Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar TV Fernsehen ZDF Mediathek
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Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar

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„Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar“ // Deutschland-Start: 15. Mai 2022 (ZDF)

Inhalt / Kritik

Liebe ist für die Informatikerin Dr. Mary Cameron (Maxine Kazis) auch nur eine Frage von Wahrscheinlichkeit und Kompatibilität. Und das lässt sich wissenschaftlich berechnen. Damit rennt sie beim Betreiber des Datingportals „Cupid’s Match“ offene Türen ein, der sie vom Fleck weg einstellt, damit diese einen entsprechenden Algorithmus entwickelt. Zusammen mit dem Social-Media-Experten Paul Morris (Tobias van Dieken) soll sie dem Unternehmen einen kräftigen Schub geben. Zu diesem Zweck werden im Rahmen einer Marketingkampagne Amanda Mayford (Eva Nürnberg) und Zachary Lockwood (Tobias Schäfer) zusammengeführt, die nach Marys Berechnungen ein perfektes Match wären. Gleichzeitig geht es in ihrem Privatleben drunter und drüber, als ausgerechnet ihr Algorithmus für eine Annäherung zwischen ihrer Mutter June (Julia Bremermann) und ihrem Vater Gerald (René Ifrah) führt, der vor vielen Jahren die Familie verlassen hat …

Ein Gefühlschaos, das keines ist

Bei Rosamunde Pilcher scheiden sich traditionell die Geister. Während die Kritiker es längst aufgegeben haben, bei den ewig gleichen Romanzen noch die Nase rümpfen zu wollen, erfreuen sich die Geschichten noch immer größerer Beliebtheit. Zumindest die Masse spricht für sich: Seit dem Start 1993 wurden im Rahmen der sonntäglichen ZDF-Reihe Herzkino bereits mehr als 150 Filme ausgestrahlt. Jedes Jahr kommen neue hinzu. Liebe ist unberechenbar ist bereits der dritte, der 2022 auf die beeindruckend lange Liste gekommen ist. Das Bedürfnis nach den Liebesgeschichten der britischen Autorin ist also ungebrochen. Dieses Mal ist es die Kurzgeschichte The Dashing White Sergeant, welche die Grundlage liefert für ein Gefühlschaos, so wie es der Titel bereits angekündigt hat.

Wobei das natürlich nur zum Teil stimmt. Auch wenn sich Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar stark macht für das Irrationale und Intuitive einer Beziehung, also den Teil, den kein Computer vorhersagen kann: Der Film selbst ist  vom Anfang bis zum Schluss streng normiert. Das Drehbuch versucht nicht einmal, sich von den bekannten Formeln zu lösen und etwas Eigenes zu erzählen. Im Gegenteil, die Standardformel wird hier gleich doppelt angewendet. Im Mittelpunkt des 155. Teils der Reihe stehen zwei Paare, die sich jeweils unter ungünstigen Bedingungen begegnen, weshalb noch vor der Namensvorstellung der erste Streit im Raum steht. Es wird nicht der letzte sein, schließlich muss so eine Liebe auch ein bisschen erkämpft werden.

Keine Entwicklung nötig

Oder zumindest so getan. Tatsächlich sind die Annäherungen der zwei Paare recht sprunghaft. Anstatt wirklich über einen längeren Zeitraum etwas dafür tun zu wollen, dass sich etwas entwickelt, wird da einfach nur irgendwann der Schalter umgelegt. Der Zielgruppe ist das egal. Die interessiert sich nicht für Plausibilität oder auch Realismus. Hauptsache ein paar attraktive Menschen kommen irgendwann zusammen und fallen sich in die Arme, damit man daheim wieder von der großen Liebe träumen darf. Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar unterscheidet sich da nicht von den vielen anderen Liebesfilmen, bei denen der Weg eigentlich völlig belanglos ist. Mal gibt es ein paar komisch peinliche Szenen. Dann wird wieder ein Trauma ausgepackt. Erlaubt ist alles, solang das Ergebnis stimmt.

An zwei Punkten hätte es dabei das Potenzial für mehr gegeben. Zum einen sind da die grundsätzlichen Überlegungen, ob Liebe bzw. Gefühle allgemein etwas ist, das sich wissenschaftlich vorhersagen lässt. Der Film drückt sich aber vor eindeutigen Antworten und zieht sich lieber auf Plattitüden zurück. Der andere Punkt ist, dass da noch ein drittes Paar ist, das dem Programm zufolge eigentlich perfekt füreinander ist, sich aber früh getrennt hatte. Dadurch kommt beispielsweise ein Kontext hinzu, der ebenfalls über das Glück entscheiden kann. Aber auch daraus wird nichts gemacht. Stattdessen sehen wir anderthalb Stunden lang Menschen zu, die größtenteils irgendwelchen Stereotypen entsprechen und teilweise sehr nervig ausgefallen sind. Sowohl bei Mary wie auch Amanda finden sich keine attraktiven charakterlichen Eigenschaften. Eigentlich sind sie sogar grauenvoll. Aber so genau soll man das vermutlich alles nicht nehmen. Es gibt schöne Bilder und schöne Menschen und die Illusion schöner Gefühle. Das muss dann reichen.

Credits

OT: „Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Karola Meeder
Drehbuch: Martin Wilke, Jochen S. Franken
Vorlage: Rosamunde Pilcher
Musik: Andreas Weidinger
Kamera: Vladimir Subotic
Besetzung: Maxine Kazis, Tobias van Dieken, Eva Nürnberg, Tobias Schäfer, Julia Bremermann, René Ifrah, Alexander James Perkins

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Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar
Fazit
„Rosamunde Pilcher: Liebe ist unberechenbar“ gibt sich modern, wenn es um Dating-Portale und Algorithmen geht. Tatsächlich ist aber alles entgegen dem Titel komplett durchberechnet und folgt stur den üblichen Formeln. Fans wird es freuen, zumal es wieder schöne Bilder und schöne Menschen gibt. Der Rest darf den Film ignorieren.
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