß, bis spät in die Nacht wird gefeiert. Am nächsten Morgen ist von dieser Stimmung nichts mehr übrig. Denn als Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) am nächsten Morgen an einen Tatort gerufen werden, stellen sie zu ihrem Entsetzen fest, dass es sich dabei um Bens Freundin Monika Fenner handelt, die er bald heiraten wollte. Einen ersten Verdächtigen haben sie schnell gefunden, hat doch der verurteilte Verbrecher Frank Hönninger (Wilfried Hochholdinger) ihr wiederholt gedroht, sich an ihr rächen zu wollen. Die Ermittlungen gestalten sich dennoch schwierig: Obwohl der Mord mitten in einer Wohnsiedlung stattgefunden hat, will niemand etwas gesehen oder gehört haben …

Erste Schritte eines Hollywood-Regisseurs

Es ist doch immer wieder interessant zu sehen, wer im Laufe der Zeit so alles beim Tatort mitgemacht hat. Das trifft einerseits natürlich auf die Schauspieler und Schauspielerinnen zu. Da sind schon immer wieder sehr prominente Leute zu sehen, zum Teil vor, zum Teil nach ihrem Durchbruch. Aber auch beim Kreativteam dahinter entdeckt man so manch bekannten Namen. So auch bei Drei Affen, wo Robert Schwentke am Drehbuch mitgearbeitet hat. Später schaffte der Deutsche den Sprung nach Hollywood, drehte dort unter anderem R.E.D. – Älter, Härter, Besser, Die Bestimmung – Insurgent oder zuletzt Snake Eyes: G.I. Joe Origins. Seine Arbeit für den deutschen TV-Dauerbrenner stammte natürlich aus der Zeit davor. Schwentke führte seinerzeit noch nicht selbst Regie, sondern verdiente sich mit Fremdarbeiten seinen Lebensunterhalt.

Das ist dann aber auch schon mit das Bemerkenswerteste, was man über Tatort: Drei Affen sagen kann. Das Drehbuch, das Schwentke gemeinsam mit Jan Hinter (Nord Nord Mord: Sievers und der schwarze Engel) geschrieben hat, ist nicht unbedingt eine Sternstunde des deutschen Fernsehens geworden. Ein großes Problem ist, dass man hier zu weiten Teilen immer weiß, was geschehen wird. Schon beim Einstieg ist klar, wer die Tote sein wird, noch bevor Ballauf und Schenk etwas sagen. Schlimmer noch: Ein einigermaßen krimiaffines Publikum weiß bereits nach der Hälfte des Films, wer den Mord begangen hat. Man tut hier aber dennoch so, als wäre das alles völlig offen und gibt sich zum Schluss ganz überrascht. Dazwischen heißt es warten und warten und warten, damit das Unvermeidliche endlich mal geschieht.

Zivilcourage mit dem Holzhammer

Interessanter ist da schon der Punkt zivile Courage, den der Film aufgreift. Die ARD-Krimireihe nimmt sich bekanntlich immer mal wieder Themen an, die über die eigentliche Mördersuche hinausgehen. So auch beim 422. Teil. Wenn direkt vor den Augen und Ohren eines ganzen Wohnblocks ein Mord geschieht, aber niemand etwas unternimmt, dann ist das natürlich schon erschreckend. Aber es ist kein Einzelfall, wie Tatort: Drei Affen klar macht. Getreu dem Motto „nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“, welches dem Film seinen Titel gegeben hat, wollen die Menschen nichts mit alledem zu tun haben. Außer Glotzen vielleicht, das tun sie ganz gerne. Grundsätzlich ist das als Thema durchaus interessant und wichtig. Die Holzhammer-Methode, mit der das hier unters Publikum gebracht werden soll, macht diese gute Absicht aber zunichte. Das ist schon wieder so plump und aufdringlich, dass es zu einem Ärgernis wird.

Aber auch sonst sind da immer mal wieder Szenen dabei, die einen aus dem Geschehen reißen. Mal ist das so reißerisch inszeniert, dass es wieder albern wird. Eine finale Szene, wenn es zu einer Art Showdown kommt, ist fast schon legendär schlecht und wirkt eher so, als sei sie einer Parodie entnommen. Die Tragik, welche die Geschichte für sich in Anspruch nimmt, kommt so natürlich nicht zum Tragen. Die Verbindungen zwischen den Figuren, die in Tatort: Drei Affen maßgeblich den Ablauf der Handlung beeinflussen, sind zudem sehr oberflächlich gezeichnet. Der Krimi ist ein Beispiel dafür, wie man eine im Grundsatz gute Idee völlig in den Sand setzt.

Credits

OT: „Tatort: Drei Affen“
Land: Deutschland
Jahr: 1999
Regie: Kaspar Heidelbach
Drehbuch: Robert Schwentke, Jan Hinter
Musik: Kambiz Giahi
Kamera: Arthur W. Ahrweiler
Besetzung: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Anna Loos, Henning Baum, Jan-Gregor Kremp, Emel Gültekin, Wilfried Hochholdinger, Günter Lamprecht

Bilder

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Tatort: Drei Affen
Fazit
Die Geschichte ist vorhersehbar, die gesellschaftliche Aussage mit dem Holzhammer rübergebracht, hinzu kommen einige richtig lächerliche Szenen. Obwohl das in „Tatort: Drei Affen“ angeschnittene Thema der Zivilcourage wichtig ist, ist der Krimi nahe an einem Totalausfall.
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