Ella Schön - Seitensprünge TV Fernsehen ZDF Mediathek
© ZDF/Rudolf Wernicke

Ella Schön: Seitensprünge

Ella Schön - Seitensprünge TV Fernsehen ZDF Mediathek
„Ella Schön: Seitensprünge“ // Deutschland-Start: 8. Mai 2022 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Die Freude hält sich bei Ella Schön (Annette Frier) in Grenzen, als auf einmal ihre Erzfeindin vor ihr steht: Bürgermeisterin Ulla Lüttjens (Tanja Schleiff). Ausgerechnet sie will Ellas Hilfe bei einer unschönen Angelegenheit, wurde sie doch beim zu schnellen Fahren erwischt. Wenn kein Wunder geschieht, ist ihr Führerschein weg, den sie so dringend braucht. Christina Kieper (Julia Richter) ist hingegen anderweitig unterwegs. Ihr Sohn Ben (Oscar Brose) zieht gerade aus. Warum das nicht zum Anlass nehmen, um in Berlin ein Café zu eröffnen und etwas Neues zu wagen? Ella selbst hält von diesen Plänen wenig. Gleichzeitig muss sie selbst überlegen, wie es in Zukunft bei ihr weitergehen soll, weshalb sie eine folgenschwere Entscheidung zu treffen hat …

Abschied von Ella Schön

Auch wenn Ella Schön im Vergleich zu den anderen Reihen, die sonntags in der ZDF-Programmschiene Herzkino laufen, immer recht zurückhaltend war und nicht versuchte, auf Teufel komm raus Gefühle zu erzwingen: Bei Seitensprünge darf einem das Herz schon ein wenig schwerer werden. Vielleicht wird sogar das eine oder andere Tränchen vergossen auf den heimischen Sofas. Schließlich handelt es sich bei dem elften Film der Reihe gleichzeitig um den letzten. Annette Frier hatte angekündigt, nach vier Jahr nicht weiter als titelgebende Referendarin mit autistischen Zügen zur Verfügung zu stehen. Ohne die Titelheldin weitere Filme drehen? Inhaltlich wäre das sicherlich möglich gewesen. Letzten Endes verzichtete man aber darauf, aus gutem Grund. Zu sehr waren die Geschichten auf Frier zugeschnitten gewesen.

Wenn eine Filmreihe oder Serie zu Ende geht, gibt es prinzipiell immer zwei Möglichkeiten, damit umzugehen. Die einen setzen in solchen Situationen auf exzessive Rückblicke, um das Publikum noch einmal auf eine emotional-nostalgische Reise mitzunehmen. Die anderen betonen hingegen das Motiv des Aufbruchs oder der Erneuerung. Das Motto: Das Ende ist eigentlich ein Anfang. Ella Schön: Seitensprünge geht dabei eher in die zweite Richtung, wenn sowohl Ella als auch Christina mit sich ringen, wie ihre jeweilige Zukunft aussehen könnte. Zuletzt saßen die beiden in punkto Liebe zwischen den Stühlen. Jetzt ist es mehr das Berufliche, das schwierige Entscheidungen erfordert. Wie diese ausfallen, lässt der Film bis zum Schluss offen. Das Publikum soll ja schon ein bisschen auf die Folter gespannt werden. Zumal diese Neuanfänge nur eines von mehreren Themen sind.

Zwischen Lachen und Weinen

Eines dieser Themen ist mal wieder ein Fall, den Ella übernehmen muss. Ein größerer Schwerpunkt liegt bei Ella Schön: Seitensprünge darin, wie diese ausgerechnet die von ihr nur wenig geschätzte Ulla Lüttjens freiboxen muss. Das sorgt für reichlich Spannungen. Ella muss sich dabei zudem mal wieder mit ihren eigenen Gefühlen auseinandersetzen. Das gelingt ihr nach all den Jahren zwar besser. Manche Sachen überfordern sie dann aber immer noch. Teilweise wird das, wie in den beiden vorangegangenen Filmen Das Glück der Erde und Freischwimmer, auch humoristisch genutzt. Im Vergleich zu anderen Geschichten über autistische Menschen hält man sich aber auch in der Hinsicht zurück. Ella wird nicht zur Witzfigur degradiert, was einer Schauspielerin vom Format einer Annette Frier aber auch nicht würdig gewesen wäre.

Der besprochene Fall ist dabei leider nur wenig erwähnenswert. Wo es in den letzten Teilen noch interessante Gedanken und Rechtssituationen gab, über die man in Anschluss noch ein wenig diskutieren konnte, da wird es dieses Mal recht albern und unnötig konstruiert. Selbst naheliegende Überlegungen, ob es überhaupt richtig ist, einen schuldigen Menschen freikämpfen zu wollen, werden nicht bemüht. Da hätte man sich beim Drehbuch schon mehr Mühe geben dürfen. Dennoch, Ella Schön: Seitensprünge ist ein würdiger Abschluss der Reihe und ein großer Verlust fürs Herzkino. Zum Ende darf man sich von der liebgewonnenen komischen Freundin mit einem lachenden und einem weinenden Auge verabschieden, so wie die Reihe immer zwischen Drama und Komödie wechselte.

Credits

OT: „Ella Schön: Seitensprünge“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Holger Haase
Drehbuch: Simon X. Rost
Musik: Martina Eisenreich
Kamera: Konstantin Kröning
Besetzung: Annette Frier, Julia Richter, Rainer Reiners, Josef Heynert, Oscar Brose, Zora Müller, Tanja Schleiff, Siegfried Terpoorten

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Ella Schön: Seitensprünge
Fazit
Mit „Ella Schön: Seitensprünge“ geht die Reihe um eine autistische Rechtsreferendarin zu Ende. Es ist ein würdiges Ende zwischen Abschied und Neuanfang, zwischen Lachen und Feiern. Ihr letzter Fall ist hingegen wenig erwähnenswert, gibt weniger Stoff zum Nachdenken als die vorangegangenen Male.
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