Kritik

Tatort Tödliche Flut

„Tatort: Tödliche Flut“ // Deutschland-Start: 24. Januar 2021 (Das Erste)

Die investigative Journalistin Imke Leopold (Franziska Hartmann) ist sich ganz sicher: Sie ist einer großen Geschichte auf der Spur! Zu ihrer großen Enttäuschung reagiert Kommissar Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), den sie um Hilfe bittet und mit dem sie eine gemeinsame Vorgeschichte hat, jedoch so gut wie nicht darauf. Als sie kurze Zeit später zu Hause überfallen wird, plagt den Polizisten dann aber doch das schlechte Gewissen. Und so überredet er seine Kollegin Julia Grosz (Franziska Weisz), mit ihm auf die Insel Norderney zu fahren und der Sache auf den Grund zu gehen. Tatsächlich scheint da deutlich mehr dran zu sein, als er zunächst dachte, denn kurze Zeit später stehen sie bereits vor einer Leiche …

Die raue See für düstere Geschichten

Dass die Nord- bzw. Ostsee ein prima Setting für unheimliche Vorkommnisse abgibt, das haben sich schon diverse Krimireihen zunutze gemacht – zuletzt mit sehr unterschiedlichem Ergebnis. Während etwa Nord Nord Mord: Sievers und der goldene Fisch die Mördersuche traditionell mit kauzigen Figuren und dazu passendem Humor anreichert, da befindet sich Nord bei Nordwest derzeit in einer echten Identitätskrise, wie zuletzt auch in Im Namen des Vaters noch einmal deutlich wurde. Der Ort spielte irgendwie überhaupt keine Rolle mehr, da wurde alles zusammengeworfen, was einem einfiel, wodurch nicht mehr viel Raum für Persönlichkeit blieb.

Bei Tatort: Tödliche Flut ist das schon besser gelöst. Hier zumindest wurde das Setting wieder sehr prominent mit der Geschichte verflochten. Wenn Falke und die anderen am unruhigen Meer vorbeilaufen, der wolkenverhangene Himmel nichts Gutes ahnen lässt und ein ständiger Wind die Haare zerzaust, dann kann man dem Filmteam nicht vorwerfen, sich keine Mühe gegeben zu haben. Atmosphärisch gehört der Krimi sicherlich zu den besten Teilen der zuletzt immer wieder umstrittenen Endlosreihe. Hier muss gar nicht viel gesagt werden, damit das Publikum im Bilde ist und erkennt, dass da etwas Finsteres vor sich geht.

Hinzu kommt, dass bei Tödliche Flut komplett auf Humor verzichtet wurde. Anders als zuletzt bei Das ist unser Haus und Der Tod der Anderen, welche die Mördersuche mit Spott und Sarkasmus begleiteten, mehr mit den Figuren als dem Fall beschäftigt waren, da steht dieses Mal tatsächlich die Frage im Mittelpunkt: Wer war es denn? Ganz ohne Zwischenmenschliches geht es dann aber auch bei diesem Tatort nicht. Während die Szenen zwischen Falke und seinem von Levin Liam gespielten Sohn kaum erwähnenswert sind, ist die Beziehung zwischen ihm und der Journalistin schon folgenreicher. Allerdings kann sich das Drehbuch nie ganz dazu durchdringen, das auch wirklich konsequent zu verfolgen. Da bleibt es bei Anspielungen und dem Gefühl einer tragisch verpassten Gelegenheit.

Zu wenig Inhalt

Leider ist der Film allgemein eher nichtssagend. So gibt Franziska Hartmann (Sterne über uns) war eine sehr engagierte Darstellung ab als Journalistin, die so besessen ist von ihrer Arbeit, dass sie keine Grenzen mehr kennt. Als Charakterporträt ist das aber doch zu wenig. Da wurde zu sehr auf das Plakative gesetzt. Das ist punktuell dann zwar schon beeindruckend, wenn sich die leidenschaftliche Wahrheitssucherin so gar nicht im Griff hat. Diese Faszination hält aber nicht lange an. Stattdessen wird das nach kurzer Zeit so anstrengend und aufdringlich, dass alles drumherum in den Hintergrund gedrängt wird.

Wobei das auch daran liegt, dass der Fall an sich wenig interessant ist. Dass an der Geschichte etwas faul ist, ist von Anfang an so offensichtlich, dass man es praktisch nicht übersehen kann. Wenn sich die erste Vermutung dann auch trotz diverser falscher Fährten am Ende bewahrheitet, drängt sich schon das Gefühl auf, hier seine Zeit verschwendet zu haben. Zwar bietet Tödliche Flut über den puren Krimi hinaus schon Themen, über die man nachdenken kann. Das betrifft einerseits die Arbeit des Journalismus, dessen Aufgaben und Grenzen. Und natürlich dreht sich auch mal wieder einiges um Korruption und zwielichtige Deals. Da der Film hier aber erneut nicht über die Minimalanforderungen hinausgeht, hinterlässt das alles recht wenig Eindruck – von den atmosphärischen Inselaufnahmen einmal abgesehen.

Credits

OT: „Tatort: Tödliche Flut“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Lars Henning
Drehbuch: David Sandreuter
Musik: Stefan Will Peter Hinderthür
Kamera: Carol Burandt von Kameke
Besetzung: Wotan Wilke Möhring, Franziska Weisz, Franziska Hartmann, Jonas Hien, Levin Liam, Veit Stübner, Oliver Bröcker

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Tatort: Tödliche Flut
„Tatort: Tödliche Flut“ überzeugt durch stimmungsvolle Aufnahmen von der Nordsee, wenn geheime Machenschaften und eine Leiche die idyllische Ruhe stört. Inhaltlich hat der Krimi jedoch nur wenig zu bieten. Bei den Figuren bleibt es plakativ, der Fall ist wenig interessant und zudem viel zu früh offensichtlich.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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