Tatort Masken
© WDR/Zeitsprung pictures/Thomas Kost

Tatort: Masken

Inhalt / Kritik

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„Tatort: Masken“ // Deutschland-Start: 28. November 2021 (Das Erste)

Als der 28-jährige Polizeihauptmeister Nicolas Schlüter während seiner morgendlichen Joggingtour überfahren wird, ist das gleich doppelt tragisch, erwartet seine Frau Simone (Kyra Sophia Kahre) doch ein Kind. Bei ihren Ermittlungen stellen Peter Faber (Jörg Hartmann), Martina Bönisch (Anna Schudt), Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) und Jan Pawlak (Rick Okon) jedoch fest, dass der Verstorbene auch andere Frauen hatte. Er besuchte sogar spezielle Frauenaufreißer-Seminare bei Dr. Johannes Oberländer (Simon Böer), mit dem es irgendwann richtig gekracht haben soll. Aber auch bei seiner Polizeiwache suchen sie nach Spuren. Pikant: Deren Leiterin Kathrin Steinmann (Anne Ratte-Polle) ist eine alte Bekannte von Bönisch und war früher mit ihr befreundet …

Ein Leben hinter der Fassade

Dass wir alle nicht ganz die sind, die wir nach außen vorgeben zu sein, das ist kein Geheimnis. Diese Erfahrung machen wir im Alltag immer wieder. Das Genre des Krimis basiert sogar maßgeblich darauf, geht es hier doch traditionell darum, hinter die Fassade zu blicken und dabei herauszufinden, wer das Verbrechen begangen hat. Nicht nur, dass jemand unter uns ist, der einen Mord begangen hat. Oft gibt es dafür auch versteckte Motive. Bei Tatort: Masken gilt das sogar gleich doppelt. Mal wieder hat jemand das Leben eines anderen vorzeitig beendet und tut anschließend so, als wäre nichts geschehen. Hinzu kommt, dass dieser jemand vermutlich aus dem engeren Umfeld stammt, sei es privat oder beruflich. Da heißt es, die Maske ganz besonders eng anzulegen.

Der 1180. Fall der ARD-Krimireihe Tatort nimmt das mit den Masken aber auch sehr wörtlich. Wenn der Film dem besagten Seminar einen Besuch abstattet, in dem es darum geht, wie Mann möglichst viele Frauen bekommt, sollen die Teilnehmer alle Masken anziehen. Das ist nicht unbedingt ein subtiles Symbol für die Anonymität der toxischen Maskulinität, die sich sonst gern in Internetforen tummelt und darin die eigene Unsicherheit versteckt. Hier wird das noch ganz altmodisch in einer Halle darüber gesprochen, dass es das Recht des Mannes ist, sich Frauen zu nehmen – und diese das insgeheim wollen. Das entfaltet dann zwar nicht die Wucht, wie sie der Reihen-Kollege Borowski und die Angst der weißen Männer entfaltet. Aber es ist schon eine eigene Mischung aus Belustigung und Erschrecken, mit der man den Worten der peinlichen Gockel folgt.

Absurder Mischmasch der verschiedensten Themen

Richtig viel wird aus dem Thema aber nicht herausgeholt, was auch damit zusammenhängt, dass irgendwie zu viel in den Film gestopft wurde. Auch der Aspekt der Vorgänge innerhalb der Polizei wird kaum ausgeführt. Wenn sich Steinmann zu Beginn der Ermittlungen schützend vor ihr Team stellt und die fremden Kollegen und Kolleginnen erst einmal abblockt, sieht das für einen Moment so aus, als würde sich Tatort: Masken eines weiteren heiklen Themas annehmen: Vertuschung innerhalb der Behörden. Die Kalten und die Toten hatte zwei Wochen zuvor schon einmal ähnliches angesprochen, als eine Polizistin die Taten ihres Sohnes ungeschehen machte, der Rest der Wache half mit oder schaute weg. Ganz so weit geht man dieses Mal aber nicht, weil das Drehbuchteam lieber noch mehr auftischt.

Das ist nicht nur schade, weil die spannenderen Elemente des Films kaum genutzt werden. Das was stattdessen kommt, überzeugt zudem nicht einmal. Vor allem die Auflösung ist schon ein Schlag ins Gesicht. Zwar gibt Tatort: Masken eine Erklärung, die sich wirklich erst zum Schluss abzeichnet, was ein Publikum freuen dürfte, das in erster Linie überrascht werden will. Aber das hilft eben wenig, wenn diese so absurd ausfällt wie hier. Das grundsätzlich tragische und diffizile Szenario, das hier entworfen wird, eignet sich mehr als hypothetisches Gedankenkonstrukt, weniger als eine Geschichte, die dem Leben entnommen ist. Natürlich muss ein Krimi nicht durchgängig glaubwürdig sein, von der ersten bis zur letzten Minute. Man sollte es aber auch nicht derart überspannen, dass zum Schluss nur Ärger übrig bleibt.

Credits

OT: „Tatort: Masken“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Ayse Polat
Drehbuch: Arnd Mayer, Claudia Matschulla
Musik: Martin Berger, Matthias Wolf, Martin Rott
Kamera: Aljoscha Hennig
Besetzung: Jörg Hartmann, Anna Schudt, Stefanie Reinsperger, Rick Okon, Sybille J. Schedwill, Tilman Strauß, Anne Ratte-Polle, Michelle Barthel, Jonas Friedrich Leonhardi, Kyra Sophia Kahre, Simon Böer

Bilder

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„Tatort: Masken“ beginnt mit einem Mord an einem Polizisten, bevor die Geschichte in alle möglichen Richtungen ausschlägt. Wirklich konsequent verfolgt wird aber keines dieser Themen. Stattdessen gibt es eine derart absurde Auflösung, welche die vorangegangenen guten Szenen komplett zunichtemacht.
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