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Tatort: Reifezeugnis

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„Tatort: Reifezeugnis“ // Deutschland-Start: 27. März 1977 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Die Schülerin Sina Wolf (Nastassja Kinski) mag erst 16 Jahre alt sein, weiß aber schon sehr genau, was sie will. Und vor allem wen sie will. So hat sie ein Verhältnis mit dem verheirateten Lehrer Helmut Fichte (Christian Quadflieg), trifft sich immer wieder heimlich mit ihm. Das wiederum will ihr Mitschüler Michael Harms (Marcus Boysen) nicht wahrhaben, der sich schon seit Längerem selbst Hoffnungen auf die Jugendliche aus reichem Haus macht und sie eines Tages bei der Affäre beobachtet. Als er sie mit seinem Wissen erpressen will, erschlägt sie ihn im Affekt mit einem Stein. Anschließend versucht sie ihre Spuren zu verwischen und eine glaubhafte Geschichte zu erfinden. Die Sache hat nur einen Haken: Michael war nicht der Einzige, der von der Affäre wusste …

Große Namen vor und hinter der Kamera

Und wer ist es gewesen? Mehr als 1200 Folgen vom Tatort wurden mittlerweile ausgestrahlt. In einem Großteil dieser Filme geht es immer darum herauszufinden, wer ein bestimmtes Verbrechen begangen hat. Aber es gibt Ausnahmen. Dann und wann kommen Teile heraus, bei denen das Publikum anfangs den Ablauf des Verbrechens verfolgt und damit sehr genau weiß, wer der Täter oder die Täterin ist. Kartenhaus und Falscher Hase sind zwei Beispiele etwas neueren Datums. Aber es gab auch früher schon Filme, bei denen vielmehr die Frage im Raum, wie das Verbrechen aufgeklärt wird. Tatsächlich gilt Reifezeugnis aus dem Jahr 1977 sogar als einer der bekanntesten Teile der Reihe.

Das dürfte maßgeblich aber auch mit den Leuten zu tun haben, die an diesem Film mitgearbeitet haben. So war der 73. Teil der ARD-Krimireihe der letzte Tatort, bei dem Wolfgang Petersen Regie führte, bevor er später mit Das Boot und Die unendliche Geschichte Weltruhm erlang. Außerdem übernahm die damals erst 16 Jahre alte Nastassja Kinski in Reifezeugnis eine ihrer ersten Rollen und zeigte sich dabei als junge Femme fatale. Wobei man hier auch den Eindruck haben darf, dass die in den 1970ern so beliebten Schulmädchenreport-Filme und Konsorten Pate standen. Eine Minderjährige, die mit einem verheirateten Lehrer eine Affäre hat? Das hatte schon etwas Verruchtes, vor allem im Umfeld der eher als bieder geltenden Sonntagabendkrimis.

Gut gespieltes Porträt

Die schauspielerischen Leistungen sind dabei wirklich beachtlich. Glücklicherweise, denn wo bei einem Krimi das Rätseln wegfällt, da müssen die Figuren mehr liefern. Tatort: Reifezeugnis wird so zu einem Porträt einer Jugendlichen, die gleichzeitig ihrem Alter weit voraus ist und dennoch noch sehr kindlich-naive Züge hat. Eine Protagonistin, die noch in diesem Zwischenstadion von Kind und Erwachsenen steckt und kein rechtes Bewusstsein dafür entwickelt hat, was sie da tut. Auch bei anderen gibt es ambivalente Züge, wenn praktisch alle, die irgendwie in der Sache drinstecken, moralisch sehr flexibel sind. Wenn Fichte in seinem sechsten Fall auf Mörderjagd geht, dann begegnet er lauter Leuten, die nicht gerade Vorbildfunktion haben.

Die Geschichte an sich ist dabei eher weniger interessant. Meistens läuft es bei solchen Krimis darauf hinaus, dass noch weitere Opfer zu befürchten sind und deshalb der Täter gestoppt werden muss. Bei Tatort: Reifezeugnis geschieht hingegen ziemlich wenig. Selbst Punkte wie eine Beschattung sind hier recht unspektakulär. Wer einen Krimi der Spannung wegen anschaut, hat eher weniger zu tun. Wendungen oder Überraschungen gibt es ohnehin nicht, Drehbuchautor Herbert Lichtenfeld zeigte sich da von seiner eher geringen kreativen Ambition. Die besagten schauspielerischen Leistungen, in Kombination mit der Atmosphäre des Films, machen diesen dennoch bis heute durchaus sehenswert. So traurig die Wiederausstrahlung des Films ist anlässlich des Todes von Petersen, das Wiedersehen macht schon irgendwie Freude.

Credits

OT: „Tatort: Reifezeugnis“
Land: Deutschland
Jahr: 1977
Regie: Wolfgang Petersen
Drehbuch: Herbert Lichtenfeld
Musik: Nils Sustrate
Kamera: Jörg Michael Baldenius, Hans Schreiber
Besetzung: Klaus Schwarzkopf, Nastassja Kinski, Christian Quadflieg, Judy Winter, Marcus Boysen, Petra Verena Milchert, Rebecca Völz, Rüdiger Krischstein

Bilder

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Tatort: Reifezeugnis
Fazit
Mit „Tatort: Reifezeugnis“ lieferte der spätere Star-Regisseur Wolfgang Petersen seinen letzten Beitrag zur Krimireihe und schuf damit einen der beliebtesten Teile. Das liegt jedoch weniger an der nicht übermäßig ambitionierten Geschichte. Sehenswert ist der Film um eine Schülerin, die Grenzen überschreitet, vor allem für Nastassja Kinski, die hier eine ihrer ersten Rollen übernahm.
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