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Tatort: In seinen Augen

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„Tatort: In seinen Augen“ // Deutschland-Start: 26. Juni 2022 (Das Erste)

Inhalt / Kritik

Als Bibiana Dubinski (Ulrike Krumbiegel) tot aufgefunden wird, sieht alles nach einem unglücklichen Unfall aus. Ein Insulinschock hat die vermögende ältere Dame das Leben gekostet. Oder war vielleicht doch mehr dran? Womöglich war ihre beste Freundin Charlotte Mühlen (Michaela May) irgendwie in die Sache verwickelt, schließlich erbt sie das Vermögen und die schöne Villa. Kriminalhauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) hat jedoch vor allem Mühlens neuen Freund Hannes Petzold (Klaus Steinbacher) in Verdacht. Der ist nicht nur deutlich jünger, sondern hat auch eine kriminelle Vorgeschichte. Geradezu besessen ist sie von der Idee, dass er der Mörder ist, was nicht nur sie, sondern auch ihren Kollegen Martin Rascher (Sebastian Blomberg) wiederholt in Schwierigkeiten bringt …

Ein kaum genutzter Star

Eigentlich war das mal als echter Besetzungscoup angedacht, als Heike Makatsch zum Tatort kam. Man schmückt sich bei der ARD-Krimireihe nun einmal gern mit bekannteren deutschen Schauspielern und Schauspielerinnen, die dann auch außerhalb der eigentlichen Zielgruppe ein Publikum ansprechen sollen. Bei Makatsch wurde daraus aber nichts, dafür sind ihre Auftritte zu spärlich. Nach ihrem Debüt Fünf Minuten Himmel hieß es zwei Jahre warten, bis sie das zweite Mal für den Dauerbrenner vor die Kamera trat. Anschließend dauerte es sogar dreieinhalb Jahre bis Blind Date, dem dritten Fall der Mainzer Kommissarin. Im Vergleich dazu ging es jetzt mal richtig schnell, wenn nach einem Dreivierteljahr mit In seinen Augen der vierte Film ansteht.

Die kurze Wartezeit ist aber auch schon mehr oder weniger das einzige, was man Gutes über das neue Werk sagen kann. Der Vorgängerfilm war nicht unbedingt ein Höhepunkt der Reihe. Für Tatort: In seinen Augen gilt das auch. Die verwendeten Motive sind dabei recht klassisch. Ein vermögender Mensch stirbt, mehrere Leute könnten davon profitieren – traditioneller geht es in diesem Genre fast gar nicht. Auch die Idee, dass ein älterer Mensch mit einem deutlich jüngeren zusammen ist, der darüber hinaus noch dubios ist: Alles schon gesehen. Aber das muss nicht automatisch verkehrt sein. Man kann durchaus aus alten und bekannten Szenarios noch etwas Frisches machen, den nötigen Willen und die passenden Ideen vorausgesetzt.

Szenen voller Fragen

Bei Drehbuchautor Thomas Kirchner (Spreewaldkrimi: Tote trauern nicht, Die unheimliche Leichtigkeit der Revolution) trifft das aber nur bedingt zu. Die auffälligste Innovation, wenn man sie so nennen möchte: Tatort: In seinen Augen verzichtet auf die übliche chronologische Erzählstruktur. Stattdessen springt der Film mehrfach hin und her, zeigt beispielsweise Szenen, um erst später zu verdeutlichen, was diese denn zu bedeuten hatten. So sehen wir in kurzer Folge, wie Petzold der vermögenden, da noch lebenden älteren Dame begegnet, nur um in der nächsten Einstellung vor der Polizei zu fliehen. Der Übergang ist schon recht abrupt, was eben damit zusammenhängt, dass zwischen den beiden vermeintlich aufeinanderfolgenden Szenen viel Zeit vergangen ist – was wir aber erst später erfahren.

Eine solche trickreiche Struktur kann manchmal interessant sein, braucht aber auch einen entsprechenden Inhalt. Hier fällt dieser recht ernüchternd aus. Tatort: In seinen Augen macht beispielsweise recht wenig aus der Frage, inwiefern die Liebe einer 60-jährigen Frau zu einem halb so alten Mann „echt“ sein kann. Mehr als ein Verweis, dass es umgekehrt erlaubt ist, fiel hier niemandem ein. Auch die Frage, inwiefern Petzold die Damen ausnutzen oder er von ihnen ausgenutzt wurde, wird nicht weit behandelt. Stattdessen sehen wir zu, wie sich Berlinger völlig in die Geschichte hineinsteigert und in ihrer Überzeugung, den Täter bereits zu haben, alle Grenzen überschreitet. Auch daraus hätte sich eine spannende Frage ableiten lassen, wie es kürzlich das vom Kampf zwischen Intuition und Beweisen handelnde Das kalte Haus vormachte. Und erneut ist es enttäuschend. Dabei macht das Ensemble eigentlich gute Arbeit, sowohl in den intensiveren wie auch humorvolleren Momenten. Hilft aber nichts, wenn die Geschichte an sich so langweilig ist.

Credits

OT: „Tatort: In seinen Augen“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Tim Trageser
Drehbuch: Thomas Kirchner
Musik: Andreas Weidinger
Kamera: Eckard Jansen
Besetzung: Heike Makatsch, Sebastian Blomberg, Michaela May, Klaus Steinbacher, Ulrike Krumbiegel, Jule Böwe, Linus Moog

Bilder

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Tatort: In seinen Augen
Fazit
Wenn in „Tatort: In seinen Augen“ eine vermögende ältere Frau stirbt und mehrere davon profitieren, dann ist das klassisches Krimimaterial. Zu klassisch: Trotz ansehnlicher schauspielerischer Leistungen und einer etwas vertrackten Erzählstruktur ist der Film recht langweilig und oberflächlich.
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