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Tatort: Das Wunderkind

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„Tatort: Das Wunderkind“ // Deutschland-Start: 4. Februar 2024 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Roland Gumbert (Ralph Herforth) ist nicht unbedingt der beliebteste Insasse im Gefängnis. Tatsächlich ist der brutale Anführer einer Gang bei allen verhasst, selbst bei den eigenen Leuten. Insofern hält sich die Überraschung in Grenzen, als er eines Tages erstochen in der Dusche aufgefunden wird. Zwar versuchte man noch, ihm das Leben zu retten. Doch die Hilfe kommt zu spät, der Verbrecher erliegt seinen Verletzungen. Die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) gehen gemeinsam mit Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) der Sache darf. Interessant ist dabei beispielsweise Dieter Scholz (Carlo Ljubek), der unmittelbar vor der Freilassung steht und sich darauf freut, seinen Sohn Ferdinand (Phileas Heyblom) wiederzusehen. Aber auch andere verhalten sich verdächtig …

Nachschub für Rätsel-Freudige

Beim Tatort war zuletzt eher seltener wirkliche Rätselarbeit angesagt. So war Der Fluch des Geldes schon ein recht kurioser Teil, bei dem es um eine Freundesclique geht, die sich gegenseitig mit irgendwelchen tollkühnen Wetten übertreffen will. Auch bei Zerrissen die Woche zuvor, das von einer kriminellen Großfamilie berichtete, gab es kaum offene Fragen. Wer mit diesen Filmen nicht glücklich war und lieber wieder kräftig Hypothesen aufstellen mag, der wird im neuen Film Das Wunderkind bedient. Schließlich gibt es hier quasi ein ganzes Gefängnis voller Verdächtige. War es die verfeindete Gang? Die eigene? Die diversen Opfer? Oder doch jemand von dem Wachpersonal, das es mit den Gesetzen auch nicht so genau nimmt?

Das Setting ist da durchaus dankbar. Wo sonst findet man Dutzende von Verbrechern auf engem Raum? Allerdings hat der Film nichts Interessantes zu dem Ort zu sagen. Stattdessen gibt es in Tatort: Das Wunderkind wie schon bei dem ebenfalls von der ARD produzierten Publikumserfolg Asbest nur eine Anhäufung von Klischees. Ob es nun um die Aufteilung in die zwei Hauptgruppen geht, Deutsche und Türken, oder auch die Figurenzeichnung, der Krimi zeichnet sich nicht gerade durch gesteigerte Kreativität aus. Da ist noch der originellste Einfall, zwischen den Drogenhändlern und Gewaltverbrechern jemanden zu platzieren, der mit kriminellen Internetaktionen sein Geld gemacht hat. Für die Geschichte ist das aber völlig irrelevant.

Weder bewegend noch spannend

Gleiches gilt auch für den Strang rund um den Sohn von Scholz. Auf diesen nimmt zwar der Titel Tatort: Das Wunderkind Bezug, weshalb man eigentlich davon ausgehen konnte, dass der Junge eine große Rolle in der Geschichte spielen wird. Aber erst ganz zum Schluss taucht er überhaupt mal auf. Das dramatische Potenzial um einen Mann, der sein Kind wiedersehen will, wird kaum genutzt. Es bleibt ein Punkt auf einer längeren Checkliste. Das geht zum Teil sicher auch damit einher, dass sich der Film etwas an einer Milieustudie versucht und entsprechend die Zahl an Figuren sehr hoch ist. Dadurch bleibt vieles notgedrungen schemenhaft, die Ambitionen scheitern an dem Format.

Wobei man aber auch sagen muss, dass der 1260. Teil der Krimireihe so oder so nicht interessant ist. Regisseur und Drehbuchautor Thomas Stiller, der zuvor schon in dem Fernsehfilm Angst in meinem Kopf eine Affinität für das Gefängnissetting zeigte, mag zwar formal die Bedürfnisse eines Krimipublikums bedienen. Das allein reicht als Qualitätsmerkmal aber nicht aus. Tatort: Das Wunderkind wird weder so bewegend, wie es manche der Geschichten eigentlich verdient hätten, noch so spannend, wie ein Ort sein sollte, der voller Gefahren ist. Stattdessen ist die größte Gefahr, dass man in den tristen Gängen irgendwann einfach einschläft.

Credits

OT: „Tatort: Das Wunderkind“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Thomas Stiller
Drehbuch: Thomas Stiller
Musik: Fabian Römer
Kamera: Marc Liesendahl
Besetzung: Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Ferdinand Hofer, Carlo Ljubek, Alexander Martschewski, Yasin Boynuince, Jule Ronstedt, Felix Hellmann, Ralph Herforth

Bilder

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Tatort: Das Wunderkind
fazit
„Tatort: Das Wunderkind“ bedient zwar mal wieder ein klassisches Krimipublikum, wenn ein Gangsterboss in einer Gefängnisdusche erstochen wird und das halbe Gefängnis in Frage kommt. Spannend ist der Film aber nicht, langweilt beispielsweise mit den klischeehaften Figuren.
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