Tatort Das Herz der Schlange TV Fernsehen Das Erste ARD
© SR/Manuela Meyer/Pasquale D'Angiolillo

Tatort: Das Herz der Schlange

Inhalt / Kritik

Tatort Das Herz der Schlange TV Fernsehen Das Erste ARD
„Tatort: Das Herz der Schlange“ // Deutschland-Start: 23. Januar 2022 (Das Erste)

Gerade noch saßen Leo Hölzer (Vladimir Burlakov), Adam Schürk (Daniel Sträßer), Esther Baumann (Brigitte Urhausen) und Pia Heinrich (Ines Marie Westernströer) ganz gemütlich beim Chinesen und scherzten über Glückskekse, da werden sie vom Alltag eingeholt. Während Adam zu seinem Vater Roland (Torsten Michaelis) eilt, da es seiner Mutter schlecht gehen soll, begeben sich die drei anderen zu einem neuen Tatort. Eine Frau wurde zu Hause überfallen und ausgeraubt, der mutmaßliche Täter liegt schwer verletzt daneben. Am nächsten Tag kommt noch ein zweiter Fall dazu: Ausgerechnet Roland Schürk ist tot, von seinem Sohn fehlt plötzlich jede Spur. Und als wäre das nicht schon verdächtig genug, gibt es Hinweise, dass ausgerechnet Adam der Mörder sein könnte …

Der Streit geht in die nächste Runde

Wann immer beim Tatort ein neues Team an den Start geht, darf spekuliert werden: Was für Leute werden es sein? Wie ist die Tonalität? Welche Art Fälle erwarten uns? Denn auch wenn es in der ARD-Krimireihe praktisch immer darum geht, irgendwelche Mörder zu schnappen, so können die Unterschiede zwischen den Teams beträchtlich sein. Als Saarbrücken im Frühjahr 2020 seine neuen Männer und Frauen losschickte, um beim gewinnträchtigen Kampf ums Fernsehpublikum mitzumischen, fiel schnell der raue Ton auf. Innerhalb des Quartetts wurden Beschimpfungen an den Kopf geworfen, als ob nicht die Verbrecher der Feind wären, sondern die eigenen Kollegen und Kolleginnen. Und dann wäre da noch die hässliche Familiengeschichte von Adam Schürk, der als Kind von seinem Vater schwer misshandelt wurde und der gemeinsam mit Leo ein dunkles Geheimnis teilt.

Tatort: Das Herz der Schlange knüpft an der Stelle nahtlos an. Tatsächlich sollte man nach Möglichkeit Das fleißige Lieschen und Der Herr des Waldes gesehen haben, die ersten beiden Filme der Saarbrückener. Auch wenn deren Fälle für sich standen, nahm die Geschichte rund um Adam und seinen Vater einen so großen Raum ein, dass deren Kenntnis hier vorausgesetzt wird. Selbst wenn der dritte Teil für sich genommen funktioniert, so bildet doch das zuvor Gesehene die emotionale Basis. Die spielt hier dann auch eine bedeutende Rolle. Vor allem die Hass-Beziehung von Vater und Sohn wird wieder und wieder thematisiert. Aber auch das Verhältnis von Adam und Leo, das seit ihrer Kindheit besteht und von den grausamen Erfahrungen und traumatischen Erinnerungen geprägt ist, steht immer wieder im Mittelpunkt.

Hartes Drama, durchschnittlicher Krimi

Der 1187. Fall der Reihe funktioniert deshalb auch stärker, wenn man es als Drama rund um kaputte Typen betrachtet, die ihr Leben lang gezeichnet sind. Beeindruckend ist in dem Zusammenhang der Auftritt von Torsten Michaelis (Angst in meinem Kopf), der die Widerwärtigkeit seiner Figur bis zum Maximum auskostet. Auch Vladimir Burlakov (Die Geschwister) ist in Tatort: Das Herz der Schlange schauspielerisch gefordert, wenn Leo alles für seinen langjährigen Freund tun würde und dabei immer noch mit der eigenen Schuld hadert. Daniel Sträßer (A Pure Place) bekommt hingegen überraschend wenig zu tun. Schließlich sieht die Geschichte vor, dass Adam als Mordverdächtiger Nummer eins nicht wirklich viel tun darf. Nach einem emotionalen Auftakt ist er zur Passivität verdammt, der mehr einem getretenen Hund ähnelt als einem Hauptkommissar.

Von dieser Wucht darf man sich schon umhauen lassen. Als Krimi ist Tatort: Das Herz der Schlange hingegen eher Durchschnitt. Zwar ist sowohl der Tod des Vaters wie auch der parallele Fall der Räuberbande von einer gehörigen Perfidität. Letzterer ist sogar recht originell. Glaubwürdigkeit darf man hingegen nicht erwarten, der Film ist derart umständlich konstruiert, dass dem Publikum schon einiges abverlangt wird. Schade ist zudem, dass die beiden weiblichen Mitglieder des Teams noch immer sehr viel weniger Beachtung finden. Immerhin: Im Gegensatz zu so vielen anderen TV-Krimis, die man schon vergessen hat, bevor sie zu Ende sind, da bleibt dieser durchaus in Erinnerung. Umso neugieriger darf man sein, wie es mit dem Team in Zukunft weitergeht, nachdem die begleitende Geschichte um den Vater zu den Akten gelegt wurde und die Zeit nach dem Trauma beginnen darf.

Credits

OT: „Tatort: Das Herz der Schlange“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Luzie Loose
Drehbuch: Hendrik Hölzemann
Musik: Martin Tingvall
Kamera: Anne Bolick
Besetzung: Daniel Sträßer, Vladimir Burlakov, Brigitte Urhausen, Ines Marie Westernströer, Anna Böttcher, Torsten Michaelis, Gabriela Krestan, Michael Rotschopf, Stephan Bissmeier

Bilder

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Die tragische Geschichte um Kommissar Adam Schürk, der von seinem Vater misshandelt wurde, findet in „Tatort: Das Herz der Schlange“ ihren Abschluss, wenn er beschuldigt wird, diesen ermordet zu haben. Als Drama ist der Film sehenswert, wenn im Mittelpunkt erneut lauter kaputte Typen stehen. Der Kriminalfall an sich ist hingegen schon sehr konstruiert.
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