Tatort: Kopfgeld
© NDR/Marion von der Mehden

Tatort: Kopfgeld

Tatort: Kopfgeld
„Tatort: Kopfgeld“ // Deutschland-Start: 9. März 2014 (Das Erste) // 17. Dezember 2015 (DVD)

Inhalt / Kritik

Eigentlich wollte Nick Tschiller (Til Schweiger) nur seine Ex-Frau Isabella (Stefanie Stappenbeck) zum Flughafen fahren, als er feststellt, dass jemand eine Bombe in seinem Autor installiert hat. Zwar gelingt es den beiden, sich noch rechtzeitig aus dem Wagen zu retten. Doch für Tschiller geht die Geschichte damit erst richtig los. So steht für ihn fest, dass hinter dem Anschlag der mächtige Clan-Boss Firat Astan (Erdal Yildiz) stecken muss, den er zuvor ins Gefängnis gebracht hat. Als er diesem einen Besuch abstattet, stellt sich das als eher kontraproduktiv heraus, da Astan einfach ein Kopfgeld auf den Polizisten aussetzt. Während der Kommissar gemeinsam mit seinem Kollegen Yalcin Gümer (Fahri Yardim) und dem LKA-Drogenspezialisten Enno Kromer (Ralph Herforth) die Jagd aufnimmt, geht Rahid Astan (Carlo Ljubek) bereits zum Gegenschlag über …

Hauptsache, es knallt!

Nach dem Leichenfund gemütlich durch die Gegend trotten, Spuren suchen, Verdächtige und Zeugen befragen? Das ist beim Tatort Standard. Klar, innerhalb dieser Formel gibt es immer mal wieder Variationen. Manche Teams gehen mit mehr Humor an die Arbeit, bei anderen dominiert das Drama. Der Ablauf ist aber mehr oder weniger identisch. Und dann gibt es noch Nick Tschiller. Dieser sollte sich bewusst von den übrigen Kommissaren und Kommissarinnen abheben, welche in ganz Deutschland verteilt Morde aufklären. Gemütlich ist an seinen Auftritten gar nichts. Stattdessen soll es richtig krachen, das ganze große Kino im TV-Format wird gesucht. So auch bei Kopfgeld, dem 903. Teil der ARD-Krimireihe und zweiten Auftritt des Hamburger Haudegen.

Zum Auftakt gibt es erst einmal den nackten Hintern von Til Schweiger, bevor danach die Bombe im Wagen losgeht. Während Ersteres zusammen mit den schnulzigen Kitschmomenten rund um Töchterchen Lenny – verkörpert durch Schweigers Töchterchen Luna – wohl die weiblichen Fans des Publikumsmagneten anziehen soll, ist Tatort: Kopfgeld ansonsten eine reine Männerfantasie. Oder das, was manche Leute für männlich halten. Da wird geballert, da wird gedroht und geschimpft. Wenn sich die diversen Figuren hier aufplustern, weckt das Assoziationen an das Tierreich, wo einige Arten sich beim Revierkampf größer machen, als sie sind. Da spielt es dann auch keine Rolle, ob die Männlein nun auf der Seite des Gesetzes kämpfen oder gegen dieses antreten. Das ist alles schon sehr demonstrativ.

Laute Langeweile

Interessant hingegen weniger. Carlo Ljubek hinterlässt als genussvoll-brutaler Killer durchaus Eindruck, seine Figur ist dafür nichtssagend. Beim Rest sieht es nicht besser aus. Tschiller selbst ist nur mal wieder eine Variation des typischen Schweigers, dem jede Form von Selbstironie abgeht. Fans wird das freuen. Wer ihn hasst, findet hier genug Bestätigung, warum man ihn auch weiter hassen kann. Der Rest darf mit den Achsel zucken und sich fragen, warum der Mann überhaupt so viel Aufmerksamkeit bekommt. Tatort: Kopfgeld ist dabei absolut auf ihn zugeschnitten und beschreibt seinen Tschiller als loose cannon, die nur ganz schwer zu bändigen ist. Zumindest sagt das sein Partner Gümer. Und der muss das wissen, da er der einzige ist, der näher mit ihm zu tun hat, ohne mit ihm ins Bett zu gehen. Zumindest nach offiziellem Wissensstand. Ein bisschen wird der Sidekick als Stimme der Vernunft inszeniert, zumindest in Relation. Ansonsten bleibt auch er farblos.

Wie viel Spaß man an dem Film hat, hängt deshalb auch maßgeblich damit zusammen, ob man Ansprüche an den Inhalt hat. Wer das bejaht, spart sich die anderthalb Stunden. Die Geschichte ist bescheuert, die Figuren verhalten sich nicht immer nachvollziehbar, vieles ergibt da einfach keinen Sinn. Dafür hat Christian Alvart mit Tatort: Kopfgeld schnörkellose und selbstbewusste Actionkost vorgelegt, die sich eindeutig am englischsprachigen Kino orientiert, weniger am deutschen Fernsehen. Das darf man natürlich, zumal der Markt hiesiger TV-Krimis derart überflutet von ewig gleichen Titeln ist, dass Abwechslung sehr erwünscht ist. Nur heißt anders eben nicht besser. Trotz unzähliger Leichen, die sich hier im Laufe der Jagd türmen, wird das nie so wirklich spannend. Wie viel besser das mit minimalen Mitteln geht, zeigte Das Haus am Ende der Straße, bei dem ebenfalls Regeln gebrochen werden beim Kampf gegen das organisierte Verbrechen und es zu Showdowns kommt. Was dort aber mitreißend und tragisch war, ist hier oberflächliches Explosionsimitat.

Credits

OT: „Tatort: Kopfgeld“
Land: Deutschland
Jahr: 2014
Regie: Christian Alvart
Drehbuch: Christoph Darnstädt
Musik: Martin Todsharow
Kamera: Jakub Bejnarowicz
Besetzung: Til Schweiger, Fahri Yardım, Tim Wilde, Britta Hammelstein, Ralph Herforth, Erdal Yıldız, Luna Schweiger, Edita Malovčić, Carlo Ljubek, Murathan Muslu, Stefanie Stappenbeck

Bilder

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Tatort: Kopfgeld
Fazit
„Tatort: Kopfgeld“ ist der zweite Auftritt von Til Schweiger als hartem Hund Nick Tschiller, der dieses Mal gegen brutale Clans kämpft. Das freut Fans des Schauspielers oder auch ein Publikum, das selbstbewusste Nonsens-Action sehen will, die sich am englischsprachigen Kino orientiert. Der Rest darf den zwar lauten, letztendlich aber nichtssagenden Krimithriller getrost ignorieren.
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