Wie soll man Dr. Mráček ertränken
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Wie soll man Dr. Mráček ertränken?

„Wie soll man Dr. Mráček ertränken?“ // Deutschland-Start (Ost): 26. März 1976 (Kino) // 19. März 2026 (DVD)

Inhalt / Kritik

Um die Wasserwesen in Böhmen ist es nicht gerade zum Besten bestellt. Es gibt nur noch zwei junge Wassermädchen, Jana Wässerchen (Libuše Šafránková) und Polly (Eva Trejtnarová), die Tochter des Wassermann-Chefs des Landes (Miloš Kopecký). Wasserwesen verlieren ihre Unsterblichkeit, wenn sie sich mit Menschen einlassen oder Blutwurst essen. Da sich aber Jana in den Juristen Dr. Jindra Mráček (Jaromír Hanzlík) verliebt hat, ist guter Rat teuer. Da die Behörden festgestellt haben, dass Janas Vater Alois (Zdenĕk Řenoř) und seine Familie in einem viel zu feuchten Haus wohnen, soll dieses abgerissen und die Bewohner in einen noblen Neubau umgesiedelt werden. Dr. Mráček entwickelt sich so in zweierlei Hinsicht zu einem Problem für die Wasserwesen. Alois und seine Brüder Karel (Vladimír Menšík) und Bertík (František Filipovský) sehen den einzigen Ausweg darin, Dr. Mráček aus dem Weg zu räumen. Da dieser gerne am Abend mit einem Ruderboot über die Moldau fährt, planen die Wassermänner, den unliebsamen Herrn dort kurzerhand zu ertränken…

Von Menschen und Wasserwesen

Seit den 1960er Jahren waren der Drehbuchautor Miloš Macourek (1926-2002) und der Regisseur und Autor Václav Vorlíček (1930-2019) im tschechischen Film aktiv und haben auch in dieser Zeit bereits erste gemeinsame Projekte realisiert. Spätestens mit Beginn der 1970er Jahre waren sie auf ihrem schöpferischen Höhepunkt angelangt, und die Filme und Serien der beiden fantasievollen Kreativen zogen ab dann auch international das Publikum in ihren Bann. Der erste Riesenerfolg, der auch heute noch von etlichen Generationen geliebt wird, war 1972 Das Mädchen auf dem Besenstiel über die turbulenten Abenteuer einer jungen Hexe (noch einige Jahrzehnte vor den ersten „Harry Potter“-Büchern). Schon im Jahr darauf folgte der Weihnachtsfilmklassiker Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, bevor Macourek und Vorlíček mit ihren folgenden Filmen die Fantastik noch unmittelbarer in den Lebensalltag des 20. Jahrhunderts integrierten – mit Wie soll man Dr. Mráček ertränken? oder Das Ende der Wassermänner in Böhmen (so der komplette Titel) und Wie wär’s mit Spinat? oder der genialen Fernsehserie Die Märchenbraut, die einen Kinofilm und die Serie Die Rückkehr der Märchenbraut nach sich zog.

Für ihren Wasserwesen-Film griffen die beiden Tschechen auf bekannte Märchenmythen um Wassermänner und Nixen zurück und siedelten diese im Prag der 1970er Jahre an. Alleine diese Diskrepanz zwischen Märchenhaftem und Alltagsrealität ist sehr originell und bietet jede Menge witziger Möglichkeiten. So reisen die Wasserwesen beispielsweise durch die Kanalisation und können dorthin problemlos durch jedes gewöhnliche Waschbecken gelangen. Ihre eigentlich menschenverachtende Grundeinstellung hat man ebenfalls bewahrt, denn die Wasserwesen sammeln die Seelen von Ertrunkenen in kleinen Porzellandosen – und je mehr von ihnen ein Wassermann besitzt, desto reicher und angesehener ist er unter seinesgleichen. Macourek und Vorlíček nutzen im Film aber auch Prag und die Moldau jener Zeit in etlichen Außenaufnahmen gekonnt als Kulisse, die einem heutigen Publikum viel über Mode, Verhalten und Generationenkonflikte zur Entstehungszeit verrät. Auch die Tschechoslowakei der 1970er Jahre wies popkulturelle Phänomene auf, die westlichen Strömungen derselben Zeit gar nicht mal so unähnlich waren. Wie die meisten Arbeiten des Teams ist auch Wie soll man Dr. Mráček ertränken? mit der Crème de la Crème tschechischer Vollblutschauspieler besetzt, die nicht davor zurückschrecken, sich vor der Kamera zum Affen zu machen.

Nicht länger unsterblich

Das macht Filme dieser Art natürlich besonders für ein junges Publikum unterhaltsam, da sich Erwachsene hier wesentlich alberner verhalten als Kinder oder Jugendliche, die oft wesentlich intelligenter und bedachter agieren. In diesem Fall sind das die jungen Hauptdarsteller Jaromír Hanzlík (der später den Vater in der Kultserie Luzie, der Schrecken der Straße spielte) und Libuše Šafránková (die Titelheldin aus Drei Haselnüsse für Aschenbrödel), die ein Liebespaar im shakespeareschen Sinne spielen, das eigentlich nicht zusammenkommen kann, weil dies zum Ende der Unsterblichkeit führen würde. Der Tod wird im Film, was gerade hinsichtlich seines Zielpublikums der Kinder ungewöhnlich ist, als etwas Selbstverständliches dargestellt, das Teil des Lebens ist und nicht gefürchtet werden muss. Manchmal auch ironisch gebrochen, wenn unliebsame Personen einfach in alte Schuhe verwandelt und aus dem Fenster geworfen werden.

Auch die Tricktechnik des Films verdient gesonderte Erwähnung. Vieles ist aus heutiger Sicht sehr einfach gestaltet, wurde seinerzeit aber komplett analog und von Hand erzeugt, da es noch keinerlei digitale Effekte gab. Doppelbelichtungen und geschickte Schnitte konnten hier schon überzeugende Illusionen schaffen, deren Wirkung auch nach mehr als 50 Jahren noch Bestand hat. Vor allem das Abtauchen der Figuren in Waschbecken oder das gewaltige Wachstum von Frau Wassermann (Míla Myslíková), das diese am Ende des Films zu einer Riesin macht, kann auch heute noch Staunen machen. Allzu kleine Kinder kann die doch recht komplexe Handlung vielleicht etwas überfordern, wenngleich auch diese aufgrund der turbulenten Szenen und ausgelassenen Situationen ihren Spaß haben dürften. Vorlíčeks Film hat jedenfalls so viel Charme und Originalität, dass er altersunabhängig auch heute noch begeistern kann.

Für die BluRay-Erstveröffentlichung des Films (parallel ist er auch wieder neu auf DVD erschienen) konnte man bei Filmjuwelen auf eine 2021 restaurierte Fassung zurückgreifen, die ein wahrlich exzellentes, gestochen scharfes und sehr farbintensives Bild (im Widescreen-Format 1,66:1) bietet. Auch der Ton (Deutsch und Tschechisch im DTS HD Master Audio 2.0, optional mit deutschen Untertiteln für Hörgeschädigte) ist immer gut verständlich und der Entstehungszeit angemessen. Es handelt sich um die Synchronfassung des DEFA-Studios, die auch seit den 1970er Jahren in Westdeutschland zum Einsatz kam. Einige kurze Passagen, die seinerzeit geschnitten worden waren, liegen hier nun im tschechischen Original mit deutschen Untertiteln vor. Als Extras gibt es den 26-minütigen Animationsfilm „Als es noch Wassermänner gab“ von Jan Hempel sowie den deutschen Vorspann und Trailer des Hauptfilms. Online hat man darüber hinaus Zugriff auf ein 20seitiges Booklet zum Film mit einem Text von Dr. Michael Grisko.

Credits

OT: „Jak Utopit Doktora Mráčka aneb Konec vodníků v čechách“
Land: Tschechoslowakei
Jahr: 1974
Regie: Václav Vorlíček
Drehbuch: Miloš Macourek, Petr Markov, Václav Vorlíček
Musik: Vítezslav Hádl
Kamera: Vladimír Novotný
Besetzung: Jaromír Hanzlík, Libuše Šafránková, František Filipovský, Miloš Kopecký, Vladimír Menšík, Zdenĕk Řehoř, Stella Zázvorková

Bilder

 

Trailer

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fazit
Mit der Crème de la Crème tschechischer Vollblutschauspieler besetzt, die nicht davor zurückschrecken, sich vor der Kamera zum Affen zu machen. Auch die einfallsreiche Tricktechnik sollte erwähnt werden. Václav Vorlíčeks Film hat so viel Charme und Originalität, dass er altersunabhängig auch heute noch begeistern kann.
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