Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch TV Fernsehen ZDF Mediathek
© ZDF/Clément Puig

Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch

Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch TV Fernsehen ZDF Mediathek
„Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch“ // Deutschland-Start: 18. April 2021 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Der Schock ist groß, als bekannt wird, dass die 18-jährige Magali Blanc (Valerie Stoll) drauf und dran ist, von der Brücke zu springen und sich das Leben zu nehmen. Während Dr. Véronique Gilbert (Friederike Linke) sofort losstürmt, um die Jugendliche aufzuhalten, ist Dr. Hugo Simon (Nico Rogner) deutlich skeptischer, schließlich sind beide nicht auf diese Situation vorbereitet. Zwar gelingt es Véro, den Selbstmordversuch zu verhindern. Doch wie kam es überhaupt dazu? Bei ihren Untersuchungen stellt sie fest, dass Magalis Eltern Dominique (Anne Weinknecht) und Pascal (Felix Hellmann) unter großen finanziellen Problemen leiden – und es schon zuvor tragische Ereignisse im Leben der Familie gab …

Reise nach Südfrankreich

In der ZDF-Sonntagabendreihe Herzkino geht es bekanntlich um die ganz großen Gefühle. Meistens handelt es sich dabei um Liebe, wenn mindestens ein Paar eine neue Beziehung startet oder eine alte wiederauffrischt. Neben diesem Hauptmerkmal gibt es aber noch ein weiteres, welches bei recht vielen zu finden ist. Ob nun Ein Sommer in… oder Traumschiff, die Filme werden für das Publikum außerdem zu einer Möglichkeit, gemeinsam mit den Protagonisten und Protagonistinnen zu verreisen. Schöne Bilder, meist von fernen Orten, sollen für ein bisschen heimisches Urlaubsfeeling sorgen. Da ist Ein Tisch in der Provence keine Ausnahme, das wie der Titel bereits verrät, in Südfrankreich spielt und das Setting ganz intensiv miteinbezieht.

Dass die Gegend um Montpellier, wo die Filme gedreht werden, gar nicht in der Provence liegt, schien niemanden zu stören. Vielleicht wusste man bei dem Produktionsteam auch einfach nicht, dass Südfrankreich nicht nur aus der berühmtesten Gegend besteht. So oder so passt dieser inhaltliche Murks zu Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch, dem dritten Teil der Reihe. Schließlich war hier das Interesse offensichtlich nicht allzu groß, über das eigene Drehbuch nachzudenken. Ob es nun die Figurenzeichnung ist, die Dialoge oder auch die Geschichte an sich, da passt praktisch gar nichts. Hinzu kommen schauspielerische Leistungen, die mitunter dürftig sind, sowie die eine oder andere französische Aussprache, die eine recht geringe Übung in dieser Sprache offensichtlich machen.

Missbrauch von Selbstmord

Während solche kleinen Ärgernisse noch vergleichsweise einfach ignoriert werden können, fällt das bei dem Konstrukt des Drehbuchs schon schwerer. Ein großes Problem ist, dass man hier irgendwann gar nicht mehr sagen kann, worüber der Film eigentlich sprechen will. Anfangs sieht es noch so aus, als ginge es in Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch vorrangig um den Selbstmordversuch und die Aufarbeitung desselben. Mit der Zeit zerfranst die Geschichte aber in eine ganze Reihe von Nebenhandlungen, die alle irgendwie hineingestopft wurden. Dabei sind Vorkenntnisse auch dringend angeraten, da es Regisseurin Frauke Thielecke offensichtlich für überflüssig hielt, dem Publikum die Figuren und die jeweiligen Situationen näherzubringen. Es reicht ihr, wenn sie irgendwie da sind und es irgendwie dramatisch wird.

Schon die bisher aufgeführten Schwächen wären genug, um einen großen Bogen um den Film zu machen. Der Gipfel ist jedoch die Art und Weise, wie hier ein Selbstmord instrumentalisiert und letztendlich missbraucht wird. Das Thema an sich ist ohne Zweifel wichtig. Anstatt sich damit aber wirklich auseinanderzusetzen, nähert sich Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch auf befremdliche Weise dem Krimigenre an, wenn Gilbert auf dreisteste Weise Detektivin spielt und dabei Grenzen überschreitet. Filme aus der Herzkino-Reihe sind oft qualitativ eher am unteren Ende der Skala angesiedelt, erfüllen aber zumindest meistens ihren Zweck. Hier stimmt aber so vieles nicht, dass das Drama sogar innerhalb dieses Segments ganz weit am Bodensatz zu finden ist.

Credits

OT: „Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Frauke Thielecke
Drehbuch: Barbara te Kock, Valentin Holch
Musik: Fabian Römer, Steffen Kaltschmid
Kamera: Christian Klopp
Besetzung: Friederike Linke, Nico Rogner, Sabine Vitua, Peter Benedict, Gesine Cukrowski, Andreas Hoppe, Paula Siebert, Lilly Forgách, Valerie Stoll, Anne Weinknecht, Felix Hellmann

Bilder

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Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch
Fazit
„Ein Tisch in der Provence: Zwei Ärzte im Aufbruch“ beginnt mit einem verhinderten Selbstmordversuch und wird anschließend zu einer Katastrophe von einem Film. So fehlt jegliches Feingefühl bei dem Thema. Stattdessen gibt es einen Mischmasch aus Themen und Figuren, grauenvolle Dialoge und ein pseudo-französisches Ensemble, das oft schon an der Aussprache scheitert.
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