Sechs Bären und ein Clown
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Sechs Bären und ein Clown

„Sechs Bären und ein Clown“ // Deutschland-Start (Ost): 25. Januar 1974 (Kino) // 19. März 2026 (DVD)

Inhalt / Kritik

Die große Attraktion in einem Zirkus sind dessen sechs Bären, die gemeinsam mit dem Clown Zwiebel (Lubomír Lipský) eine rasante Nummer in der Manege bringen. Davon erfährt auch der Direktor eines konkurrierenden Zirkus (Miloš Kopecký), der seinem Mitbewerber (Jan Libíček) den Tausch mit seinen dressierten Schweinen anbietet. Da der dicke Zirkusdirektor gerade schlecht auf Zwiebel zu sprechen ist, lässt er sich auf den Deal ein. Den Clown feuert er fristlos. Weil sich drei Schulkinder für die Entlassung mitverantwortlich fühlen, bringen sie „Zwiebelchen“ als Frau verkleidet in ihrer Schule als Köchin unter. Die Bären verschmerzen die Trennung von ihrem Herrchen nicht und folgen diesem in die Schule, wo alsbald ein turbulentes Chaos ausbricht. Der Schuldirektor (Jiří Sovák) soll von all dem möglichst wenig mitbekommen, da dessen Nerven ohnehin blankliegen, weil sich ein Schulinspektor (František Filipovský) angekündigt hat. Da Zwiebel dem Schuldiener (ebenfalls Lubomír Lipský) ähnlich sieht, schlüpft er auch immer wieder in dessen Uniform, um die Situation zu retten.

Zirkus in der Schule

Oldřich Lipský (1924-1986) zählte zu den großen tschechoslowakischen Filmemachern, die seit den 1950er Jahren dazu beigetragen haben, dass man auch westlich des Eisernen Vorhangs von den Filmen des Landes Notiz nahm. Seinen ersten großen internationalen Hit konnte Lipsky mit der Science-Fiction-Komödie Der Mann aus dem 1. Jahrhundert (1962) landen. Kurz danach gelang ihm mit Limonaden-Joe, einem wilden Western-Musical, ein noch größerer Erfolg, der ihm in San Sebastián die Silberne Muschel einbrachte. Schon damals besetzte er Miloš Kopecký in einer der Hauptrollen, der in den folgenden Jahrzehnten zu einem der renommiertesten tschechischen Schauspieler aufsteigen sollte und auch in Sechs Bären und ein Clown mit von der Partie ist. Die fordernde Hauptrolle bekleidet hier allerdings Lipskýs ein Jahr älterer Bruder Lubomír (1923-2015), der in seiner erfolgreichen Laufbahn in mehr als 200 Film- und Fernsehrollen zu sehen war. In diesem liebenswerten Familienfilm aus dem Jahr 1972 spielt er den Clown Zwiebel und den Schuldiener, schlüpft darüber hinaus aber auch noch in die Rolle der Köchin Amalie und der Putzfrau Fräulein Feinsäuberlich.

Das Zirkusmilieu, das in Sechs Bären und ein Clown (so der ostdeutsche Titel, in Westdeutschland hatte der Film 1974 in einer alternativen Synchronfassung seine Fernsehpremiere unter dem Titel 6 Bären mit Zwiebel) beschrieben wird, dürfte in dieser Form mittlerweile der Vergangenheit angehören. Hauptattraktion sind in beiden geschilderten Fällen dressierte Wildtiere, die man im 21. Jahrhundert (zu Recht) kaum mehr in der Manege präsentiert bekommt. Dieser Fakt hinterlässt dann auch den vielleicht einzigen negativen Beigeschmack des Films, denn die Zirkustiere stellen natürlich auch in Lipskýs Film die Hauptattraktion dar. So gibt es hier Szenen, in denen man die sechs Tiere per Motorrad, Fahrrad und Tretroller durch die Stadt fahren sieht. Ein weiteres Kunststück wird zuvor in der Manege vorgeführt. Hier springt einer der Bären auf eine Wippe und schleudert damit einen anderen durch die Luft – man ahnt selbst bei dieser kurzen Sequenz, dass dieser Stunt für die Tiere nicht immer glimpflich ablief und sie hier zu etwas gezwungen wurden, was sie nicht freiwillig gemacht hätten. Auch ein Balanceakt auf einem sich drehenden Ball wird in den Film eingebaut, genau wie eine muntere Musiknummer der Bären an den unterschiedlichsten Instrumenten, die mit einem sicherlich wohlklingenderen Playback unterlegt wurde.

Die Bären sind los…

Wenn man sich Sechs Bären und ein Clown heute ansieht, muss man das differenziert tun und sich der Tatsache bewusst sein, dass der Einsatz von dressierten Tieren zu Beginn der 1970er Jahre weltweit noch etwas völlig Normales war und kaum Kritik daran geäußert wurde. Die Tiere (neben den sechs Bären und den Schweinen hat auch Schimpanse Zoly einige wichtige Szenen im Film) sind aber sicherlich nicht das Einzige, was den Film auch heute noch kurzweilig amüsant macht. Man spürt bei allen Beteiligten die große Lust, sich auf diesen albernen Quatsch einzulassen, bei dem gute alte Slapstickszenen genauso gekonnt in die Handlung integriert sind wie akrobatische Kunststücke, die von Menschen dargeboten werden. So schwingt sich ein Double für Lubomír Lipský von einer Reckstange zur nächsten, um den nahezu unbetretbar gewordenen Schulflur nicht mit den Füßen berühren zu müssen.

Auch die Szene selbst, in der Lipský als falsche Putzfrau den Flur etwas zu ausgiebig bohnert, so dass dieser am Ende spiegelglatt ist, nutzt sein Bruder auf dem Regiestuhl, um bei den jüngsten Zuschauern für Begeisterung zu sorgen. Als er danach den Boden mit dem Schaum aus einem Feuerlöscher einsprüht, um ihn wieder begehbarer zu machen, bekommt auch die Filmkamera eine ordentliche Portion ab, was die Respektlosigkeit und den Einfallsreichtum der Filmemacher unterstreicht. Das Drehbuch, das Oldřich Lipský gemeinsam mit dem talentierten Miloš Macourek (Die Märchenbraut) geschrieben hat, strotzt jedenfalls geradezu vor ungewöhnlichen und liebenswerten Einfällen, die die anderthalb Stunden des Films wie im Fluge vergehen lassen. Frech, munter und zügig treibt Lipský die Verwicklungen voran und gewinnt sogar den altbekannten Männer-in-Frauenkleidern-Gags noch etwas Neues ab.

Wie viele andere tschechoslowakische Filme auch, hat Sechs Bären und ein Clown seit den 1970er Jahren sowohl Kinder in Ost- als auch Westdeutschland begeistert. Da sie mit unterschiedlichen deutschen Synchronfassungen großgeworden sind, ist es dem Label Filmjuwelen hoch anzurechnen, dass es bei seiner DVD-Wiederveröffentlichung nun erstmals beide Fassungen aufgespielt hat. Das Bild (im Widescreen-Format 1,78:1) ist recht scharf und hat leuchtende Farben, weist aber gelegentlich noch Verunreinigungen und Filmkratzer auf. Der Ton (in der west- und ostdeutschen Fassung sowie in der tschechischen Originalversion in Dolby Digital 2.0 Stereo) ist stets gut zu verstehen und entspricht den Möglichkeiten der Entstehungszeit. Als Extras gibt es den westdeutschen Vor- und Abspann, den ostdeutschen Abspann und den DEFA-Trailer, sowie den 13minütigen Animationsfilm „Im Zirkus“ von Hans-Ulrich Wiemer, der 1969 beim DEFA-Studio für Trickfilme entstand. Außerdem ist online ein 26seitiges Booklet zum Film mit zahlreichen Fotos und einem Text von Michael Grisko abrufbar.

Credits

OT: „Šest medvĕdů s cibulkou“
Land: Tschechoslowakei
Jahr: 1972
Regie: Oldřich Lipský
Drehbuch: Miloš Macourek, Oldřich Lipský
Musik: Vlastimil Hála
Kamera: Vladimír Novotný
Besetzung: Lubomír Lipský, Jirí Sovák, Miloš Kopecký, Jan Libícek, František Filipovský, Marie Rosůlková, Zora Polanová

Bilder

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fazit
Die Tiere und deren Dressur sind sicherlich die Hauptattraktion, aber nicht das Einzige, was den Film auch heute noch kurzweilig amüsant macht. Man spürt bei allen Beteiligten die große Lust, sich auf diesen albernen Quatsch einzulassen, bei dem gute alte Slapstickszenen genauso gekonnt in die Handlung integriert sind wie akrobatische Kunststücke, die von Menschen dargeboten werden.
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