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Tatort: Unten im Tal

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„Tatort: Unten im Tal“ // Deutschland-Start: 12. Februar 2023 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Die Überraschung ist groß, als die Leiche von Rosa Winterfeld gefunden wird. Jahre ist es her, dass die Teenagerin spurlos verschwunden ist, der Fall wurde seinerzeit zu den Akten gelegt. Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) nehmen daraufhin den alten Fall wieder auf und erhoffen sich, vielleicht doch noch Antworten auf ihre Fragen zu finden. Für Rosas Eltern Josef (Cornelius Obonya) und Meike (Inka Friedrich) sowie ihre Tochter Toni (Carlotta Bähre) bedeutet dies, sich wieder mit der schmerzhaften Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen. Rosas Freund Axel Leibing (Tonio Schneider) und ihre beste Freundin Elif Topcu (Canan Samadi) könnten hingegen darauf gut verzichten. Dabei fällt der Verdacht erneut auf Werner Trödle (Aurel Manthei), einen verurteilten Verbrecher, der in dem Dorf lebt …

Trübes aus dem Südwesten

Es gehört mehr oder weniger zum Krimi fest dazu, dass er eher düstere Geschichten erzählt. Schließlich geht es um Mord und Todschlag, in jeder Folge werden Verbrechen begangen und Schicksale zerstört. So auch beim Tatort. Natürlich gibt es Ausnahmen beim Dauerbrenner, allen voran die Publikumslieblinge aus Münster, bei denen es schon mal albern werden darf – trotz der vielen Leichen. Die meisten Teile verzichten jedoch darauf. Doch selbst innerhalb dieser ernsten Ausrichtung gibt es Abstufungen. Wenn wir in Unten am Tal, der 1225. Teil der ARD-Krimireihe, in eine ländliche Umgebung im Südwesten des Landes fahren, dann wird es ganz besonders trübe. Dafür hätte es nicht einmal die Leiche gebraucht, die zu Beginn  des Films ausgebuddelt wird und eine Kette von Ereignissen auslöst.

Wobei die Geschichte natürlich sehr viel früher beginnt. Genauer führt der Fund der besagten Leiche dazu, dass noch einmal das Verschwinden untersucht wird. Seinerzeit hatte das zu keinem Ergebnis geführt, jetzt soll es anders werden. Dass in Krimis alte Fälle noch einmal ausgegraben werden, kommt immer mal wieder vor. Oft geschieht das im Zusammenhang mit einem neuen Fall, der irgendwie damit zu tun hat. Bei Tatort: Unten im Tal verschwimmen die Grenzen zwischen gestern und heute besonders stark, wenn mit Rückblenden gearbeitet wird. Dazu gehört aber auch, dass die Vergangenheit nie wirklich aufgehört hat. Das zeigt sich besonders am Beispiel Werner Trödle, der seinerzeit vorverurteilt wurde und deshalb bis heute ein Ausgestoßener ist. Dass man ihm nie etwas nachweisen konnte, wurde und wird ignoriert. Es braucht einen Schuldigen. Und Trödle gibt einen prima Schuldigen ab.

Atmosphärisch, aber wenig spannend

Dass dieser es den Gesetzen des Krimis folgend sehr wahrscheinlich nicht ist – die Verdächtigsten sind selten auch die Schuldigen –, wirft die Frage auf: Warum sollte sonst jemand die junge Frau getötet haben? Prinzipiell folgt das dann zwar schon dem klassischen Whodunnit-Prinzip. Der Unterschied: Ein wirklich plausibles Motiv ist nicht zu finden. Aber Tatort: Unten im Tal ist ohnehin keiner dieser Teile, die man sich anschaut, um einen möglichst komplexen Fall zu sehen. Zwar gibt es hier Wendungen, wenn vieles nicht das ist, wonach es scheint. Doch die lassen auf sich warten. Erst zum Schluss hin nimmt der Film mal ein bisschen an Fahrt auf, wenn in kurzer Zeit alles aufgeklärt wird. Vorher lässt sich das Polizei-Duo stärker treiben. Nicht die Handlung steht im Mittelpunkt, sondern die Atmosphäre.

Die hat es in sich. Natürlich ist es nicht übermäßig originell, den Schwarzwald mal wieder als einen unheilvollen Ort voller Geheimnisse zu zeichnen. Das haben viele andere auch schon getan. Bei der Umsetzung dieses Konzeptes kann man Regisseurin Julia Langhof (Lomo – The Language of Many Others) aber kaum einen Vorwurf machen. Die Stimmung ist in Tatort: Unten im Tal ist teils unwirklich, teils melancholisch. Die traurigen Geschichten und die persönlichen Abgründe machen aus dem Film immer mal wieder ein Drama, das gerade auch von der demonstrativen Sprachlosigkeit der Einheimischen getragen wird. Für Zuschauer und Zuschauerinnen, die sich von einem Krimi ganz viel Spannung erhoffen, ist das weniger geeignet. Wer jedoch mal wieder Lust auf ein bisschen Depri-Krimi hat, findet hier einigen Anlass dazu, zumal das hier deutlicher leiser ausfällt als vor zwei Wochen bei Die Kälte der Erde.

Credits

OT: „Tatort: Unten im Tal“
Land: Deutschland
Jahr: 2023
Regie: Julia Langhof
Drehbuch: Nicole Armbruster
Musik: Torsten Reibold
Kamera: Andreas Schäfauer
Besetzung: Eva Löbau, Hans-Jochen Wagner, Cornelius Obonya, Inka Friedrich, Aurel Manthei, Tonio Schneider, Canan Samadi, Carlotta Bähre

Bilder

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Tatort: Unten im Tal
fazit
„Tatort: Unten im Tal“ besticht durch seine unwirklich-melancholische Stimmung, wenn der Fund einer Frauenleiche dazu führt, sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen zu müssen. Viel Handlung oder Dialoge sollte man nicht erwarten. Dafür gibt es reichlich Atmosphäre, an der sich Fans von Depri-Krimis erfreuen können.
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