Tatort Alles kommt zurück
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Tatort: Alles kommt zurück

Inhalt / Kritik

Tatort Alles kommt zurück
„Tatort: Alles kommt zurück“ // Deutschland-Start: 26. Dezember 2021 (Das Erste)

Nur ein bisschen Sex, ganz unkompliziert. Mehr will Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ja gar nicht, als sie von Göttingen nach Hamburg fährt, um sich dort mit einem Mann im Hotel zu treffen. Dummerweise ist der aber tot, was nicht nur den Spaßfaktor deutlich senkt. Die Kommissarin ist auf einmal Tatverdächtige Nummer eins. Das kostet ihre lokale Kollegin Jana Zimmermann (Anne Ratte-Polle), die mit dem Fall vertraut wird, genussvoll aus. Aber auch der zurückhaltender auftretende Ruben Delfgau (Jens Harzer) traut Lindholm nicht so ganz. Die wiederum ist fest davon überzeugt, dass ihr jemand eine Falle stellen wollte, weswegen es für sie Ehrensache ist, dass sie die Angelegenheit selbst löst – sehr zum Missfallen von Zimmermann und Delfgau, mit denen sie mehrfach auf die eine oder andere Weise aneinandergerät …

Eine Rückkehr mit Hindernissen

Fans der Göttinger Tatort Ermittlerin Charlotte Lindholm brauchen traditionell immer ein wenig Geduld. Auch wenn sie seit bald zwanzig Jahren auf Mörderjagd ist, dauert es zwischendurch immer eine Weile, bis man sie wiederseht. Wo andere aus dem Fernsehen bekannte Kollegen und Kolleginnen mehrfach im Jahr im Einsatz sind, da ist Lindholm zurückhaltender. Tatsächlich hieß es, mehr als anderthalb Jahre warten, bis sie sich jetzt mit Tatort: Alles kommt zurück zurückmeldet, dem bislang 29. Film ihrer Laufbahn. Die Vorfreude dürfte da etwas größer gewesen. Die Ernüchterung ist es aber auch, wenn der Krimi 1183. Teil der ARD-Krimi vieles anders macht, als man es gewohnt ist. Anders heißt aber nicht besser.

Die erste Besonderheit: Der Film spielt nicht im heimischen Göttingen, sondern in Hamburg. Das bedeutet jedoch nicht, dass es zu irgendwelchen reiheninternen Crossovers kommt wie vor einem Jahr, als in In der Familie die Teams aus München und Dortmund kooperierten. Zwar kommen auch in Tatort: Alles kommt zurück lokale Polizisten und Polizistinnen zum Zug, doch dabei handelt es sich um reine Gastfiguren. Der Schauplatz an sich spielt zudem keine wirkliche Rolle für die Geschichte. Erwähnt wird zwar schon, dass in der Hansestadt vieles anders läuft. Das meiste ließe sich aber in jeder beliebigen Stadt problemlos erzählen. Die einzige größere Ausnahme ist der Auftritt von Udo Lindenberg, schließlich spielt das hier im Hamburger Hotel Atlantic, in dem der deutsche Kultsänger tatsächlich seit Jahren lebt.

Skurril bis anstrengend

Aber auch das ist letztendlich irrelevant. Drehbuchautor Uli Brée (Faltenfrei, Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht) nutzt den Künstler letztendlich nur zur musikalischen Untermalung und für ein paar Szenen rund um Lindenberg-Lookalikes, die sich alle im Hotel treffen. Mit dem Fall hat das nichts zu tun, ein paar amüsante Momente sind aber dabei. Überhaupt ist der Film gefüllt mit skurrilen Figuren. Detlev Buck, der bei Tatort: Alles kommt zurück Regie führte und selbst eine Rolle übernahm, ist für solche Kombinationen aus Krimi und Humor natürlich immer zu haben. Er schafft hier eine Parallelwert, in der alle einen Knall haben. Das Ergebnis ist jedoch zwiespältig. Streckenweise ist das hier schon unterhaltsam. Vor allem aber die von Anne Ratte-Polle gnadenlos überzogene Polizeihexe ist so anstrengend, dass man sich schon ein wenig quälen muss, das bis zum Ende durchzustehen.

Damit verbunden ist ein anderes Problem: Es fehlt an Spannung. Bei Tatort: Alles kommt zurück war man so sehr damit beschäftigt, irgendwelche Macken und Lindenberg einzubauen, dass man dabei völlig vergessen hat, an der Geschichte selbst zu arbeiten. Das ist bei dieser Reihe natürlich keine Seltenheit. Inzwischen steht gefühlt jeder zweite Film in der Kritik, sich mehr für inszenatorische Experimente oder gesellschaftliche Aspekte zu interessieren, anstatt einfach einen guten Fall zu entwickeln. Selten klaffte da aber eine derart große Lücke zwischen dem Aufwand in das Drumherum und dem in das eigentliche Drehbuch. Fans von Furtwängler, Lindenberg oder Buck dürfen reinschauen. Wer gerne rätselt, sollte den Sonntagabend besser anderweitig einplanen.

Credits

OT: „Tatort: Alles kommt zurück“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Detlev Buck
Drehbuch: Uli Brée
Musik: Johannes Kobilke
Kamera: Bella Halben
Besetzung: Maria Furtwängler, Jens Harzer, Anne Ratte-Polle, Detlev Buck, Nadeshda Brennicke, Lukas Zumbrock, Neda Rahmanian

Bilder

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In „Tatort: Alles kommt zurück“ steht die Göttinger Kommissarin in Hamburg auf einmal selbst unter Mordverdacht. Der Film fällt überwiegend durch die Auftritte von Udo Lindenberg und die skurrilen Figuren auf. Als Krimi ist das hier hingegen nicht zu gebrauchen, die Mördersuche wechselt zwischen anstrengend und langweilig.
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