
Eigentlich hätte Marvin Nicolai (Julian Jesse) auf der Feier seiner Mutter Miriam (Franziska Junge) musizieren sollen, als diese zur Marineoffizierin ernannt wird. Doch das endet in einem Debakel, als Marvin kollabiert. Offensichtlich hatte sich der junge Mann im Vorfeld betrunken, was für jede Menge Ärger innerhalb der Familie sorgt. Aber auch im Krankenhaus ist man sich zunächst sicher, dass ein gesteigerter Alkoholkonsum der Grund ist, schließlich findet sich viel davon in seinem Blut. Doch etwas scheint an der Sache nicht ganz zu stimmen. Und so macht sich Dr. Moritz Neiss (Patrick Kalupa) gemeinsam mit Dr. Florian Schmidtke (Maximilian Grill) auf die Suche nach Antworten. Dabei hat er privat genug um die Ohren, da er vor Charlie Winkler (Josefine Preuß) verschwiegen hat, nicht an einem Forschungsprogramm teilgenommen zu haben …
Wieder mehr Bewegung
Der Sonntagabend ist momentan in der festen Hand von Dr. Nice. Schließlich werden sechs Filme im wöchentlichen Abstand in der ZDF-Programmschiene Herzkino ausgestrahlt. Drei davon haben wir bereits hinter uns. Dabei ließ die Abwechslung ein wenig zu wünschen übrig. So drehte sich die neue Staffel lang darum, was denn in dieser einen Nacht geschehen ist, welche die beiden Hauptfiguren miteinander verbracht haben sollen, ohne sich daran zu erinnern. Damit einher geht eine Unsicherheit, wie denn ihr Verhältnis zueinander ist. So etwas kann spannend sein. Man wusste hier aber nicht, viel draus zu machen. Die Geschichte, wie die Reihe an sich, trat lange auf der Stelle. Mit Schiffbrüchig geht es jetzt endlich mal wieder ein bisschen voran.
Die Sache mit der Nacht ist zwar noch nicht ausgestanden, das Verhältnis nicht ganz geklärt. Aber es ist doch wieder mehr Bewegung drin. Und das in mehrfacher Hinsicht. So gibt es wieder eine leise Annäherung mit Janne Andersen (Brigitte Zeh), der Ex von Neiss. Angenehm ist zudem, dass die Zusammenarbeit der beiden Ärzte in Dr. Nice: Schiffbrüchig etwas mehr auf Augenhöhe geschieht, das Konkurrenzding war schon etwas langweilig geworden. Außerdem tut der Reihe gut, dass Charlies Bruder Frieder (Jacob Matschenz) wieder da ist und der Protagonist in ihm jemanden gefunden hat, der richtig Contra geben kann. Klar, gestritten wurde auch vorher schon viel. Aber es gelang kaum jemandem, Neiss die Grenzen aufzuzeigen.
Zwischen Komik und Drama
Dass dieser welche hat, macht die Folge wieder deutlich. Wie schon in der Vorwoche sehen wir einen Mann, der selbstbewusst auftritt und sich für keinen Spruch zu schade ist, der aber auch von Ängsten geprägt ist, die er nicht offen aussprechen möchte. Manchmal will er sie sich nicht einmal eingestehen. Dr. Nice: Schiffbrüchig ist auch wieder eine emotionalere Folge geworden. Da geht es bei vielen Figuren hoch her. Dazu zählen auch die beiden aus dem dieswöchigen Krankheitsfall. Denn Mutter und Sohn haben eine schwierige Beziehung, die zum einen mit dem Beruf der Mutter, zum anderen mit dem tragischen Tod des Vaters zu tun hat. Da ist einiges geschehen – oder nicht geschehen –, was nicht verarbeitet wurde.
Der Fall selbst ist diesmal weniger spektakulär. Was hinter den Phänomenen steckt, ahnt man relativ früh. Die Art und Weise, wie Neiss auf die Lösung kommt, ist geradezu beiläufig. Die Suche nach Antworten ist aber ganz amüsant geworden. Allgemein hält Dr. Nice: Schiffbrüchig gut die Balance aus den komischen und den dramatischen Bestandteilen. Natürlich ist die Reihe nach wie vor formelhaft, so richtig viel traut man sich nach wie vor nicht, auch mal etwas auszuprobieren. Aber es ist doch wieder eine der besseren Folgen geworden. Fans werden auf jeden Fall auf ihre Kosten kommen, wenn sich die Figuren zwischen medizinischen und privaten Problemen aufreiben. Nächstes Mal geht es in Neben der Spur um einen Sturz mit komischen Folgen.
OT: „Dr. Nice: Schiffbrüchig“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Laura Thies
Drehbuch: Elke Rössler
Musik: Martina Eisenreich
Kamera: Thomas Vollmar
Besetzung: Patrick Kalupa, Josefine Preuß, Maximilian Grill, Brigitte Zeh, Maj Borchardt, Ben Ole Knobbe, Bruno F. Apitz, Hedi Kriegeskotte, Idil Üner, Teresa Rizos, Hannes Jaenicke, Bettina Ratschew, Jacob Matschenz, Franziska Junge, Daniel Sellier, Julian Jesse
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