Inhalt / Kritik

Palm Springs

„Palm Springs“ // Deutschland-Start: 9. Juli 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich sollte die Hochzeit ihrer Halbschwester Tale (Camila Mendes) auch so schon ein Tag sein, den Sarah (Cristin Milioti) nie vergessen wird. Doch am Ende ist es weniger die Vermählung selbst, weshalb der Tag einen so bleibenden Eindruck bei ihr hinterlässt. Vielmehr ist es Nyles (Andy Samberg), der dafür sorgt. Mit ihm wollte sie nämlich in der Wüste einfach nur ein bisschen unbekümmerten Sex haben, als auf einmal ein Unbekannter (J. K. Simmons) auftaucht und einen Pfeil auf Nyles schießt. Der schleppt sich anschließend mühsam in eine nahegelegene Höhle, die Sarah trotz aller Warnungen ebenfalls betritt. Als sie kurze Zeit später zu sich kommt, stellt sie fest, dass sie denselben Tag noch einmal erlebt. Und noch einmal. Und noch einmal. Denn was auch immer da in der Höhle ist, es hat dazu geführt, dass sie und Nyles in einer Zeitschleife gefangen sind und dazu gezwungen sind, die Hochzeit jeden Tag aufs Neue durchzumachen …

Jeden Tag (fast) dasselbe

Obwohl das Motiv der Zeitschleife, in der Menschen gefangen sind, seit Und täglich grüßt das Murmeltier in Filmen etabliert sind, gab es in den letzten Jahren doch einen auffälligen Run auf das Thema. Glücklicherweise handelt es sich dabei jedoch nicht um bloße Kopien der Kultkomödie. Viele versuchen tatsächlich, das Grundprinzip zu variieren. Mal spielt der wiederkehrende Tag ausschließlich in einem Taxi (The Fare). In Happy Deathday und Boss Level führt nicht das Ende des Tages zu der Wiederholung, sondern der Tod der Hauptfigur – was ständig vorkommt, da sie jeweils von Killern gejagt werden. Das mysteriöse Horrordrama The Endless wiederum zeigt mehrere Beispiele, die in jeweils eigenen Zeitschleifen gefangen sind.

In Palm Springs sind es nun zwei Menschen, die zusammen in einer Zeitschleife sind und sich als Leidensgenossen näherkommen. Ein ähnliches Szenario verwendete vor einigen Monaten Sechzehn Stunden Ewigkeit. In beiden Fällen geht es darum, wie die Figuren zum einen nach einem Ausweg suchen, zum anderen aber auch lernen müssen, mit den Schattenseiten des Lebens klarzukommen. Die Zeitschleife wird hierbei zu einem Symbol hierfür, wie die Protagonisten und Protagonistinnen feststecken und einen Entwicklungsprozess durchlaufen müssen. Nur wem das gelingt, darf ein „normales“ Leben führen und auch die Liebe annehmen – die in beiden Filmen eine wichtige Rolle spielt. Zumindest an der Stelle bleiben die Ahnen dem Vorbild Und täglich grüßt das Murmeltier treu: Erst die Erkenntnis, dann die Belohnung.

Hohes Tempo, viel Spaß

Während bei Sechzehn Stunden Ewigkeit die humorvollen Szenen jedoch eine sehr ernste, tieftraurige Geschichte überdeckten, die nach und nach enthüllt wird, da steht bei Palm Springs der Spaß im Vordergrund. Da wird von Anfang richtig Gas gegeben. Vor allem Nyles, der als alter Hase der Zeitschleifen die Mechanismen zu nutzen weiß, hat es sich zum Lebensmotto gemacht, keine Gelegenheit ungenutzt verstreichen zu lassen – obwohl er weiß, dass diese jeden Tag aufs Neue kommt. Das bringt eine interessante zwischenmenschliche Dynamik mit sich, wenn zwei Leute Leidensgenossen sind, sich aber erst darauf einstellen müssen, auf einmal die Ewigkeit miteinander zu teilen. Zumal sie zum Teil doch unterschiedliche Auffassungen davon haben, was sie mit dieser anfangen sollen.

Das ist zunächst nicht übermäßig anspruchsvoll. Vielmehr gleichen die zwei Kindern, die ein Spielzeug entdeckt haben, welches sie auf alle möglichen – und unmöglichen – Weisen ausprobieren. Der Film selbst ist für Kinder jedoch kaum geeignet. Palm Springs, welches auf dem Sundance Film Festival 2020 Premiere feierte, zelebriert einen Humor, der mal sehr derbe, dann wieder äußerst schwarz ist. Nur weil jemand unsterblich ist, heißt das schließlich nicht, dass man da nicht auch mal brutal zulangen kann. An der Stelle kommt besonders J. K. Simmons zum Zug, der mit seinen nur wenigen Auftritten für beste Laune sorgt, sofern man sich eben daran gewöhnt, dass das etwas heftiger zur Sache geht.

Ein sympathisches verkorkstes (Fast-)Paar

Herzstück der turbulenten Komödie ist aber natürlich das latent dysfunktionale Ja-Nein-Vielleicht-Paar. Die Art und Weise, wie sich Andy Samberg (Popstar: Never Stop Never Stopping) und Cristin Milioti (The Wolf of Wall Street) umkreisen, näherkommen, dann aber wieder doch nicht so richtig, mag vielleicht nicht dem Bild einer Vorzeigeromanze entsprechen. Aber es macht Spaß. Gerade weil beide auf ihre Weise ein wenig verkorkst sind, ist es sowohl rührend wie unterhaltsam, ihnen bei ihrem Dauer-Abenteuer zuzusehen. Ein bisschen schade ist, dass die Figuren drumherum so wenig zu tun bekommen. Bei ein paar reicht es für oberflächliche Klischees. Bei den meisten gibt es nicht einmal das: Bei der Hochzeit tummeln sich so viele Leute, zu denen einfach kein Zugang aufzubauen ist. Unterhaltsam ist Palm Springs aber allemal, unter den zahlreichen gelungenen Filmen mit Zeitschleife-Thematik ist dieser sicherlich einer der besten.

Credits

OT: „Palm Springs“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Max Barbakow
Drehbuch: Andy Siara
Musik: Matthew Compton
Kamera: Quyen Tran
Besetzung: Andy Samberg, Cristin Milioti, Peter Gallagher, J. K. Simmons, Meredith Hagner, Camila Mendes, Tyler Hoechlin

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Film Independent Spirit Awards 2021 Bestes erstes Drehbuch Andy Siara Sieg
Golden Globes 2021 Bester Film (Komödie oder Musical) Nominierung
Bester Hauptdarsteller (Komödie oder Musical) Andy Samberg Nominierung

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Palm Springs
Wenn in „Palm Springs“ zwei Menschen eine Hochzeit wieder und wieder erleben, dann ist das eine unterhaltsame Variation der beliebten Zeitschleifen-Filmen. Auch wenn das alles nicht sonderlich tiefgründig ist, macht es Spaß dem unschlüssigen Paar dabei zuzusehen, wie es gleichzeitig das Beste aus der Situation herausholen und dieser entkommen will.
8von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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