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Tatort Macht der Familie

„Tatort: Macht der Familie“ // Deutschland-Start: 18. April 2021 (Das Erste)

Sie standen so kurz davor, die russischen Waffenhändler zu überführen, die hinter der Fassade eines Herstellers von Landmaschinen ihren Geschäften nachgehen. Doch dann stürzt aus ungeklärten Gründen das Flugzeug ab, in dem der verdeckte Ermittler unterwegs war. Nach dessen Tod scheint die Geschichte zunächst abgehakt. Aber die gerade zur Hauptkommissarin beförderte Julia Grosz (Franziska Weisz) beschließt einen weiteren Anlauf. Und so überredet sie die selbst beim LKA arbeitende Marija Timofejew (Tatiana Nekrasov), eine entfremdete Nichte des Waffenhändlers, gegen ihre Familie zu ermitteln. Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) ist davon nur wenig begeistert, zu groß ist in seinen Augen die Gefahr, kann die junge Frau aber nicht davon abhalten …

Vom Meer in den Sumpf

Unterschiedlicher könnten die beiden letzten Filme rund um das norddeutsche Tatort Ermittlerduo Julia Grosz und Thorsten Falke zumindest optisch wohl kaum sein. Während bei Tödliche Flut alles auf die rauen Bilder der Norderney ausgerichtet war, der Film sich so sehr in die Landschaft verliebte, dass er die Geschichte aus den Augen verlor, da stehen diesmal die städtischen Abgründe im Mittelpunkt. Düster sind die Aufnahmen natürlich trotzdem. Vieles spielt in schummerigen Innenräumen, die nur schwach ausgeleuchtet sind, passend zu den Leuten, die alle irgendwelche finsteren Geheimnisse mit sich herumschleppen. Und selbst wenn wir hier ausnahmsweise mal tagsüber draußen unterwegs sind, richtig einladend ist das nicht.

Soll es aber natürlich auch nicht sein. Der 1164. Fall der ARD-Krimireihe gefällt sich darin, durch den Morast zu waten. Der kann mal strafrechtlich relevant sein. Schließlich haben wir es hier mit geheimen Waffenhändlern zu tun. Moral oder Skrupel sollte man an dieser Stelle nicht erwarten. Gleichzeitig befasst sich Tatort: Macht der Familie aber auch viel mit dem Zwischenmenschlichen. Ein Thema ist Marija, die sich von den Machenschaften der anderen lossagen wollte. Ein anderes betrifft den von Nikolay Sidorenko gespielten Sohn der Familie, dem niemand zutraut, das erträgliche Familiengeschäft fortzusetzen, weshalb er immer nur die zweite Geige gespielt hat.

Geschäftig, aber langweilig

Auf diese Weise schwankt Regisseur und Drehbuchautor Niki Stein (Louis van Beethoven, Tatort: Oskar) immer wieder zwischen den Ebenen, erzählt parallel von den Verbrechern und den Leuten, die sie jagen. Dabei verschwimmen auch schon mal die Grenzen, wenn man sich nicht mehr so ganz sicher sein kann, wer auf wessen Seite steht. Hinzu kommen vereinzelte Wendungen. Es geht bei Tatort: Macht der Familie weniger darum herauszufinden, weshalb das Flugzeug nun abgestürzt ist und wer den Mord begangen hat. Stattdessen lässt der Film die Ereignisse immer weiter eskalieren. Will beim Publikum Spannung erzeugen, indem es dieses spekulieren lässt, ob die Figuren überhaupt heil aus der Sache wieder herauskommen oder ob noch weitere Opfer zu beklagen sind.

Der Plan mit der Spannung geht aber nur beding auf. Auch wenn natürlich viel auf die drohende Gefahr verwiesen wird, die ein solches Umfeld mit sich bringt, es entstehen daraus nicht wirklich brenzlige Situationen. Genauer entsteht allgemein nicht wirklich etwas daraus. Während letztes Jahr Tatort: In der Familie noch das Spannungsfeld zwischen familiären Bindungen und Kriminalität emotional aufzeigte, da ist es einem bei Tatort: Macht der Familie mehr oder weniger egal. Zwischenzeitlich wird es bei allem Gewusel sogar eher langweilig, weil nichts mehr so recht vorangeht, thematische Anknüpfungspunkte an die Realität da draußen Schultern zuckend zu den Akten gelegt werden. Das kann man sich ansehen. Nur fehlt der zwingende Grund dazu. Mehr als Mittelmaß ist deshalb hier nicht drin.

Credits

OT: „Tatort: Macht der Familie“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Niki Stein
Drehbuch: Niki Stein
Musik: Jacki Engelken
Kamera: Arthur W. Ahrweiler
Besetzung: Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz, Levin Liam, Tatiana Nekrasov, Judith Rosmair, Jakub Gierszal, Wladimir Tarasjanz, Jeanette Spassova, Nikolay Sidorenko

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Tatort: Macht der Familie
Bei den Ermittlungen rund um einen russischen Waffenhändler wird ein verdeckter Ermittler getötet, eine Angehörige des Verdächtigen soll es nun richten. „Tatort: Macht der Familie“ schwankt auf diese Weise immer zwischen Krimi und Familiendrama, verpasst es aber, weder in die eine, noch in die andere Richtung nennenswerte Spannung aufzubauen.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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