Tatort: Borowski und die große Wut TV Fernsehen Das Erste ARD Streamen online Mediathek
© NDR/ARD/Thorsten Jander

Tatort: Borowski und die große Wut

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„Tatort: Borowski und die große Wut“ // Deutschland-Start: 7. Mai 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als Klaus Borowski (Axel Milberg) zu sich kommt, ist alles verschwommen. Offensichtlich hat jemand den Kommissar zusammengeschlagen, nun liegt er im Krankenhaus. Dabei wäre einiges zu tun. So wurde eine alte Frau ermordet, deren Enkelin wurde offensichtlich entführt. Aber nur mühsam kann er die Erinnerung zusammensetzen. Und überhaupt soll er sich schonen, ärztliche Anordnung, seine Kollegin Mila Sahin (Almila Bagriacik) übernimmt den Fall. Das bedeutet aber nicht, dass Borowski deswegen nur auf der faulen Haut herumliegen möchte. Denn da ist auch noch das Mädchen Finja (Jil), das behauptet von der älteren Schwester Celina (Caroline Cousin) entführt worden zu sein. Aber stimmt das? Wenn ja, was hat Celina vor? Und woher hat das Kind eigentlich seine Nummer?

Rettungsaktion vom Krankenbett aus

Zuletzt ging es beim Tatort richtig turbulent zu. Sowohl in Love Is Pain wie auch bei Seilschaft hatten es die jeweiligen Teams mit Serienmorden zu tun. Während der erste Fall durch seine Dreistigkeit auffiel, die Tat vor laufender Kamera auszuüben, was zu einer groß angelegten Gesichtersuche führte, blieb der zweite durch die völlig überzogenen bizarren Morde in Erinnerung. Wem das alles zu viel war, der bekommt mit Borowski und die große Wut nun einen Film, der deutlich intimer und im kleineren Rahmen umgesetzt wurde. So spielt die Geschichte über längere Zeit nur im Krankenhauszimmer des verletzten Kommissars. Die einzige Möglichkeit, den Fall zu lösen, liegt in seiner verschütt gegangenen Erinnerung sowie dem Telefon, wenn er immer mal wieder mit dem entführten Mädchen spricht.

Damit erinnert der 1236. Teil der ARD-Krimireihe an diverse Thriller, bei denen die Hauptfigur im Rahmen eines Telefonats ein Entführungsopfer retten muss. Der dänische Kammerspiel-Geheimtipp The Guilty fällt einem an der Stelle ein. Auch in The Call – Leg nicht auf! gab es ein ähnliches Szenario. Immer ruft die entführte Person an, die Befreiung muss organisiert werden, ohne sich nennenswert vom Fleck zu bewegen. Das Publikum soll derweilen mitfiebern und mitzittern. Wird es gelingen, das Opfer rechtzeitig zu befreien, bevor diesem etwas geschieht? Und wie soll das überhaupt funktionieren, eine Rettungsaktion, wenn man daran nicht teilnehmen kann und nicht einmal wirklich weiß, wo sich die jeweiligen Personen gerade aufhalten?

Eine Ermittlung wie im Traum

Doch trotz der thematischen Gemeinsamkeiten unterscheidet sich das hier in mehrfacher Hinsicht deutlich von den obigen Titeln. Zum einen ist zunächst gar nicht wirklich klar, ob es eine Entführung ist, zu wirr ist das Ganze. Zum anderen beschäftigt sich Tatort: Borowski und die große Wut deutlich mehr mit den Figuren. Die Frage nach der Rettung lässt das miteinander verheiratete Drehbuchduo Eva und Volker A. Zahn (Abbruchkante) mit der Zeit immer stärker in den Hintergrund rücken. Wichtiger ist die Frage nach Celina. Die Suche nach dem entführten Mädchen wird auch zu einer Annäherung an die Entführerin. Borowski möchte wissen, wer sie ist, was sie antreibt, was ihre Vorgeschichte ist. Auf diese Weise wird der Film zu einer Art Psychogramm, wenn wir immer tiefer in das Leben eines kaputten jungen Menschen eintauchen.

Damit verbunden ist eine gewöhnungsbedürftige Erzählweise. Da der Kieler Kommissar durch den Schlag auf den Hinterkopf nicht mehr ganz klar im Kopf ist, wird Tatort: Borowski und die große Wut zu einem doppelten Puzzlespiel. Da gilt es sowohl die Täterin wie auch die Vergangenheit zusammenzusetzen. Das Ergebnis ist ein zuweilen recht surrealer Genrevertreter. Der Krimi, der beim Festival des deutschen Films 2022 Premiere hatte, gleicht an vielen Stellen einem Traum, der auf kräftige Farben setzt, weniger auf inhaltliche Kohärenz. Wie viel man davon für sich selbst mitnimmt, hängt daher maßgeblich davon ab, ob man sich auf diese Reise einlassen kann. Wer sich treiben lässt und dabei auch Anforderungen an Logik am Ufer zurücklässt, erlebt einen der spannenderen Teile der letzten Zeit. Der Rest wird sich beim versponnenen Krimi eher langweilen.

Credits

OT: „Tatort: Borowski und die große Wut“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Friederike Jehn
Drehbuch: Eva Zahn, Volker A. Zahn
Musik: Lorenz Dangel
Kamera: Sten Mende
Besetzung: Axel Milberg, Almila Bagriacik, Thomas Kügel, Anja Antonowicz, Roger Bonjour, Caroline Cousin, Sophie von Kessel, Joel Williams, José Barros, Jil

Bilder

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Tatort: Borowski und die große Wut
fazit
„Tatort: Borowski und die große Wut“ hat ein an und für sich klassisches Thrillerszenario, wenn ein kleines Mädchen entführt und befreit werden muss. Stattdessen handelt es sich um ein versponnenes Psychogramm mit traumartiger Atmosphäre, welches nach und nach die Puzzleteile der Vergangenheit und der Täterin zusammenführt.
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