Inhalt / Kritik

Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht

„Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ // Deutschland-Start: 24. April 2021 (Das Erste)

Clara Göss (Julia Koschitz) und Ulf Lundin (Heino Ferch) haben eines gemeinsam: Sie haben ihre Ehepartner unter tragischen Umständen verloren, können diese aber nicht für tot erklären lassen. Schließlich gibt es bis heute keine Leiche. Und wo keine Leiche, da keine offizielle Beglaubigung. Dass bis heute niemand die Überreste der zwei gefunden hat, hat seinen guten Grund: Anke (Sabine Waibel) und Enno (Roman Knižka) sind überhaupt nicht tot. Vielmehr haben sie sich aus dem Staub gemacht und ihren Tod nur vorgetäuscht. Währenddessen kommen sich Clara und Ulf in ihrer gemeinsamen Trauer immer näher und suchen nach einem Weg, ihren Frieden zu finden. Stattdessen finden sie ein verräterisches Foto …

Über das Leben nach dem Tod

Eigentlich ist das Thema von Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht ernst. Sehr ernst sogar. Die Frage, wie man mit dem Tod eines geliebten Menschen umgesehen, wird die meisten von uns irgendwann im Leben beschäftigen, oft sogar mehrfach. Und auch in Filmen werden immer wieder Figuren gezeigt, die mit einem Schicksalsschlag zu kämpfen haben. In Plötzlich so still und Das Blubbern von Glück waren es beispielsweise Eltern, die den Tod des eigenen Kindes zu verkraften haben. Ein besonders herausfordernder Sonderfall ist jedoch, wenn der Tod nicht sicher ist. Wenn jemand, der dir nahesteht, plötzlich aus deinem Leben verschwunden ist, ohne dass du Gewissheit hast, was passiert ist. Wie gehst du damit um? Wie verabschiedest du dich von jemandem, bei dem du nicht weißt, nicht wissen kannst, dass er tot ist?

Daraus hätte man leicht ein Drama machen können, sei es von der nachdenklichen oder der eher kitschigen Sorte. Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht ist weder das eine, noch das andere. Zwar beginnt der Film mit eben jener Frage, wie man mit etwas abschließen kann, das einem kein Ende bietet. Doch sobald einmal klar wird, dass die beiden armen Verstorbenen quicklebendig sind und alle hintergangen haben, bleibt davon nicht mehr viel übrig. Stattdessen betont Drehbuchautor Uli Brée (Wie ich lernte, bei mir selbst Kind zu sein) in erster Linie die komischen Aspekte einer solchen Situation. Denn von denen gibt es einige, in den unterschiedlichsten Formen und Tönen.

Zwischen albern und gemein

Manchmal kann es ziemlich albern werden, weil die beiden Flüchtigen zwar beim Vortäuschen erfolgreichen waren, ihnen ansonsten aber nichts gelingen will. Aus dem ursprünglich klar überschaubaren Plan wurde das absolute Chaos. Die beiden zeigen ein unglaubliches Talent darin, die ohnehin schon schwierige Situation immer weiter zu verkomplizieren. Teilweise ist es auch ein recht gemeiner Humor, den Regisseur Dirk Kummer (Herren) da in seinem Film demonstriert. Vor allem zum Ende hin darf man das eine oder andere Mal schlucken. Klar, das Thema an sich ist schon morbide. Das bedeutet aber nicht, dass man damit nicht seinen Spaß haben könnte.

Tatsächlich romantisch wird der Film hingegen nicht. Auch wenn sich Clara und Ulf annähern, da bleibt immer die Distanz, da bleiben die Schuldgefühle, da bleiben auch die Zweifel, ob tatsächliche Emotionen im Spiel sind oder nicht einfach das gemeinsame Leid Begierden weckt. Die eine oder andere Situation, die einem zu Herzen geht, findet sich in Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht hingegen schon. Gerade wenn die Figuren anfangen, doch noch das Erlebte zu verarbeiten und sich über ihre vergangenen Beziehungen bewusst werden, wird der Film ganz still und lässt einen in die Figuren hineinhorchen. Schließlich hat man doch viel Zeit miteinander verbracht und einiges erlebt. Das lässt man nicht so einfach mal hinter sich.

Freudiges Spiel mit dem Gift

Tatsächliche Antworten auf zwischendurch eingeschobene Fragen gibt es jedoch nicht. Manches hört hier auch recht abrupt auf – schließlich musste irgendwie die 90-Minuten-Grenze des Fernsehfilms eingehalten werden. Insgesamt überwiegt bei Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht daher die Unterhaltung. Die stimmt dafür, auch weil das Ensemble sich gut mitreißen lässt. Neben dem Quartett sticht dabei vor allem Ursula Werner als Ulfs biestige Mutter hervor, die so ziemlich jede Gelegenheit nutzt, kleine Giftpfeile zu verschießen. Die sind dann zwar nicht tödlich. Aber wenn einen der Film eines lernt, dann ist das, dass schon der Versuch einem diebische Freude bereiten kann.

Credits

OT: „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“
Land: Deutschland
Jahr: 2020
Regie: Dirk Kummer
Drehbuch: Uli Brée
Musik: Stefan Bernheimer
Kamera: Mathias Neumann
Besetzung: Julia Koschitz, Heino Ferch, Roman Knižka, Sabine Waibel, Ursula Werner, Gerhard Gerbers

Bilder

Interview

Roman Knizka InterviewWas ist das Geheimnis einer funktionieren Partnerschaft? Und hat er schon Pläne für seinen eigenen Tod? Diese und weitere Fragen haben wir Hauptdarsteller Roman Knižka in unserem Interview zu Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht gestellt.

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Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht
In „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ trauern zwei Menschen um ihre Verstorbenen, selbst wenn die Leichen nie gefunden wurden – aus gutem Grund, wie sich bald herausstellt. Der Film hat zwar einige ruhige bis emotionale Passagen. Insgesamt überwiegt aber der Humor, der zwischendurch gerne auch mal etwas gemeiner werden kann und von einem spielfreudigen Ensemble getragen wird.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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