Tatort Damian
© SWR/Benoit Linder

Tatort: Damian

Inhalt / Kritik

Tatort Damian
„Tatort: Damian“ // Deutschland-Start: 23. Dezember 2018 (Das Erste)

Es ist ein recht kniffliger Fall, mit denen sich Kommissarin Franziska Tobler (Eva Löbau) und ihr Kollege Luka Webler (Carlo Ljubek) da herumplagen: Eine 17-Jährige und ihr Tennislehrer wurden im Wald ermordet. Hatte es jemand gezielt auf die beiden abgesehen oder waren sie nur zur falschen Zeit am falschen Ort? Bei ihren Ermittlungen stoßen sie unter anderem auf den Bauarbeiter Peter Trelkovsky (Johann von Bülow), der ein gestohlenes Auto in der Nähe des Tatortes zurückgelassen hat. Aber auch der Student Damian Rombach (Thomas Prenn) zählt zu den Verdächtigen, war er doch ausgerechnet dort Joggen. Dabei hat er gerade eigentlich ganz anderes im Kopf: Er muss nicht nur wichtige Jura-Prüfungen bestehen, sondern kämpft auch mit psychischen Problemen, worunter zunehmend die Beziehung zu Mia Korf (Anna Lena Klenke) zu leiden hat …

Das Drama des Mordes

Wenn das Publikum am Sonntagabend einschaltet und sich den neuesten Tatort anschaut, dann will es vor allem eins: einen raffinierten Fall, bei dem ein Mord geschehen ist und die Polizei diesen irgendwie aufklärt. Während das bei nahezu allen Teilen auch tatsächlich stattfindet, gibt es nicht wenige Beispiele, wie dieses Grundszenario genutzt wird, um etwas ganz anderes daraus zu machen. Neben den zahlreichen und nicht immer gern gesehenen Filmen, die sich gesellschaftlicher Themen annehmen, gibt es gerade auch solche, die sich vor allem für die Figuren interessieren. Oskar oder Das Herz der Schlange sind schon eher Drama als Krimi, wenn von kaputten Leuten erzählt wird, dysfunktionalen Familien und Abgründen, aus denen es kein Entkommen zu geben scheint.

Bei Tatort: Damian fällt das Ganze aber noch einmal ein ganzes Stück krasser aus. Ja, es gibt ihn, den anfänglichen Mord. Genauer sogar zwei. Es kommt sogar noch eine dritte Leiche hinzu, bei der lange nicht klar ist, ob sie in einem Zusammenhang mit den ersten beiden steht. Ermittelt wird auch, zur Freude des Publikums, das gern den Täter zur Strecke gebracht sehen will. Aber das rückt immer wieder in den Hintergrund. Regisseur und Co-Autor Stefan Schaller, der später auch in Polizeiruf 110: Sabine seine Vorliebe für psychisch labile Charaktere im Krimigewand zeigte, widmet seiner Titelfigur schon sehr viel Raum. Wir folgen ihm in die Uni, sehen ihn bei Familie und Freundin oder auch bei der Studentenverbindung, deren Mitglied er ist. Und immer scheint er kurz vor dem Kollaps zu stehen, alternativ vor einem Amoklauf.

Gut gespielte Psychose

Das ist von Nachwuchsschauspieler Thomas Prenn (8 Tage) durchaus überzeugend gespielt. Von Anfang an wirkt er verloren in dieser Welt, wohin er auch geht, mit wem er auch spricht. Die Ausmaße seiner psychischen Erkrankung werden jedoch erst mit der Zeit klar, wenn Tatort: Damian die Lage nach und nach eskalieren lässt. Leider neigt der Film an der Stelle schon sehr zum Plakativen, wenn er versucht, das Innere nach außen zu kehren. Hinzu kommt, dass die ständigen Wiederholungen dieser Mechanismen schon an den Nerven zerren. Da sind einfach zu viele Szenen, die mehr oder weniger dasselbe machen und dadurch mit der Zeit an Wirkung verlieren. So interessant es im Grundsatz ist, was Schaller hier anstrebt, das ist schon irgendwie exzessiv.

Ebenfalls geteilter Meinung darf man bei einem anderen Faktor sein, der den 1075. Fall der ARD-Krimireihe ausmacht: das Spiel mit den verschiedenen Erzählebenen. Klar ist es schon irgendwie nett, wie bei Tatort: Damian mit den Erwartungen und Mechanismen eines solchen Filmes spielt und zum Schluss eine Wendung einbaut, die tatsächlich die wenigsten kommen sehen werden – trotz einiger Hinweise. Für die Geschichte hat das aber nur wenig Relevanz. Man hätte das alles weglassen können, ohne dass es viel am Fall geändert hätte. Zumindest ist es aber ein gutes Beispiel dafür, wie sich manches direkt vor der eigenen Nase abspielt, man selbst aber nichts davon mitbekommt. Das passt dann auch zur Geschichte von Damian, der inmitten der Gesellschaft kaputtgeht und dabei kaum beachtet wird.

Credits

OT: „Tatort: Damian“
Land: Deutschland
Jahr: 2018
Regie: Stefan Schaller
Drehbuch: Lars Hubrich, Stefan Schaller
Musik: Johannes Lehniger, Sebastian Damerius
Kamera: Andreas Schäfauer
Besetzung: Eva Löbau, Carlo Ljubek, Steffi Kühnert, Thomas Prenn, Anna Lena Klenke, Johann von Bülow, Nora Waldstätten, Tom Keune, Mareile Blendl

Bilder

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Zwar ist „Tatort: Damian“ grundsätzlich ein klassischer Krimi, bei dem das Rätsel eines Doppelmordes gelöst werden muss. Vielmehr aber ist er das Porträt eines jungen Mannes, dessen psychischen Probleme zu wenig Beachtung finden. Das ist gut gespielt, wenn auch etwas eintönig. Dafür gibt es eine Wendung, die für Überraschungen gut ist.
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