Tatort: Gier und Angst
© WDR/unafilm GmbH/Elliott Kreyenberg

Tatort: Gier und Angst

Inhalt / Kritik

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„Tatort: Gier und Angst“ // Deutschland-Start: 2. Januar 2022 (Das Erste)

Der Manager Josef Micklitza (Stefan Rudolf) ist völlig verwirrt, als er die Leiche seines Vermögensberaters findet, war er doch eigentlich mit diesem verabredet. Genauso verwirrt ist aber auch die Polizei, als Micklitza kurze Zeit später verschwunden ist. Und so wird an seiner Stelle dessen Bruder Micki (Sascha Geršak) beschattet, der einen Club besitzt und trotz seines gänzlich anderen Lebensstil Kontakt zum Vermissten hielt. Ganz anders Ella (Anke Retzlaff), die eigentlich mit Kriminalhauptkommissar Jan Pawlak (Rick Okon) verheiratet ist, aber vor einem Jahr spurlos verschwand und dabei ihren Mann und die gemeinsame Tochter wortlos zurückließ. Und ausgerechnet bei Micki taucht sie wieder auf, was nicht nur Pawlak vor ziemliche Probleme stellt. Auch der Rest seines Teams –  Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt) und Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) – wissen erst einmal nicht, was sie mit der Situation anfangen sollen, wussten sie doch nichts über diesen Aspekt im Leben ihres Kollegen …

Zwischen Ober- und Unterwelt

Einen Tag nach dem überraschend gelungenen Videobeweis gibt es mit Gier und Angst bereits Nachschub für Fans vom Tatort. Das bedeutet natürlich schon irgendwo das Risiko von Übersättigung, so kurz hintereinander. Glücklicherweise gehen die beiden Filme jedoch in unterschiedliche Richtungen. Zwar beginnen sie jeweils mit der Leiche eines Mannes, was nicht für das Polizeigespann erklärungsbedürftig ist und diverse Verdächtigungen nach sich zieht. Außerdem haben beide einen in Ansätzen gesellschaftlichen Anspruch. Während es bei den Stuttgartern um das Thema Vergewaltigung und die Unterschiedlichkeit von Perspektiven geht, da stehen in Dortmund die Reichen, Superreichen und Möchtegernreichen zunächst am Pranger. Zumindest wird die Branche als skrupellos beschrieben, weswegen niemand wirklich verwundert, dass da auch mal jemand ermordet wird.

Dieser Oberwelt wird jedoch eine Unterwelt gegenübergestellt, die in schummrigen Clubs ein und ausgeht und gerne mal die eine oder andere Droge konsumiert. Das klingt nach einem ziemlichen Gegensatz, handelt aber doch jeweils von Sehnsüchten und Menschen, die sich im Rausch verlieren. So richtig geheuer sind beide zudem nicht. Tatort: Gier und Angst, der 1185. Fall der Reihe, macht aus dieser Konstellation jedoch nicht wirklich viel. Wer sich aus der Gegenüberstellung irgendwelche spannenden Erkenntnisse erhofft, sei es über die jeweiligen Welten oder auch die menschliche Natur, die sich eben solchen Sehnsüchten hingibt, der wird hier im Regen stehengelassen. Oder in den Nebelschwaden, welche durch den Club wabern und die mit dazu beitragen, dass man sich ein wenig in dieser Geschichte verloren fühlt.

Mehr Drama als Krimi

Das größere Problem ist aber, dass Regisseur und Co-Autor Martin Eigler (Der böse König) unbedingt die persönlichen Probleme des Teams groß thematisieren will. Dass Pawlak mit seiner drogenabhängigen Frau nicht unbedingt das große Los gezogen hat, das wissen die treuen Zuschauer und Zuschauerinnen zu dem Zeitpunkt natürlich schon. Wurde in anderen Einsätzen des Dortmunders ja schon mehrfach angesprochen. Dieses Mal wird es aber besonders tragisch, wenn Tatort: Gier und Angst den vergeblichen Kampf gegen die Leere aufzeigt. Für einen kurzen Moment scheint es, als könnte das Paar noch einmal das Glück finden, wenn es sich nur fest genug hält und der heruntergekommene Club zu einem reinen Hintergrund wird. Aber dieses Glück ist ebenso brüchig wie das von Bönisch, die ihrerseits mit einem hässlichen Beziehungsende zu kämpfen hat.

Sehenswert ist der Film dann auch in erster Linie für die dramatische Ausrichtung, wenn die Nerven blank liegen und unter der dünnen Schicht Alltag ein seelischer Abgrund verborgen ist. Als Krimi ist Tatort: Gier und Angst hingegen weniger interessant. Die Geschichte tritt recht lange auf der Stelle, die Ermittlungen werden so oft durch die persönlichen Aspekte unterbrochen, dass man zwischendurch ganz vergisst, dass da ja noch ein Mord aufzuklären ist. Wem der kriminologische Faktor wichtig ist und vor allem selbst miträtseln möchte, der kann diesen Sonntag aussitzen und sich einen der vielen Konkurrenten schnappen, die jede Woche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt werden. Ein Publikum auf der Suche nach Emotionen, vor allem den weniger erfreulichen, können jedoch reinschalten, müssen sich aber darauf einstellen, dass Spannung hier eher klein geschrieben werden sollte.

Credits

OT: „Tatort: Gier und Angst“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Martin Eigler
Drehbuch: Martin Eigler, Sönke Lars Neuwöhner
Musik: Sven Rossenbach, Florian van Volxem
Kamera: Benjamin Dernbecher
Besetzung: Jörg Hartmann, Anna Schudt, Rick Okon, Stefanie Reinsperger, Timan Strauß, Sascha Alexander Gersak, Anke Retzlaff, Stefan Rudolf

Bilder

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In „Tatort: Gier und Angst“ wird erst eine Leiche entdeckt, dann der Finder vermisst, bis eine vermisste Frau gefunden wird. Die Geschichte geht dabei um ein paar Ecken, ist aber nie so wirklich spannend. Sehenswert ist der Krimi eher als Drama, wenn hier einige wirklich traurige Momente auf das unbedarfte Publikum warten.
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