Tatort: Murot und das Murmeltier TV Fernsehen ARD Das Erste Mediathek

Tatort: Murot und das Murmeltier

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„Tatort: Murot und das Murmeltier“ // Deutschland-Start: 17. Februar 2019 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) eines Morgens durch einen Anruf seiner Kollegin Magda Wächter (Barbara Philipp) aus dem Schlaf gerissen wird, ahnt er noch nicht, wie anstrengend dieser Tag wird. Und wie lang. Eine Geiselnahme ist es, die ihn früh morgens zur Arbeit ruft. Genauer hat sich Stefan Gieseking (Christian Ehrich) in einer kleinen Bank verschanzt, wo er mehrere Angestellte gefangen hält. Da die üblichen Spezialisten gerade nicht verfügbar sind, nimmt Murot die Aufgabe an, selbst mit dem Geiselnehmer zu verhandeln. Wie schwierig kann das schon sein? Die wollen doch eh immer nur dasselbe. Die Begegnung endet jedoch höchst unerfreulich für den Polizisten, dem es nicht gelingt, die Situation zu entschärfen. Zu seinem Glück erhält er aber noch eine Chance, die Geschichte zu einem guten Ende zu bringen. Viele Chancen sogar …

Hatten wir das nicht schon mal?

Innerhalb der vielen Tatort Teams, die Woche für Woche Verbrechen aufklären und um die Aufmerksamkeit des Publikums kämpfen, ist das aus Wiesbaden oft ein Exot. Zuletzt verwirrte Felix Murot in Die Ferien des Monsieur Murot mit einem skurrilen Doppelgänger-Plot. Im verkopften Murot und das Prinzip Hoffnung war es eine wahnsinnige Familie, welche die Definition eines Krimis schon sehr in Frage stellte. Doch der bislang wohl verrückteste Auftritt des Kommissars war der in Murot und das Murmeltier. Dort werden nicht nur sämtliche Genregrenzen aufgehoben, wenn es gar nicht mehr um die Aufklärung eines Verbrechens geht. Auch die Realität dient höchstens noch als Kulisse, mit der man nach Belieben vorgehen kann.

Der 1084. Teil der ARD-Krimireihe macht dabei keinen Hehl daraus, woher er seine Inspirationen hat. Die Kultkomödie Und täglich grüßt das Murmeltier ist es, welche Regisseur und Drehbuchautor Dietrich Brüggemann zu dem Film verleitet hat. Darin ging es bekanntlich um einen Mann, der ein und denselben Tag wieder und wieder erlebt. Bis heute erfreut sich dieses Zeitschleifenprinzip großer Beliebtheit, wird mal im komödiantischen (Palm Springs), mal im unheimlichen Kontext (The Endless) verwendet. Vergleiche muss sich Tatort: Murot und das Murmeltier daher jede Menge gefallen lassen. Vor allem der mit Edge of Tomorrow liegt auf der Hand. Nicht nur dass beide deutlich blutiger sind als die Komödie aus dem Jahr 1993. Diese war zudem eher ziellos herumwandernd, während Murot ein klares Ziel vor Augen hat: Er will die Geiselnahme unblutig beenden.

Zwischen Komik und Nachdenklichkeit

Brüggemann, der schon bei Tatort: Stau bewies, dass er dem zuweilen etwas angestaubten Krimigenre neue Impulse geben kann, beschränkt sich aber nicht darauf, die Erfolgsformel einfach nur zu kopieren. Zum Teil tut er das natürlich. Manche komische Situationen sind da dann doch Standard, wenn entweder der Protagonist mit wiederkehrenden Erfahrungen konfrontiert wird oder sein Vorwissen zur Verwirrung der Nichtsahnenden einsetzt. Murot und das Murmeltier will aber mehr als bloße Unterhaltung anbieten. Stattdessen befasst sich der Filmemacher, der zudem die Musik geschrieben hat, mit ganz existenziellen Fragen zur Entscheidungsfreiheit des Menschen und einem damit verbundenen Sinn des Lebens. Macht es einen Unterschied, was ich zum Frühstück esse? Wie sehr kann ich mein Leben kontrollieren?

Das bedeutet natürlich, dass für Krimifans wie so oft bei den Wiesbadenern nicht viel zu holen ist. Ein bisschen Spurensuche gibt es zwar schon, wenn Murot versucht, mehr über den Geiselnehmer herauszufinden. Denn darin liegt die Antwort auf die Frage, wie sich die Geiselnahme lösen lässt. Aber auch der Part dürfte weniger als Genrebeitrag durchgehen. Wer sich aber davon lösen kann, dass ein Krimi nach dem Schema Mord-Spurensuche-Auflösung funktionieren und mit vielen Rätseln einhergehen muss, findet in Tatort: Murot und das Murmeltier einen der interessantesten Teile, welche die Endlosreihe in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Selbst ohne Rätsel gibt es einiges, worüber es sich nachzudenken lohnt. Der Unterhaltungsfaktor stimmt auch, wenn Tukur spielerisch leicht das komische Potenzial ausreizt.

Credits

OT: „Tatort: Murot und das Murmeltier“
Land: Deutschland
Jahr: 2019
Regie: Dietrich Brüggemann
Drehbuch: Dietrich Brüggemann
Musik: Dietrich Brüggemann
Kamera: Alexander Sass
Besetzung: Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadine Dubois, Tom Lass, Jörg Bundschuh

Bilder

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Tatort: Murot und das Murmeltier
Fazit
Eine Geiselnahme wie immer? Nicht ganz. In „Tatort: Murot und das Murmeltier“ steckt der Kommissar in einem kniffligen Fall fest, der sich auf humorvolle Weise mit Fragen zur menschlichen Entscheidungsfreiheit und dem Sinn des Lebens befasst.
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