Tatort Weil sie böse sind
© HR/Bettina Müller

Tatort: Weil sie böse sind

Tatort Logo
„Tatort: Weil sie böse sind“ // Deutschland-Start: 3. Januar 2010 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Rolf Herken (Milan Peschel) hat in seinem Leben schwer zu kämpfen. So muss er sich seit dem Tod seiner Frau allein um den autistischen Sohn kümmern. Zudem ist das Geld immer wieder knapp. Als ihm seine Abteilungsleiterin Sandra Jakesch (Sandra Borgmann) eine Idee klaut und er sich daraufhin von der erhofften Gehaltserhöhung verabschieden kann, versucht er sein Glück beim reichen Stifter Reinhard Staupen (Markus Boysen). Dabei kommt es jedoch zu einer Auseinandersetzung und Herken erschlägt den Mann im Affekt. Dessen Sohn Balthasar (Matthias Schweighöfer) wird Zeuge des Vorfalls, ist aber nicht sonderlich traurig über den Vorfall. Im Gegenteil. Während er im Anschluss die Nähe zu Herken sucht, nehmen Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki) und Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) die Ermittlungen auf, kommen sich dabei jedoch immer wieder selbst in die Quere …

Keine kriminologischen Fragen

Auch wenn beim Tatort im Laufe der bereits seit mehr als fünf Jahrzehnte andauernden Historie die unterschiedlichsten Geschichten erzählt wurden, eines haben die meisten von ihnen gemeinsam. So beginnt ein Großteil der Filme damit, dass jemand ermordet wird und die restliche Laufzeit herausgefunden werden muss, wer hinter diesem Mord steckt. Bei Weil sie böse sind, dem 751. Teil der ARD-Krimireihe ist das etwas anders. Zwar gibt es auch hier eine Leiche, das Polizeiduo muss herausfinden, was geschehen ist. Das Publikum jedoch weiß sehr genau, was es mit all dem auf sich hat. Schließlich durfte es live dabei sein. Auch die Frage nach dem Motiv stellt sich nicht, das wird von Anfang an mitgeliefert.

Damit erinnert Tatort: Weil sie böse sind ein wenig an die klassischen Columbo-Filme. Auch dort ging es, im Gegensatz um regulären Whodunnit-Krimi, nicht darum, wer das Verbrechen begangen hat, sondern die Frage, ob unser Held das Rätsel löst – und auf welche Weise. Und doch ist das hier etwas anders. Drehbuchautor Michael Proehl (Heute stirbt hier Kainer, Das weiße Kaninchen) legt seinen Schwerpunkt auf das sonderbare Verhältnis zwischen Herken und dem Sohn seines Opfers. Üblicherweise sollte Letzterer ein Interesse daran haben, den Täter ans Messer liefern. Doch das Gegenteil ist der Fall: Balthasar Staupen sucht die Nähe zu Herken, will diesen unterstützen. Außerdem hat er Blut geleckt und verfolgt einen ganz eigenen Plan.

Viel Eskalation und Konflikte

Diesen muss man nicht unbedingt nachvollziehen können. Überhaupt ist Tatort: Weil sie böse sind nicht unbedingt ein Vorzeigebeispiel, wenn es um Realismus und Plausibilität geht. Vielmehr ist der Film auf seine Art komplett irre, kostet die eigene Eskalation genüsslich aus. Das ist durchaus spannend, da hier tatsächlich nicht abzusehen ist, wie das alles weitergeht und welche Folgen diese sonderbare Konstellation noch nach sich ziehen wird. Es ist auch unterhaltsam. Man hätte aus dem Ganzen ohne weiteres eine schwarze Komödie machen können. Absurd genug ist das hier, zumal einige aus dem Ensemble bewusst überzogen auftreten, ihre jeweiligen Figuren mehr Karikatur als Mensch sind. Dieses ist übrigens überraschen prominent. Milan Peschel und Matthias Schweighöfer, das ist mal eine Besetzung. Hinzu kommt Adele Neuhauser, die ein Jahr später selbst als Kommissarin Teil der Tatort-Familie wurde.

Umgekehrt bedeutet das, dass Sänger und Dellwo ein wenig an den Rand gedrängt werden. Die Ermittlungen von den beiden stocken. Ohnehin sind sie mehr mit ihren internen Streitereien beschäftigt als dem Fall. Das Verhältnis der beiden war schon in den vorangegangenen Filmen zunehmend schlechter geworden – etwa bei Der tote Chinese. Hier besteht fast jede Interaktion aus Konflikten. Da fehlt nicht viel, bis sie sich gegenseitig an die Kehle gehen. Das ist natürlich für ein Publikum weniger befriedigend, das Krimis in erster Linie der Verbrechensaufklärung wegen anschaut. Tatort: Weil sie böse sind fasziniert aber als Ansammlung kaputter bis verzweifelter Figuren, bei denen jeder Halbsatz wie eine Kriegserklärung klingt. Der einzige, dem dieser Wille zur Konfrontation fehlt, ist kurioserweise der Täter, dem man – auch das ist anders – bis zum Schluss die Daumen drückt, dass er davonkommt.

Credits

OT: „Tatort: Weil sie böse sind“
Land: Deutschland
Jahr: 2010
Regie: Florian Schwarz
Drehbuch: Michael Proehl
Musik: Fabian Römer
Kamera: Dominik Schunk
Besetzung: Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Milan Peschel, Matthias Schweighöfer, Peter Lerchbaumer, Adele Neuhauser, Peter Davor, Sandra Borgmann

Bilder

Noch mehr Tatort

Wer noch weitere Tatort-Teile sehen möchte oder sich für die Geschichte der beliebten Krimireihe interessiert: In unserem Themenspecial erzählen wir euch mehr über den Dauerbrenner von den holprigen Anfängen bis heute, inklusive einer Liste zu sämtlichen bis heute ausgestrahlten Filmen! Dazu findet ihr unten noch eine Liste mit all unseren Tatort-Rezensionen.

T

Kaufen / Streamen

Bei diesen Links handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision, ohne dass für euch Mehrkosten entstehen. Auf diese Weise könnt ihr unsere Seite unterstützen.




(Anzeige)

Tatort: Weil sie böse sind
Fazit
„Tatort: Weil sie böse sind“ ist ein ungewöhnlicher Teil innerhalb der beliebten Krimireihe. Im Mittelpunkt steht hier nicht die Auflösung des Falls, sondern eine sonderbare Figurenkonstellation, deren Aufeinandertreffen immer heftigere Folgen hat. Für Rätselfans ist wenig interessant, unterhaltsam ist der Film aber auf jeden Fall.
Leserwertung5 Bewertungen
4.3
7
von 10