
So richtig können sich Dr. Moritz Neiss (Patrick Kalupa) und Charlie Winkler (Josefine Preuß) ja nicht an diese Nacht erinnern. Sie wissen nur, dass sie diese zusammen verbracht haben. Während die beiden noch herauszufinden versuchen, was dies für sie bedeutet, hat Neiss eine ermutigende Erfahrung mit seiner Hand, die er längst aufgegeben hatte. Dabei hat er eigentlich beruflich genug zu tun. Da ist beispielsweise die neue Pastorin Maike Clausse (Tanja Schleiff), die unter seltsamen Schmerzen leidet und zudem im Krankenhaus auf Konfrontationskurs mit Dr. Florian Schmidtke (Maximilian Grill) geht. Denn der hat aus der Krankenhauskapelle ein Büro gemacht, das er nicht wieder hergeben will …
Also doch Liebe?
Im Laufe der letzten Jahre hat das ZDF einiges dafür getan, um das sonntägliche Herzkino ein wenig aufzufrischen. Und so wurden diverse neue Reihen eingeführt, die sich etwas von den übrigen Reihen unterscheiden. Dr. Nice dürfte die erfolgreichste dieser neuen Reihen sein. Zumindest ist sie mit Abstand die produktivste. Bestand die erste Staffel 2023 noch aus zwei Testfilmen, gab es im Jahr drauf bereits vier. 2025 wurde der Output auf beeindruckende sechs Filme erhöht, wobei diese in zwei Blöcke geteilt mit einigen Monaten Abstand ausgestrahlt wurden. Zuletzt war vor rund einem Jahr Nacht der Wünsche zu sehen, der mit der kompromittierenden Situation zwischen den beiden Hauptfiguren endete. Unter die Haut schließt nun an dieses Ende an und markiert den Auftakt von sechs neuen Folgen, die diesmal auch komplett im Wochentakt gesendet werden.
Das Ende der vorangegangenen Staffel war insofern ärgerlich, da Charlie eigentlich homosexuell ist und hier impliziert wird, es braucht nur den richtigen Mann, dann geht das schon. Lea Koch (Maj Borchardt), leibliche Tochter von Moritz und Charlies verstorbener Partnerin, scheint das in Dr. Nice: Unter die Haut auch nicht sonderlich zu kümmern. Hinzu kommt, dass dies eine Herzkino-Produktion war, wo es mal nicht um die Liebe ging, zumindest nicht nur. Da droht dann doch ein wenig die Besonderheit verlorenzugehen, wenn doch eine romantische Komödie daraus gemacht werden sollte. Immerhin: Diese Entwicklung sorgt für ein bisschen neuen Schwung in einer Reihe, die zuletzt etwas auf der Stelle trat. Zumal da auch noch die Frage ist, wie es dann mit Janne Andersen (Brigitte Zeh) weitergeht, der Ex von Moritz, die mit all dieser Entwicklung aus nachvollziehbaren Gründen ihre Probleme hat.
Business as usual
Etwas zwiespältig ist außerdem die Figur der Pastorin. Auch sie bringt Bewegung in die Reihe, wenn sie von Anfang an voll auf Konfrontation geht. Prinzipiell passt das gut, da diese Filme wie sonst keine beim Herzkino von den Konflikten zwischen den Figuren lebt. Mit Harmonie hat man es da nicht so sehr. Allerdings ist da eine feine Linie zwischen unterhaltsamen Streitigkeiten und nervigen Streitigkeiten. Bei Dr. Nice: Unter die Haut wird diese Linie überschritten, der Neuzugang ist vor allem anstrengend. Immerhin, später gibt sich das ein wenig, wenn wir mehr über die Frau erfahren. Insofern bleibt abzuwarten, wie es weitergeht, sofern man überhaupt plant, aus Clausse eine wiederkehrende Figur zu machen. Andere Charaktere, die in den letzten Folgen eingeführt wurden und die für dauerhafte Einsätze prädestiniert waren, sind schließlich auch schon wieder weg.
Ansonsten ist business as usual angesagt. Das bedeutet, dass es wieder eine rätselhafte Krankheit gibt, die nur unser Doktor des Herzens zu erkennen imstande ist. Das Konzept funktioniert zwar, selbst drei Jahre noch. Zumal Dr. Nice: Unter die Haut wie immer von der Besetzung lebt, besonders dem Charisma von Kalupa, welches man wieder und wieder als Allzweckwaffe einzusetzen versteht. Das ist dann schon immer mal wieder unterhaltsam, aber inzwischen auch etwas fade. Es fehlen bei der Reihe die Ideen, wie sich das Szenario auf frische Weise nutzen lässt, ohne sich dauernd zu wiederholen. Für Durchschnitt reicht das noch, mehr ist da aktuell nicht drin.
OT: „Dr. Nice: Unter die Haut“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Holger Haase
Drehbuch: Simon X. Rost
Musik: Martina Eisenreich
Kamera: Thomas Vollmar
Besetzung: Patrick Kalupa, Josefine Preuß, Maximilian Grill, Brigitte Zeh, Maj Borchardt, Ben Ole Knobbe, Bruno F. Apitz, Hedi Kriegeskotte, Idil Üner, Teresa Rizos, Hannes Jaenicke, Mathias Harrebye-Brandt, Tanja Schleiff
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