Alice im Weihnachtsland ZDF

Alice im Weihnachtsland

Inhalt / Kritik

Alice im Weihnachtsland ZDF
„Alice im Weihnachtsland“ // Deutschland-Start: 12. Dezember 2021 (ZDF)

Blöder hätte es für Alice Cordes (Aybi Era) nicht laufen können. Eigentlich hatte die Hamburgerin sowieso keine große Lust, mit ihrem neuen Freund Nicolas Huber (Daniel Gawlowski) in einen bayerischen Ort zu fahren, um dort mit dessen Familie Weihnachten zu feiern. Und dann versetzt er sie auch noch am Bahnhof, weil er länger arbeiten muss. Aber Glück im Unglück, dessen Bruder Jakob (Jochen Matschke) taucht auf und nimmt sie mit zu seinen Eltern Hanna (Jutta Speidel) und Toni (August Schmölzer), die ein Gasthaus betreiben, in dem sie bleiben kann. Etwas unangenehm ist ihr das schon, aber die Warmherzigkeit der Familie macht ihr die Sache leichter. Tatsächlich fühlt sich die junge Köchin, die schon früh ihre Eltern verloren hat, bei ihnen sehr wohl und spürt eine Geborgenheit, die sie schon lange nicht mehr hatte …

Was sich liebt, das streitet sich

Manchmal braucht es bei Filmen nur die ersten Minuten und man weiß bereits, wie das Ende aussehen wird. Alice im Weihnachtsland ist einer dieser Filme. Anfangs mag man sich vielleicht noch wundern, warum die Geschichte so umständlich ist und Alice nun ganz allein aufbricht, anstatt einfach darauf zu warten, dass ihr Freund fertig ist. Bis sie am Bahnhof des bayerischen Ankunftsortes Streit mit einem Wildfremden hat, der sich als ihr Quasi-Schwager herausstellt. Dieser Streit ist ebenso unnötig wie das, was davor geschehen ist, womit der Zuschauer bzw. die Zuschauerin weiß: Die beiden werden noch ein Paar. Sie werden sich noch ein paar Mal kabbeln, immer wieder aus fadenscheinigen Gründen, bis sie auf einmal wie aus heiterem Himmel merken, dass sie sich eigentlich ganz toll finden.

Nein, die Frage worauf das alles hinauslaufen wird, stellt sich hier nicht wirklich. Interessanter ist also: Was genau passiert davor noch? Der Titel zumindest verspricht da einiges, Alice im Weihnachtsland ist natürlich Alice im Wunderland nachempfunden. Hier ist es zwar eine erwachsene Frau statt eines jungen Mädchens, die jede Menge Turbulenzen durchmacht. In beiden Fällen geht es aber darum, dass sich eine Protagonistin in einer fremden Welt zurechtfinden muss und durch die Begegnung mit anderen etwas lernt. Während dies beim vielzierten Romanklassiker aber diverse Abenteuer und surreale Ereignisse sind, heißt es sich beim ZDF-Drama mit wenig zufriedengeben zu müssen. Da ist ein Schlittenrennen schon die aufregendste Szene des Films.

Viel Drama um nichts

Nun muss ein Liebesfilm natürlich keine Actionszenen bieten, um das Publikum glücklich machen zu können. Wichtiger sind die Figuren. Wichtiger sind die gemeinsamen Szenen, welche sie zusammenführen oder auch über sich hinauswachsen lassen. Nur hat Alice im Weihnachtsland in der Hinsicht irgendwie ebenfalls nicht wirklich was zu bieten. Dass die beiden Hauptfiguren füreinander Gefühle entwickeln, ist dramaturgisch zu erwarten. Das heißt aber nicht, dass man diese Entwicklung auf dem Bildschirm einfach voraussetzen sollte. Da wird einfach viel zu wenig investiert, um die beiden Streithähne zu einem wirklichen Paar zu machen. Stattdessen gibt es viel künstliches Drama und gleich zwei tragische Vorgeschichten: Sie hat ihre Eltern durch einen Autounfall verloren, er seine Frau durch eine verkannte Diabetes. Und das bedeutet natürlich in beiden Fällen, dass sie einen emotionalen Knacks haben, weswegen sie dazu prädestiniert sind, sich zu lieben. Oder so.

Richtig überzeugend ist das nicht. Zum Ende hin wird es sogar richtig abstrus, wenn der Film auf den letzten Metern noch eine Wendung einbaut. Die ist tatsächlich überraschend, was aber mehr damit zusammenhängt, dass sie völlig unglaubwürdig ist. Und das Schlimmste: Es hätte sie nicht einmal gebraucht, da diese Wendung die Geschichte eigentlich gar nicht beeinflusst. Ein bisschen wird das zwar schon versucht, Alice im Weihnachtsland ist aber auch da nicht konsequent genug und überspringt lieber ein paar Zwischenschritte. Denn das hätte Arbeit bedeutet. Und wozu arbeiten, wenn man stattdessen attraktive Menschen vor einer idyllischen Kulisse zeigen kann? Wem das reicht und einfach nur mal wieder von der großen wahren Liebe träumen möchte, der kann sich hier leise berieseln lassen, zumal das Ensemble ordentliche Arbeit macht. Wer aber auf der Suche nach einem Film ist, der von tatsächlichen Gefühlen erzählt, von tatsächlichen Menschen in der tatsächliche Welt, der ist hier dann doch fehl am Platz.

Credits

OT: „Alice im Weihnachtsland“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Petra K. Wagner
Drehbuch: Claudia Matschulla, Arnd Mayer
Musik: Hannah von Hübbenet, Raphael Schalz-Bender
Kamera: Peter Polsak
Besetzung: Aybi Era, Jochen Matschke, Daniel Gawlowski, Jutta Speidel, August Schmölzer, Nina Hoger, Ilja Richter, Fabian Ziems, Falka Klare

Bilder

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Eine junge Frau fährt ohne ihren Freund zu dessen Eltern, die sie nicht kennt, um dort Weihnachten zu feiern. „Alice im Weihnachtsland“ fängt schon sehr konstruiert an und hat auch im Anschluss keine Scham, den größten Blödsinn zu erzählen und als wahre Gefühle verkaufen zu wollen. Immerhin ist das Ganze sehr solide gespielt und hat schöne Bilder. Drüber nachdenken sollte man aber besser nicht.
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