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„Tatort: Adams Alptraum“ // Deutschland-Start: 26. Januar 2014 (Das Erste)

Kinder-Schwimmtrainer Sven Haasberger (Markus Hoffmann) war bereits auf dem Weg nach Hause, als er von einer Bande vermummter Männer brutal zusammengeschlagen wird. Das ermittelnde Duo Jens Stellbrink (Devid Striesow) und Lisa Marx (Elisabeth Brück) stehen bald vor der ersten Spur, als Vorwürfe laut werden, Haasberger habe sich beim Schwimmunterricht an kleinen Jungs vergriffen. Der Überfall des im Internet zusammengetrommelten Trupps, so hat es den Anschein, sollte eine Strafe für die diversen Vergehen sein. Doch bald kommen Zweifel auf, dass der im Koma liegende Familienvater tatsächlich schuldig war. Hinzu kommt: Wer hat diese Gewalttat initiiert?

Die Gefahr der Flashmobs

2003 waren sie eine kurze Zeit lang höllisch angesagt: Bei den sogenannten Flashmobs kamen zahlreiche Fremde an einem Ort zusammen, meist um dort etwas völlig Sinnfreies zu tun. Da konnte mal geklatscht werden oder gesprungen. Das „was“ war eigentlich egal, vielmehr kam es auf das subversive Element an, wenn ein wildfremder Schwarm für einen Moment zusammenkommt, nur um dann ebenso schnell wieder zu verschwinden. Bei Tatort: Adams Alptraum wird ebenfalls, organisiert durch Foren, eine Menschenmenge mit einem Ziel losgeschickt. Anstatt aber mit irgendwelchen harmlosen Gags in den Nachrichten zu erscheinen, ist das verbindende Mittel hier die Gewalt.

Die Vorstellung eines geplanten und plötzlichen Gewaltausbruchs ist natürlich schon erschreckend, heute umso mehr nach dem Sturm auf das Kapitol in den USA. Es ist auch ein interessantes Szenario, welches die Drehbuchautoren Dirk Kämper (Einer wie Erika) und Lars Montag da ausgedacht haben. Ein Szenario, an das sich recht viele weitere Themen anschließen. Das Thema Selbstjustiz ist eines der wichtigsten natürlich, welches gerade im Bereich der Pädophilie immer wieder vorkommt. Wer Kindern schadet oder schaden könnte, der gehört bestraft, egal wie. Exzessive Brutalität wird dann schon mal als gerechtfertigt angesehen, der Zweck heiligt die Mittel.

Die Wahrheit der Masse

Der andere Punkt ist, wie die Anonymität des Internets dazu verführt, alles Mögliche über andere sagen zu können. Ob etwas wahr ist oder nicht, spielt dabei keine wirkliche Rolle. Es reicht manchmal einen Gedanken nur in die Welt zu setzen, damit das Ganze eine gefährliche Eigendynamik entwickelt. Die 897. Folge der ARD-Krimireihe zeigte sich da ebenfalls geradezu prophetisch, wenn einige Jahre später das Buzzword Fake News aufkam. Die Wahrheit muss in Zeiten von sozialen Medien und in sich geschlossenen Netzwerken nichts mehr mit der Welt da draußen zu tun haben. Es reicht, es oft genug zu behaupten, dann wird es schon wahr. Auch mit Lügen kann man Tatsachen schaffen.

Leider geht Tatort: Adams Alptraum an diesen Stellen aber nicht sonderlich in die Tiefe. Da wird vieles angeschnitten, aber nicht zu Ende gedacht. Und auch der Krimi als solcher ist nicht wirklich interessant. Das meiste wird so früh verraten, dass die Spannung doch sehr überschaubar ist. Eine letzte Wendung ist hingegen so idiotisch, dass sie selbst innerhalb des Films als wenig plausibel bemängelt wird. Wenn der Mittelteil doch noch unterhält, dann vor allem wegen Devid Striesow (Ich bin dann mal weg), der sich als Psychologe über alle Regeln hinwegsetzt und dabei immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat. Manchmal verkommen die Gags zu einem reinen Selbstzweck. Und ob bei diesen Themen Humor überhaupt angemessen ist, darüber lässt sich auch streiten. Trotz der Mängel und der irgendwie halbgaren Geschichte ist das aber noch solide.

Credits

OT: „Tatort: Adams Alptraum“
Land: Deutschland
Jahr: 2014
Regie: Hannu Salonen
Drehbuch: Dirk Kämper, Lars Montag
Musik: Michael Klaukien, Andreas Lonardoni
Kamera: Wolf Siegelmann
Besetzung: Devid Striesow, Elisabeth Brück, Sandra Steinbach, Hartmut Volle, Inga Lessmann, Barbara Ullmann, Julia Schneider, Mélanie Fouché, Jonas Schlagowsky, Iason Becker

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Tatort: Adams Alptraum
In „Tatort: Adams Alptraum“ wird ein Mann von einem Mob ins Koma geprügelt, nachdem vorher Gerüchte die Runde machten, er sei ein Kinderschänder. Der Film spricht dabei einige interessante Themen an, macht aber zu wenig draus. Dazu gibt es noch einige humorvolle Szenen.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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