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Tatort: Aus dem Dunkel

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„Tatort: Aus dem Dunkel“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als Amira Hassan vom Balkon ihrer Wohnung in den Tod stürzt, scheint der Fall klar zu sein: Selbstmord. Ganz so einfach ist es aber nicht, zumindest laut der Aussage von Hauptkommissar Thomas Engels (Andreas Döhler) von der Schutzpolizei. Dieser war beim Tatort und behauptet, dass die Tote von einem Stalker verfolgt und in den Tod getrieben wurde. Zunächst begegnen die ermittelnden Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und Lukas Wagner (Ludwig Trepte) den Behauptungen mit Misstrauen. Berlinger will der Sache aber nachgehen. Als mit Julia Ritter (Susanne Wuest) eine weitere Frau verfolgt wird, versucht das Team alles, um sie vor dem Unbekannten zu schützen. Doch dieser scheint ihnen immer einen Schritt voraus zu sein …

Spannender Abschied aus Mainz

Bei den vielen Teams, die abwechselnd und parallel beim Tatort unterwegs sind, fällt es zuweilen schwer, sich alle zu merken. Das gilt insbesondere für diejenigen, die nur sporadisch ermitteln. Dazu zählen beispielsweise die Polizisten und Polizistinnen bei der Franken-Ausgabe oder in Saarbrücken. Und auch Berlinger fiel nicht durch übermäßige Präsenz auf. Obwohl die zwischenzeitlich nach Mainz versetzte Ermittlerin bereits 2016 das erste Mal auftrat, brachte sie es bis 2022 auf gerade einmal vier Filme. Nun kommt noch ein fünfter hinzu, bevor die Reihe aus Kostengründen eingestellt wird. Selbst beim Platzhirsch muss inzwischen gespart werden. Das ist insofern schade, weil Aus dem Dunkel ein überraschend spannender Krimi geworden ist, der nicht nur Berlingers letztem Film In seinen Augen weit überlegen ist. Der Film ist sogar der bislang beste Krimi dieses ansonsten bislang ernüchternden Saison.

Dabei verzichtet der 1245. Teil der ARD-Produktion auf große Rätsel. Zunächst darf das Publikum zwar an der Seite des Teams spekulieren, wer denn hinter den perfiden Aktionen stecken mag, welche die Frau in den Tod getrieben haben. Rund zur Hälfte wird die Auflösung aber mehr oder weniger verraten. Danach bleiben zwar noch Fragen zum Motiv. Aber auch darauf sollte man keine zu großen Hoffnungen setzen. Es fällt nicht wirklich unter Spoiler, dass da mal wieder ein Mann sich als Opfer von Frauen sieht und seine Rache als Akt der Gerechtigkeit zu verkaufen versucht. Tatort: Aus dem Dunkel versucht da nicht einmal, aus der entsprechenden Figur eine komplexe, spannende Figur zu machen. Insofern wird es nicht wenige geben, die den Film als männerfeindlich verdammen.

Der Weg in den Wahnsinn

Doch damit würde man dem Ganzen nicht gerecht werden. Zum einen sind da mit den beiden Kollegen Engels und Wagner Männer dabei, die alles dafür tun, um die Frauen zu beschützen. Damit sind sie zwar nur mäßig erfolgreich. Aber das trifft auch auf Berlinger zu, die zwischendurch sogar die Beherrschung verliert angesichts ihrer eigenen Machtlosigkeit. Das ist dann auch der eigentliche Aspekt, wofür sich Tatort: Aus dem Dunkel lohnt. Der Film zeigt auf, wie man jemanden mit vergleichsweise einfachen Methoden in den Wahnsinn treiben kann. Für manches braucht es natürlich technisches Wissen, was die meisten nicht haben werden. Andere Punkte sind hingegen sehr einfach. So einfach, dass es geradezu erschreckend ist, wenn kriminelle Energie und Kreativität zusammenkommen. Zumal nicht mal alles davon wirklich kriminell ist.

Weniger clever ist Tatort: Aus dem Dunkel beim Schluss. Da wird es sogar geradezu plump, wenn sich Drehbuchautor Jürgen Werner, der abwechselnd für den Tatort und Das Traumschiff schreibt, wohl dazu verpflichtet fühlte, aus einer Bedrohung über Bande eine direkte zu machen. Der Film ist da doch recht gewöhnlich. Doch auch das etwas enttäuschende Finale schmälern den guten Eindruck des Krimis nicht. Die hinterhältigen Stalking-Methoden sorgen für eine Spannung, die man so am Sonntagabend nur noch selten spürt, da sie auch dem Publikum vor Augen führen: Wirklich sicher ist niemand. Es muss sich nur jemand finden, der so verbissen ist, dass er alles tun würde.

Credits

OT: „Tatort: Aus dem Dunkel“
Land: Deutschland, Malta
Jahr: 2023
Regie: Jochen Alexander Freydank
Drehbuch: Jürgen Werner
Musik: Nils Wrasse, Andrej Melita
Kamera: Namche Okon
Besetzung: Heike Makatsch, Ludwig Trepte, Andreas Döhler, Susanne Wuest, Matthias Lier, Rainer Sellien

Bilder

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Tatort: Aus dem Dunkel
fazit
Mit „Tatort: Aus dem Dunkel“ verabschiedet sich Heike Makatsch als Kommissarin Berlinger, legt dafür einen überraschend starken Abgang vor. Die Geschichte um einen Stalker sorgt mit perfiden Methoden für Spannung, die einem beim bloßen Zuschauen das Sicherheitsgefühl nehmen. Da sieht man auch über das enttäuschende Finale und den austauschbaren Widersacher hinweg.
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