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Tatort Der boese Koenig

„Tatort: Der böse König“ // Deutschland-Start: 11. April 2021 (Das Erste)

Als der Betreiber eines Ludwigshafener Kiosks brutal ermordet wird, liegt der Verdacht eines Raubmordes nahe. Doch die ermittelnden Kommissarinnen Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) und Johanna Stern (Lisa Bitter) haben ihre Zweifel, denn der Täter ging dabei besonders sadistisch vor. Die Ermittlungen der beiden konzentrieren sich bald auf zwei Männer, die in dem Kiosk gesehen worden sein sollen. Da ist der charmante, zuvorkommende Anton Maler (Christopher Schärf), der sich aufopferungsvoll um seine kranke Freundin Caro Meinert (Lana Cooper) kümmert. Jannik Berg (Pit Bukowski) ist sehr viel verschlossener, will am liebsten gar nichts sagen. Dabei haben beide etwas zu verbergen, wie sich herausstellt …

Von der Gesellschaft zum Einzelnen

Zuletzt gab man sich beim Ludwigshafener Tatort betont gesellschaftlich relevant. In Unter Wölfen war von privaten Sicherheitsdiensten die Rede, welche eine Art Ersatz-Polizei darstellen. Bei Hetzjagd ging es um den Dauerbrenner Rechtsradikalismus. Das war immer gut gemeint, jedoch mäßig bis katastrophal umgesetzt. Sowohl inhaltlich wie schauspielerisch gehörten die Filme zum Schlechtesten, was es in der letzten Zeit in dem Bereich zu sehen gab. Die seit über 70 Filmen ermittelnde Odenthal wirkt inzwischen so lustlos, dass man selbst kein großes Bedürfnis verspürt, diesem Team noch weiter die Treue zu halten. Die einzige Spannung bestand darin, ob man nun mittendrin einschläft oder einen der Ärger über die Filme wach hält.

Mit Tatort: Der böse König geht es jetzt nach den beiden Totalausfällen wieder aufwärts, ein bisschen zumindest. Anstatt sich wieder an einem wichtigen Thema zu versuchen und daran kläglich zu scheitern, ist der 1163. Teil der ARD-Krimireihe sehr viel stärker auf Einzelpersonen bezogen. Genauer ist es eine: Anton. Der ist die Art Mensch, die einem auf Anhieb unsympathisch ist mit ihrem Wahn, anderen Leuten sympathisch sein zu wollen. Einer, der andere umschmeichelt und manipulieren will, es nicht abhaben kann, wenn er mal nicht im Mittelpunkt steht. Das ist unangenehm. Das ist anstrengend. Aber macht das aus ihm einen Mörder? Führte seine Selbstverliebtheit dazu, dass er den Kioskbetreiber erschlug? Und wenn ja warum?

Gefesselt an einen Narzissten

Theoretisch ist das bei Tatort: Der böse König in den Rahmen eines Whodunnit-Krimis gepresst. Schließlich gibt es auf einen Mord mehrere Verdächtige, weil mal wieder jeder irgendwelche Geheimnisse mit sich herumträgt. Tatsächlich hat Regisseur und Drehbuchautor Martin Eigler seinen Film aber derart auf Anton zugeschnitten, dass schon früh alle relevanten Antworten auf dem Tisch liegen. Und sollte unter dem Publikum doch jemand sein, der es nicht verstanden hat, dem wird das noch mal ganz langsam und explizit erklärt. Wozu hat man schließlich sonst die Kommissarinnen? Dass die Frauen sich der Manipulationen des Gegenübers bewusst sind und dennoch machtlos, ist für sie natürlich wenig schmeichelhaft. Immerhin löst dieses Ausgeliefertsein an einen Narzissten bei einem als Zuschauer bzw. Zuschauerin aber größeren Frust aus. Und auch wenn das nicht das schönste Gefühl ist, es ist immerhin eines.

Das liegt vor allem an Christopher Schärf (Einer von uns), der hier eine schmierig-abstoßende Art in sich entdeckt und hinter einem Dauerlächeln verbirgt. Das ist zumindest in kleineren Dosen ganz faszinierend anzuschauen. Vor allem auch, weil drumherum wieder nur Langeweile herrscht. Daran können auch bewährte Schauspieltalente wie Pit Bukowski und Lana Cooper, die normalerweise jeden Film aufwerten, nicht wirklich etwas ändern. Dafür sind ihre Rollen letztendlich zu unbedeutend. Schlimmer noch als dieses vergeudete Potenzial ist aber, wie belanglos das alles ist. Wenn man einen Krimi schon zu einem reinen Personenporträt umdeutet, dann sollte dieses Porträt auch etwas Interessantes zu sagen haben. Die anfängliche Freude darüber, dass Tatort: Der böse König kompetenter ist als die letzten Ausflüge nach Ludwigshafen machen bald der Erkenntnis Platz, dass der Film dennoch recht langweilig ausgefallen ist.

Credits

OT: „Tatort: Der böse König“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Martin Eigler
Drehbuch: Martin Eigler
Musik: Jens Grötzschel
Kamera: Andreas Schäfauer
Besetzung: Ulrike Folkerts, Lisa Bitter, Christopher Schärf, Pit Bukowski, Lana Cooper, Özgür Karadeniz

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Tatort: Der böse König
„Tatort: Der böse König“ handelt von einem brutal erschlagenen Kioskbetreiber. Handelt aber vor allem von einem Narzissten, der jede Situation kontrollieren möchte. Das ist vereinzelt mal faszinierend anzusehen, auf Dauer aber zu wenig, da nichts in die Tiefe geht und drumherum nur Langeweile herrscht.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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