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Tatort: Flash

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„Tatort: Flash“ // Deutschland-Start: 19. Juni 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Gerade erst wurde der verurteilte Mörder Alois Meininger (Martin Leutgeb) aus der Sicherheitsverwahrung entlassen, da schlägt er schon wieder zu und tötet unterwegs eine Frau. Auf der Suche nach Spuren wenden sich Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) an Norbert Prinz (Peter Franke), den ehemaligen Therapeuten des untergetauchten Verbrechers. Von ihm erhoffen sie sich Aussagen, die ihnen bei der Überführung Meiningers helfen sollen. Die Sache hat nur einen Haken: Prinz ist vor einiger Zeit an Demenz erkrankt, kaum ein Weg führt mehr in seine Erinnerungen von damals. Gemeinsam mit dem renommierten Neuropsychologen Prof. Ralph Vonderheiden (André Jung) starten sie einen Versuch, im Rahmen einer experimentellen Anordnung an diese verschütteten Erinnerungen wieder heranzukommen …

Schreckensvision Demenz

Kaum eine Krankheit dürfte für die Menschen erschreckender sein als die der Demenz. Die Vorstellung, nach und nach die eigenen Erinnerungen zu verlieren, viele Grundaktivitäten nicht mehr ausüben zu können und im eigenen Körper zu verschwinden, das ist schon eine ziemliche Schreckensvision. Kein Wunder also, dass sich in den letzten Jahren analog zur steigenden Häufigkeit dieser Krankheit auch die Zahl der Filme stetig steigt, die sich damit befassen. Die meisten davon sind im Bereich des Dramas angesiedelt, darunter das herausragende The Father, welches aufzeigte, was ein Leben mit Demenz bedeutet. Dann und wann greifen aber auch Genrefilme auf dieses Thema zurück und nutzen die Ungewissheit, um daraus Spannung zu erzeugen. Mit Tatort: Flash wendet sich nun auch der Branchenprimus in Sachen TV-Krimi diesem zu, tut dies aber auf eine Weise, die nicht ganz alltäglich ist.

Anstatt den allmählichen Verfall des betroffenen Menschen in den Vordergrund zu rücken, wird versucht, diese Erinnerungen zu rekonstruieren. Das Motto: Wenn der Geist nicht in die Vergangenheit zurückkehren kann, müssen wir die Vergangenheit eben zum Geist bringen. Die Idee hinter dem Experiment ist interessant, wenn die Gegenwart so verändert werden soll, damit der demente Therapeut sich an früher erinnern kann. Aber es ist eher interessant in einem hypothetischen Sinn, sprich einer Überlegung, was möglich ist. Aus Sicht des Publikums ist Tatort: Flash deutlich weniger spannend. Auch wenn das Szenario eigentlich eine Jagd auf den Mörder erwarten lässt, geht es deutlich mehr um die Vergangenheit des Doktors, die sich immer wieder ihren Weg in das hier und jetzt bahnt.

Solide, aber nicht sehr spannend

Dann und wann verschwimmen auch ein wenig die Grenzen zwischen dem, was war, und dem, was ist. Allerdings sollte man in der Hinsicht nicht die ganz großen Erwartungen haben. Tatort: Flash wird nicht zu einem surrealen Trip, wie es etwa Paprika oder The Cell vorgemacht haben, wo der Geist als solcher zum Schauplatz wird. Dafür hätte das Budget auch nicht gereicht. Der 1205. Teil der ARD-Krimireihe ist am Ende doch nicht mehr als ein TV-Titel, die entsprechenden Limitierungen inklusive. Selbst Liebeswut, das drei Wochen zuvor innerhalb dieser Reihe ausgestrahlt wurde, war deutlich experimentierfreudiger, wenn es um die Darstellung des Bewusstseins und Unbewussten geht. Tatsächlich ist der Film teilweise sogar ein bisschen langweilig, da durfte man von Regisseur Andreas Kleinert, der letztes Jahr mit dem furiosen Künstlerporträt Lieber Thomas begeisterte, doch mehr erwarten.

Die Geschichte an sich ist dabei schon interessant. In einem Krimi ist selten alles immer so, wie es zunächst erscheint. Bei Tatort: Flash gilt das besonders, wenn der Film später eine unerwartete Richtung einschlägt. Nur wenige werden hier vorhersehen, was geschehen wird. Die schauspielerische Leistung passt auch, was bei einem derart sensiblen Thema absolut nötig war. Insgesamt reicht es damit zu einem soliden Teil, der inhaltlich und strukturell etwas anderes versucht als die meisten Whodunnit-Krimis. Wer jedoch gute alte Spannung erwartet, der wird woanders eher fündig. Es entsteht auch nie das Gefühl einer Dringlichkeit, wie man es eigentlich bei einem Film um einen entlaufenen Mörder. Das hat zwar gute Gründe. Fürs Publikum reichen die aber eventuell nicht.

Credits

OT: „Tatort: Flash“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Andreas Kleinert
Drehbuch: Sven S. Poser, Sönke Lars Neuwöhner
Musik: Daniel Michael Kaiser
Kamera: Johann Feindt
Besetzung: Miroslav Nemec, Udo Wachtveitl, André Jung, Anna Grisebach, Martin Leutgeb, Peter Franke, Jenny Schily

Bilder

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Tatort: Flash
Fazit
„Tatort: Flash“ ist ein grundsätzlich interessanter Krimi, wenn einem dementen Therapeuten Erinnerungen an einen Patienten entlockt werden sollen. Trotz einer unerwarteten Entwicklung ist der Film aber nicht so wirklich spannend und selbst nicht so experimentell, wie er es sein könnte.
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