Tatort Die Blume des Bösen
© WDR/Michael Böhme

Tatort: Die Blume des Bösen

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„Tatort: Die Blume des Bösen“ // Deutschland-Start: 1. Januar 2007 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als seine Cousine Beatrice (Nadeshda Brennicke) für eine Untersuchung ins Krankenhaus muss, erklärt sich Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) bereit, solange auf deren Tochter Anna (Luzie Kurth) aufzupassen. Warum auch nicht? Sind ja nur einige Tage. Dabei hat er bald beruflich eigentlich alle Hände voll zu tun. Erst ruft ein Unbekannter bei ihm an und droht ihm. Kurze Zeit später ist eine alte Bekannte tot, brutal ermordet. Handelt es sich bei dem Täter jedoch um denselben Mann? Und was genau könnte er von Ballauf wollen? Auf der Suche nach Antworten tauchen er und sein Kollege Freddy Schenk (Dietmar Bär) tief in die Vergangenheit ein. Doch die Zeit drängt, denn der Anrufer hat ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel begonnen …

Mehr Thriller als Krimi

Auch wenn beim Tatort im Laufe der vergangenen 50 Jahre natürlich die unterschiedlichsten Geschichten erzählt wurden, mit den unterschiedlichsten Figuren an den unterschiedlichsten Orten, viele funktionieren dann doch nach einem ähnlichen Prinzip: Am Anfang wird eine Leiche gefunden, anderthalb Stunden lang wird nach dem Täter oder die Täterin gesucht. Doch es geht auch anders, wie Die Blume des Bösen beweist. Zwar gibt es auch beim 651. Teil der ARD-Krimireihe Leichen, einen unbekannten Mörder und diverse Fragen, die es zu beantworten gibt. Doch der Fokus ist ein anderer.

Tatsächlich ist Tatort: Die Blume des Bösen einem Thriller näher als einem Krimi. Es geht weniger darum herauszufinden, wer für den ersten Mord verantwortlich war, als vielmehr darum, weitere Morde zu verhindern. Schließlich macht der namenlose Anrufer von Anfang an klar, dass da noch weitere Opfer folgen werden, wenn Ballauf nicht mitspielt. Das sorgt grundsätzlich für eine erhöhte Spannung, wenn eine Ermittlung gleichzeitig ein Wettlauf gegen die Zeit ist. Hinzu kommt, dass die designierten Opfer aus dem Umfeld von Ballauf stammen, auch das wird früh verraten. Das erhöht die persönliche Note: Scheitert der Polizist, muss er einen persönlichen Verlust hinnehmen. Zumindest in der Theorie wird damit auch der Nervenkitzel erhöht.

Unter den Möglichkeiten geblieben

In der Praxis sieht es da leider etwas anders aus. So beginnt die Jagd mit einer Bekannten, die eine derart unwichtige Rolle im Leben von Ballauf spielt, dass dieser nicht mal ihren Nachnamen kennt. Die Anteilnahme hält sich da entsprechend in Grenzen. Und auch im Anschluss traut sich Tatort: Die Blume des Bösen nicht wirklich an die Bereiche, wo das Katz-und-Maus-Spiel weh tun könnte. Bis der Film dann mal endlich bei den Figuren ankommt, wo es tatsächlich einen Unterschied macht, ist er fast schon vorbei. Außerdem suchte man sich hierfür Figuren aus, bei denen klar ist, dass ihnen sowieso nichts passieren wird. Die Spannung, die sich aus dem Szenario ergeben sollte, bleibt dadurch immer unter ihren Möglichkeiten.

Aber auch anderweitig lässt Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller (Angst in meinem Kopf) viel von dem Potenzial liegen. So ist ihm nicht wirklich viel eingefallen, um sich von den thematisch ähnlichen Filmen zu abzuheben, weder beim Motiv des Täters noch dem Ablauf seines Spiels. Die Mittel sind ohnehin begrenzt, was das Format und das damit verbundene Budget mit sich bringen. Tatort: Die Blume des Bösen ist an vielen Stellen dann eben doch „nur“ ein TV-Film, der großen Kinoproduktionen nacheifert, ohne diese je realistisch erreichen zu können. Wer diesen Anspruch gar nicht hat, kann hiermit aber schon unterhalten werden, zumal Behrendt auch mal ein bisschen schauspielerischen Einsatz zeigen darf, mehr als es sonst bei diesen Filmen von ihm verlangt wird.

Credits

OT: „Tatort: Die Blume des Bösen“
Land: Deutschland
Jahr: 2007
Regie: Thomas Stiller
Drehbuch: Thomas Stiller
Musik: Peter Scherer
Kamera: Marc Liesendahl
Besetzung: Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Tessa Mittelstaedt, Joe Bausch, Nadeshda Brennicke, Jürgen Schornagel, Luzie Kurth, Alexandra von Schwerin

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Tatort: Die Blume des Bösen
Fazit
„Tatort: Die Blume des Bösen“ verabschiedet sich von dem klassischen Krimiprinzip, wenn Hauptkommissar Ballauf und ein unbekannter Anrufer sich ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel liefern. Das funktioniert prinzipiell, ist aber nie mehr als die billigere TV-Kopie bekannter Kinothriller.
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