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„Tatort: Duisburg-Ruhrort“ // Deutschland-Start: 28. Juni 1981 (Das Erste)

Als am Duisburger Hafen der Binnenschiffer Heinz Petschek erstochen aufgefunden wird, fällt der Verdacht rasch auf Schiffer Jan Poppinga (Michael Rastl), mit dessen Frau (Brigitte Janner) der Verstorbene ein Verhältnis hatte. Für die in dem Fall ermittelnden Kriminalhauptkommissare Horst Schimanski (Götz George) und Christian Thanner (Eberhard Feik) ist der Fall jedoch sehr viel weniger eindeutig. Tatsächlich wird kurze Zeit später ein zweiter Mann tot aufgefunden, ein Bekannter von Petschek. Handelt es sich dabei um einen reinen Zufall oder hängen die beiden Fälle zusammen? Tatsächlich stellt sich heraus, dass die beiden noch mehr gemeinsam hatten …

Ein unvergessener Kommissar

In den 50 Jahren, welche die ARD-Krimireihe Tatort mittlerweile auf dem Buckel hat, gab es zwangsläufig unzählige Teams mit den unterschiedlichsten Ermittlern und Ermittlerinnen. Mehr als 60 davon wurden im Laufe der Zeit verschlissen, derzeit gibt es immerhin noch rund 20. Da ist es natürlich nahezu unmöglich, sich alle davon merken zu können. Ein Ermittler, der in der Historie des TV-Urgesteins jedoch unvergessen ist, das ist zweifelsfrei Schimanski. Der war zuerst in 29 Folgen vom Tatort dabei, bevor er 1997 noch einmal eine eigene nach ihm benannte Reihe bekam, die es auf weitere 17 Filme brauchte.

Das war bei seinem Debüt 1981 in Duisburg-Ruhrort natürlich noch nicht abzusehen. Kaum einer hätte wohl gedacht, dass die 126. Folge vom Tatort der Auftakt einer derartigen Erfolgsgeschichte sein würde. Dass es so weit kam, ist dabei aber weniger dem Film als solchen zuzuschreiben. Vielmehr ist es die Figur Schimanski, die seinerzeit für Erstaunen sorgte. So zeigt sich der Polizist in der Geschichte nicht unbedingt als jemand, der eine große Vorbildfunktion ausübt. Er ist grob, er flucht, prügelt sich zwischendurch auch schon mal. Professionelle Distanz ist so gar nicht sein Anliegen, wenn er sich hinreißen lässt, andere Leute anzuschnauzen oder sie zu verhöhnen. Je nachdem wonach ihm gerade ist.

Auf Tuchfühlung mit dem groben Dreck

40 Jahre später ist das natürlich nicht mehr revolutionär. Dass Polizisten auch nur Menschen sind, manchmal nicht einmal besonders gute, das ist in dem Krimigenre oder auch Thrillern inzwischen weit verbreitetes Gedankengut. Tatort-Folgen wie Oskar oder Heile Welt zeigen immer wieder, wie die Kommissare und Kommissarinnen an persönliche Grenzen geraten und damit zuweilen etwas überfordert sind. Das macht sie deutlich nahbarer und damit sympathischer. Bei Duisburg-Ruhrort ist das hingegen weniger eindeutig. Der etwas rabiate Gesetzeshüter bietet sich gerne dafür an, dass man mit ihm einen trinken geht. Mit seiner rauen Art stößt er aber schon vor den Kopf. Er ist etwas heruntergekommen, womit er eins wird mit seinem Umfeld. Hier ist alles grob, versifft, brutal, rau.

Während es faszinierend ist, dem ungehemmt herumpöbelnden Götz George bei der Arbeit zuzusehen, ist Tatort: Duisburg-Ruhrort als Krimi jedoch weniger erwähnenswert. Die Geschichte ist recht dünn, noch dazu umständlich zusammengeschrieben. Da werden über Ecken irgendwelche Verbindungen aufgebaut, die man nur mit viel Wohlwollen glauben kann. Es ist nicht einmal so, dass Schimanski bei diesen Ermittlungen sonderlich glänzen würde. Da führt eher der Zufall durchs Programm, ein Teil der Lösung wird dem Team sogar geschenkt – und selbst dann klappt das nicht auf Anhieb. Davor darf man bei den diversen Spuren natürlich schon grübeln. Viel erwarten sollte man sich davon aber nicht. Der Film ist aufgrund seiner Atmosphäre sehenswert, als eine Art Milieuporträt. Die Handlung hat man hingegen im Anschluss ziemlich schnell wieder vergessen.

Credits

OT: „Tatort: Duisburg-Ruhrort“
Land: Deutschland
Jahr: 1981
Regie: Hajo Gies
Drehbuch: Horst Vocks, Thomas Wittenburg
Kamera: Axel Block
Besetzung: Götz George, Eberhard Feik, Ulrich Matschoss, Michael Rastl, Brigitte Janner, Max Volkert Martens, Barbara Focke, Karl-Heinz Gierke, Hanna Ruess

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Tatort: Duisburg-Ruhrort
„Tatort: Duisburg-Ruhrort“ war damals ein Wendepunkt in der Krimireihe: Statt der souveränen, sauberen Kommissare polterte hier mit Schimanski ein deutlich grober gestrickter Kollege durch ein versifftes Duisburg. Das ist aufgrund der Atmosphäre noch immer sehenswert, vom Fall selbst sollte man sich hingegen nicht viel erwarten.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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