Mit 2019 geht ein interessantes Jahr für den Film zu Ende. Während auf der einen Seite viele Blockbuster, vor allem aus dem Hause Disney, die Quasi-Monopolstellung dieses Konzerns bestätigen, gab es doch sehr viele kleine Produktionen, teils von Regisseuren, die wie beispielsweise Ari Aster oder Robert Eggers bereits vielversprechende Debütfilme (Hereditary, The VVitch) vorgelegt haben. Dies konnten sehr oft begeistern und definierten eine Art Gegengift zu der Kommerzwelt des Filmgeschäfts, welche wir jeden Tag, aber besonders am Wochenende in den Multiplexen bestaunen dürfen. So wundert es nicht, dass viele der erfolgreichsten oder zumindest meistdiskutierten Filme in diesem Jahr nicht zuletzt Kritik an diesem System aus Gier, Kommerz und Bereicherung üben. Einer davon ist die südkoreanische Genremischung Parasite über einen etwas anderen Klassenkampf, die weltweit auf Begeisterung stieß.

Das schließt auch die diversen Autoren und Autorinnen unserer Seite ein. Kein Film tauchte häufiger in unseren individuellen Jahresbestenlisten auf. Welche Titel uns sonst noch begeistert haben, was uns ärgerte und worauf wir uns für 2020 freuen, könnt ihr in unseren jeweiligen Rückblicken nachlesen.

Michael Gasch

Top Filme

1. Vice – Der zweite Mann

Adam McKay bewies ein weiteres Mal, dass Biopic-Dramen, wie auch The Big Short schon, ihm im Blut liegen. Erneut kam so unterm Strich ein hochspannendes und hochkarätig besetztes Werk raus, welches uns einmal wieder vor Augen führt, dass unsere Welt in Puncto Politik und Gesellschaft nicht erst seit Trump teilweise ganz schön verrückte Dimensionen annimmt.

2. Once Upon a Time in … Hollywood

Auch wenn Once Upon a Time in … Hollywood nicht der beste Tarantino ist, hat man dennoch seinen Spaß mit dem neuesten Werk des eingefleischten Hollywood-Regisseurs. Als eine Ode an das Kino, fühlt man sich bei den vielen Referenzen zwar teilweise ein wenig überfordert, in der Gesamtheit ist aber selbst ein durchschnittlicher Tarantino noch allemal besser als das meiste, was sonst so über die Kinoleinwände huscht.

3. Rocketman

Auch wenn Rocketman sich mehr auf die Leidensgeschichte von Elton John fokussiert, anders als bei den ebenfalls hervorragenden Bohemian Rhapsody aus dem letzten Jahr, ist mit Rocketman in der Gesamtheit ein sehr rührseliger und gleichzeitig mitreißender Film entstanden. Alles andere als klischeefrei, sorgt der tolle Cast und die peppige Musik für tolle Vibes. Genau dieser Spagat zwischen den Feelgood-Musicalszenen und den rührseligen Familiendrama-Momenten macht Rocketman so sehenswert.

4. Joker

Der Preis für den wohl relevantesten Film geht dieses Jahr bei vielen, mich eingeschlossen, wohl an Joker von Todd Phillips. Am Puls der Zeit – ich hörte als Kinomitarbeiter immer mal, dass Joker nicht allzu weit von unserer Gesellschaft entfernt ist – schuf Phillips einen Film, der beim Blick auf das Einspielergebnis in Höhe von mehr als 1 Milliarde US-Dollar nicht nur die Faszination für das anspruchsvolle Kino erneut aufleben ließ, sondern darüber hinaus den Diskurs über unsere echte Welt, in der die Kluft zwischen arm und reich ebenso gravierender wird, gehörig aufrüttelte.

5. Wir

Nach dem Erfolg von  Get Out waren die Erwartungen an Jordan Peele ziemlich hoch, einen wie er es selbst sagte „richtigen Horrorfilm“ zu machen. Da das Horrorgenre in den letzten Jahren nicht das Gelbe vom Ei war, hat es aber auch streng genommen nicht viel gebraucht um sich von der Masse der halbgaren Durchschnittsproduktionen abzuheben. Peele setzte aber noch einen drauf und muss einfach gelobt werden für seine Feinfühligkeit, inszenatorischen Talente und dafür, dass mal jemand nicht auf altbackene Klischees setzt, sondern sich bewusst für unkonventionelles und besonders anspruchsvolleres Horrorkino entscheidet.

6. Doctor Sleeps Erwachen

Die Fortsetzung von dem Horror-Klassiker Shining hätte es sich wohl kaum schwerer machen können, den Erwartungen gerecht zu werden. Dennoch ist das mal eine recht gelungene Fortsetzung. Eine eindeutige Erklärung, was das Shining sein soll, bekommt man zwar wieder nicht (besonders kläglich für Leute wie mich, die bisher nicht dazu gekommen sind die Romane zu lesen), allerdings tut das den Film keinen Abbruch. Im Gegenteil, dieses ganze Metaphysische fasziniert die ganzen zweieinhalb Stunden so sehr, dass man dann ab einem gewissen Punkt auch auf die Bücher Lust bekommt.

7. Ad Astra – Zu den Sternen

Ad Astra war wohl für mich persönlich der heißerwartetste Film in 2019. Besonders groß waren daher auch die Erwartungen, besonders wenn ich mich an das Munkeln über die Story und Worte wie „irgendetwas Richtung Gravity oder Interstellar“ zurückerinnere. Ad Astra ist jedoch Lichtjahre vom „Blockbusterkino“ entfernt. Erneut, wie  auch in den anderen Filmen in dieser Liste, geht es nämlich um anspruchsvolle Tiefgründigkeit. Das entschuldigt zwar ein paar Schwächen des Weltraumdramas nicht, dennoch ist Ad Astra einen Blick Wert, besonders wenn man von philosophischen Themen über beispielsweise die Rolle der Menschheit im kosmologischen Sinne nicht abgeneigt ist.

8. Parasite

Kein Film hat international gesehen wohl so viel Aufsehen in 2019 erregt als Parasite. Erstaunlicherweise ist die eigentliche Idee des Films relativ einfach, weshalb man sich dann nach der Hälfte fragt, was da jetzt schon noch groß kommen mag. Paradoxerweise schafft es Bong Joon-ho trotzdem, absolute jede Nuance aus der Story herauszukitzeln. Eingewebt in ein Gewand aus Symbolik und Metaphorik entstand so – und das sage ich vielleicht höchstens zu einer Handvoll Filme aus 1000 Produktionen – ein echtes Meisterwerk.

9. I Am Mother

Überraschendster Film in diesem Jahr war für mich I Am Mother, der nicht nur wunderschön ästhetisch aussieht, sondern darüber hinaus auch eine Story erzählt, die es in sich hat. Das Besondere dabei: Obwohl die Geschichte bis zu einem gewissen Punkt recht gradlinig verläuft und teilweise erahnbar ist, wirken selbst die Twists gegen Ende kaum künstlich aufgeblasen. Sputores ist Regiedebüt genau das, was er verspricht: minimalistisches und forderndes Science-Fiction Genre, welches einen weiteren Beitrag im anhaltenden Diskurs über Künstliche Intelligenz, Transhumanismus und die Beziehung Mensch und Maschine leistet.

10. Wakefield – Dein Leben ohne dich

Schlusslicht meiner Top 10 aus 2019 bildet Wakefield, der (hier muss ich mal schummeln) streng genommen zwar schon vor zwei Jahren in den USA erschien, bei uns jedoch erst im Oktober diesen Jahres auf DVD und Bluray veröffentlicht wurde. Mehr durch Zufall entdeckt, war ich dann aber doch umso verblüffter, ein solches Familiendrama auf allerhöchstem Niveau fast verpasst zu haben. Wakefield verkörpert nämlich genau das, was ich persönlich am Kino so schätze: Poesie und Imagination.

Top Serie

Da ich kaum Serien schaue, erübrigt sich bei mir eine Top 3. Die Top Serie 2019 für mich ist aber definitiv Chernobyl, die bildlich als auch inszenatorisch überragend gelungen ist und völlig zurecht 10 Emmys bekommen hat.

Top Schauspielerin

Scarlett Johansson

Scarlett Johansson, die 2019 in ganzen vier Produktionen mitspielte (Captain Marvel, Avengers: Endgame, Jojo Rabbit, Marriage Story), kann nur bewundert werden. Über die Qualität der Filme lässt sich zwar streiten, Johanssons schauspielerisches Talent dagegen überzeugt mittlerweile (wie auch schon in der vorherigen Jahren) in den meisten Filmen, in denen sie mitspielt.

Top Schauspieler

Brad Pitt

Brad Pitt hat in diesem Jahr in Ad Astra als auch auch in Once Upon a Time in … Hollywood einmal mehr seine Wandelfähigkeit als Schauspieler bewiesen. In meinen Augen sogar noch besser als DiCaprio, würde ich ihm einen Oscar als bester Schauspieler vom ganzen Herzen wünschen.

Top Newcomer

Clara Rugaard

Clara Rugaard war als Tochter in I Am Mother in meinen Augen richtig gut. Eine vergleichsweise ähnliche Leistung habe ich persönlich zuletzt bei Natalie Portman erlebt. Ob Rugaard das Talent für eine ebenso bombastische Karriere hat, dies ist zwar noch abzuwarten, Potential hat sie aber definitiv.

Meine Höhepunkte

1. Game of Thrones – Staffel 8

Auch wenn ich kein großer Serienmensch bin und mit Game of Thrones nie so ganz etwas anfangen konnte, war ich von der finalen Staffel des Fantasyepos sehr beeindruckt. Allein „Die lange Nacht“ war inszenatorisch so beeindruckend wie lange nichts. Dass es grad mal eine einzige Folge braucht, um einen Nicht-Fan mitzureißen, sagt demzufolge alles aus.

2. Parasite

Parasite hat es wie kein zweiter Film in meiner Top 10 geschafft, meine Hoffnung in das Kino wieder aufleben zu lassen. Dies gebührt Ehre. Dass der Film dann sogar neben den kleineren Spielhäusern  in großen Cineplex-Kinos zu finden war, lässt mein Herz sogar noch höher schlagen.

3. In den Straßen der Bronx

Als großer Fan von Goodfellas, war ich lange auf der Suche nach einem vergleichbaren Film. Als ich dann eines Tages zufällig auf In den Straßen der Bronx, dem Regiedebüt von Robert De Niro, gestoßen bin, kam meine Suche dann aber zu einem Ende. Wer Fan des 80er-Jahre Kinos ist und wie ich bei jeder weiteren Sichtung von Goodfellas immer noch immanente Begeisterung empfindet, der sollte sich den unbedingt notieren.

Meine größten Enttäuschungen

1. Avengers: Endgame & der generelle Superheldenfilm

Nachdem Avengers: Infinity War für Marvel-Verhältnisse neue Maßstäbe setze und einen Bösewicht mit einem wirklich gelungenen Profil einführte, waren die Erwartungen hinsichtlich des Finales dementsprechend hoch. Vielleicht liegt es am Alter, so oder so war ich aber von Endgame maßlos enttäuscht. Das mag nicht zuletzt daran liegen, dass die positiven Seiten von Infinity War maßlos ignoriert wurden. Stattdessen resultierte ein mit einfachsten Mitteln aufgebauschtes Ende.

2. Staffelfortsetzungen

Da ich kein großer Serienmensch bin, komme ich in 2019 gerade einmal auf vier neue Staffeln bekannter Serien. Darunter Game of Thrones – Staffel 8, Rick and Morty – Staffel 4, Billions – Staffel 4 und Suits –Staffel 7. Game of Thrones einmal ignoriert, ist davon aber keine gänzlich empfehlenswert, weshalb auch nur Chernobyl in meinem Seriensegment auftaucht. Anfänglich noch großartige Serien, mit gelungenen Spannungsbögen (Suits), interessanten Wendungen (Billions) und skurrilen Geschichten (Rick and Morty) zeichnet sich für mich jedoch eine zunehmende Langeweile beim Schauen der neuen Staffeln ab. Wenig kreativ bis gänzlich unmotiviert, erlebte ich so kaum nennenswerte Momente bei den Serien.

3. Sci-Fi Kino

Nicht gänzlich eine Enttäuschung, dafür aber ziemlich spaltend, war für mich in 2019 das Science-Fiction Genre. Auf der einen Seite gibt es da Filme wie I Am mother, Ad Astra oder Terminator: Dark Fate, die zwar sicherlich auch ihre Schwächen haben, in der Gesamtheit aber noch ganz passabel bis sehenswert sind. Auf der anderen Seite finden sich dann aber auch Werke wie High Life, A.I. Rising, Prospect, X-Men: Dark Phoenix, Die wandernde Erde und weitere, die mich allesamt kalt zurück gelassen haben. Vielleicht sind durch Filme wie Gravity oder Interstellar aber auch einfach die Erwartungen zu groß geworden. Da kann man nur hoffen, dass in 2020 Filme wie Villeneuves Dune oder Camerons Avatar 2 umso beeindruckender werden, um das Science-Fiction-Kino wenigstens ein Stück weit am Laufen zu halten.

Meist erwartete Filme/Serien 2020

1. Edge of Tomorrow 2

Bisher weiß man zwar nur, dass sich die Fortsetzung in Produktion befindet, wann man mit der rechnen kann, ist aber noch nicht bekannt. Da der erste Teil für mich aber zu der Krönung des modernen Actiongenres zählt, freut es mich umso mehr, dass ein zweiter Teil überhaupt kommen wird. Wenn es überhaupt noch 2020 wird, wäre die Vorfreude bei mir aber umso größer.

2. The Lodge

Qualitatives Horrorkino ohne Jumpscares und Klischees ist rar geworden. Die Hoffnung, The Lodge könnte sich von den Horrorfilmen der letzten Jahre, von dem der Großteil wenig bis kaum sehenswert war, abheben, ist zumindest bei mir ziemlich groß. Ganz nach dem Motto „die Hoffnung stirbt zuletzt“, hoffe ich so auf atmosphärisches Kino, was mich dem Horrorgenre wieder mal ein bisschen näher bringt.

3. Chaos Walking

Chaos Walking wird den meisten zwar noch nichts sagen, die Idee einer Welt, in der man die Gedanken jeder Person wahrnehmen kann, klingt aber höchst interessant. Da neben Tom Holland auch Mads Mikkelsen mitspielt, sind die Erwartungen für mich umso größer, da dieser mich zuletzt in Arctic einmal mehr zutiefst beeindruckt hat.

Madeleine Eger

Top Filme

1. Porträt einer jungen Frau in Flammen

Ein wunderschönes Kunstwerk, das sich direkt vor den Augen des Zuschauers entfaltet und erst in seiner Gesamtheit die umwerfende Schönheit offenbart. Céline Sciammas neuster Film ist wahrlich ein Meisterwerk.

2. Marriage Story

Wenn man nach dem Film gefragt wird ob alles ok ist, weiß man, dass einen der Film wohl doch mehr mitgenommen hat als erwartet. Zwei unglaubliche Leistungen von Driver und Johannson, die hoffentlich in der kommenden Award Season auch gewürdigt werden.

3. Systemsprenger

Noch nie war so schnell klar, dass es ein deutscher Film in meine Jahres Top Ten schaffen würde. Systemsprenger hat mich berührt, mich sprachlos gemacht und mich so sehr aufgewühlt, dass es eines der intensivsten Kinoerlebnisse überhaupt wurde.

4. La Flor

14,5 h Kino der Extraklasse. Was anfangs zusammenhanglos erscheint, erblüht über die gesamte Laufzeit zu einem ganz besonderen einzigartigen Film, bei dem ich im Traum nicht daran gedacht habe, dass sich fast 15 h so grandios im Kino verbringen lassen würden. Ich möchte diese seltene Blume des Arthouse Kinos nicht mehr missen.

5. Nevrland

Überraschenderweise mein meistgesehener Film in 2019. Ganze vier Mal hat mich dieses Debüt gepackt und in Bewunderung zurückgelassen. Für mich ein sehr persönlicher Film, der zudem stilistisch an einiger meiner Lieblingsregisseure erinnert. Einfach ein Volltreffer.

6. Parasite

An dem koreanischen Erfolgshit kommt wohl dieses Jahr niemand vorbei. Auch ich nicht. Überraschend, lustig, vielschichtig, dabei aber bitterböse und gesellschaftskritisch. Parasite ist und bleibt ein „Must-see“.

7. Burning

Auf der Suche nach dem „großen Hunger“ – Chang-dong Lee zauberte bereits Anfang des Jahres ein subtiles Drama, dass man mehr als einmal gesehen haben muss, weil nichts auf den ersten Blick das ist, was es zu sein scheint.

8. Light of My Life

Eine Vater-Tochter Endzeitgeschichte der ganz besonderen Art. Geduldig, empathisch und dabei wunderschön anzusehen.  Casey Afflecks zweite Regiearbeit ist und bleibt fantastisch.

9. High Life

Weltraumdystopien, in denen Menschen an ihre Existenzgrenzen geschickt werden, gehen irgendwie immer und verlieren auch nie den Reiz. Wenn sich dann Juliette Binoche und Robert Pattinson zwischen Ekstase, Hoffnungslosigkeit und Resignation bewegen, ist das Weltraumdrama ein großartiges Potpourri der Schauspielkunst.

10. Synonymes

Ein starker Film, der das Suchen und Finden von Nationalität und Identität auf seine ganz eigene Art und Weise erfasst. Sicherlich auch herausfordernd, für mich aber ein Film der lange nachhallte und mächtig Eindruck hinterließ.

Top Serie

1. Chernobyl

Die HBO Minieserie mit gerade mal 5 Folgen hat es tatsächlich in sich. Mir war nicht bewusst, wie viel damals tatsächlich auf dem Spiel stand und welches Ausmaß die Katastrophe wirklich hatte. Unglaublich informativ und ergreifend.

2. Euphoria

Schockierend, manchmal schwer zu ertragen und näher an der Realität, als man es sich wünschen würde. Euphoria ist dabei trotzdem unglaublich spannend, herausragend inszeniert und hat dabei noch unglaublich gute Darsteller. Allen voran Zendaya.

3. The Boys

Eine Superheldenserie, wie sie sein sollte. Nimmt kein Blatt vor den Mund, ist clever geschrieben, zynisch aber auch oftmals wirklich witzig. An den Effekten darf sich auch gern mal der ein oder andere Kinofilm ein Beispiel nehmen.

4. Stranger Things – Staffel 3

Sicherlich die schwächste Staffel des Publikumlieblings. Weniger Story als bisher, dafür gabs aber diesmal deutlich mehr Action. Trotzdem ganz klares Bindgewatching.

5. Sharp Objects

Nicht umsonst hat die Miniserie schon mehrere Preise abgeräumt. Amy Adams in absoluter Bestform neben Patricia Clarksen in einem dramatisch düsteren Horrortrip, auch durch die eigene Vergangenheit.

Top Schauspielerin

Florence Pugh

Ob Fighting with My Family oder Midsommar, zwei so unterschiedliche Rollen, die absolut überzeugen konnten und jetzt schon Lust auf Little Women aber auch (und vor allem) Black Widow machen.

Top Schauspieler

Robert Pattinson

Spätestens jetzt mit Der Leuchtturm sollte Pattinson sein Vampirimage losgeworden sein. Leider echt viel zu lange unterschätzt, hat er nämlich schon vor einigen Jahren mit den zu unrecht unbekannteren Filmen The Rover und auch Good Time zeigen können, wie viel Talent in ihm steckt.

Top Newcomer

Eliza Scanlen

Eher unbemerkt hatte ich die junge Australierin schon in der HBO Miniserie Sharp Objects gesehen. Mit Babyteeth überzeugte sich mich aber so sehr, dass ich es fast nicht mehr abwarten kann Little Women im Januar endlich zu sehen, denn auch sie gehört zu dem herausragenden Cast.

Meine Höhepunkte

1. Hollywoodgrößen in Berlin

Berry Jenkins, Tilda Swinton, Casey Affleck, David Lowery, Brad Pitt und Leonardo DiCaprio waren nur einige wenige der Stars, die ich in Berlin dieses Jahr treffen durfte. Allesamt überaus nett, aber besonders die bezaubernde Tilda Swinton wird mir wohl noch länger in Erinnerung bleiben.

2. Offiziell Filmkritiker

Die Möglichkeit zu bekommen, hier über Filme, Veranstaltungen und Premieren zu schreiben, war mit das Aufregendste und das Herausfordernste, was sich 2019 für mich verändert hat. Ich freue mich auf eine „cinetastische“ Zukunft!

3. Ian McKellen am Londoner Theater

Diese Schauspiellegende einmal live auf der Bühne – viele Anekdoten aus seinem Leben, mit umwerfenden Schauspieleinlagen, machten die fast zweieinhalb Stunden einfach unvergesslich.

Meine größten Enttäuschungen

1. Joker

Meine Güte, wie groß war der Hype, wie groß waren die Erwartungen, wie nervtötend die Diskussionen vorab um diesen Film und wie unglaublich ernüchternd war dann das Ergebnis. Außer einem erwartungsgemäß großartigen Joaquin Pheonix, nichts was es nicht schon mal besser gab.

2. Fantasy Filmfest dieses Jahr weniger fantastisch als zuvor

Irgendwie fehlte dieses Jahr dieses gewisse etwas. Sicherlich waren auch wieder viele gute Filme dabei, großartige Perlen wie Train to Busan oder Swiss Army Man fehlten mir diesmal allerdings.

3. Das perfekte Geheimnis und seine Besucherzahlen

Geschmäcker sind verschieden ja, aber gute (und vorallem clevere) Unterhaltung und damit letzten Endes ein guter Film, sehen tatsächlich anders aus. Für mich ist der Erfolg eine Farce gegenüber den vielen wunderbaren Filmen, die hierzulande kaum jemand beachtet hat an den Kinokassen.

Meine größten Überraschungen

1. Terminator: Dark Fate

Wohl eine der positivsten Überraschungen. Völlig nichtsahnend und ohne Terminatorvorkenntnisse, war mein Einstieg in das Franchise deutlich unterhaltsamer als erwartet.

2. Long Shot

Seth Rogen und RomComs. Was auf den ersten Blick aussah, als würde man sich abermals auf eine sehr seichte, klischeebehaftete Witzaneinandereihung einlassen müssen, entpuppte sich dann doch als gelungene Komödie, die sogar fast Game Night das Wasser reichen konnte.

3. Diamantino

Fluffige Hundewelpen in Übergröße, die durch rosa Nebel auf dem Fußballfeld hopsen, ein Fußballstar, der von der portugiesischen Regierung geklont werden soll, dazu auch noch von der Steuerfahndung ins Visier genommen wird, die sich auch noch kurzerhand mit einem vermeitlichen „Flüchtlingskind“ bei ihm einschleust. Klingt nicht nur absurd, ist es auch. Aber was für ein Spaß diese Gesellschaftskritik letztendlich war, ganz entzückend!

Meine Lieblingszitate 2019

„If you make a plan life never works out. With no plan nothing can go wrong.“ (Parasite)

„Don’t question the why, ask if someone‘s happy“ (The Garden Left Behind)

Meist erwartete Filme/Serien 2020

1. Green Knight

Für mich ist David Lowery einer der besten Regisseure heutiger Zeit. Nach A Ghost Story und Ein Gauner & Gentleman freue ich mich jetzt schon auf den neuen Film, denn erste Bilder vom Dreh versprechen jetzt schon wieder eine cineastische Augenweide. Und soviel scheint sicher: Kuchen wird es wohl auch wieder geben.

2. Dune

Nicht nur, dass sich Denis Villeneuve dem Stoff widmet, auch die Besetzung für den SciFi Epos sprengt schon jetzt sämtliche Vorstellungen. Und mit Timothée Chalamet in einer der Hauptrollen bleibt der Hype auch bei mir nicht aus.

3. Tenet

Der erste Teaser von Nolans geheimnisumwogenden neuen Film, von dem bisher tatsächlich nicht viel mehr als die Besetzung bekannt ist, sieht jetzt schon vielversprechend aus. Nachdem Dunkirk bei mir nicht unbedingt riesige Begeisterungsstürme auslöste, bin ich umso gespannter, welche Rafiinessen der Regisseur hier wieder auffährt, wenn er selbst das Werk als „genre bending“ bezeichnet.

Rouven Linnarz

Top Filme

1. Midsommar

Hereditary – Das Vermächtnis war für mich maßlos überschätzt. Dies trifft nun nicht mehr aus Midsommar zu, denn in diesem Film geht es um den Konflikt zwischen Individuum und Kollektiv, welche Konsequenzen diese Entscheidung für eine Seite nach sich zieht, aber auch um unseren Umgang miteinander, der gerade in sozialen Medien ein Interesse vorheuchelt, obwohl man sich nur für sich selbst interessiert. Midsommar ist ein fordernder, teils erschreckender Film, der seinen Zuschauer fordert und der durch eine tolle Ausstattung sowie seine genial spielende Besetzung überzeugt.

2. Parasite

Bong Joon-hos Parasite ist eine feine, bitterböse Kapitalismuskritik, welche die Goldene Palme genauso verdient wie alle anderen Ehrungen, die ihr widerfahren sind oder noch verliehen werden. Anders als der etwas rührselige Shoplifters – Familienbande erzählt auch Bong joon-ho von eben jenen Unsichtbaren in unserer Gesellschaft, gestaltet dies aber in Form einer Parabel, die sehr viel mehr thematische Wucht und Nachhaltigkeit besitzt. Wenn man diesen Film sieht, verlässt man den Kinosaal als jemand anderes.

3. Der Leuchtturm

Wie schon in seinem visuell grandiosen Erstling The Witch diskutiert Robert Eggers die Frage nach der eigenen Identität, nach dessen Brüchigkeit und inwiefern das Böse bereits in uns von Geburt an vorhanden ist. In Bildern, die gleichsam Chiffren sind, nimmt er den Menschen unter die Lupe, zerteilt und zerstäubt ihn bis am Ende nur noch das Chaos herrscht, das Ich nackt, verängstigt und dreckig vor einem steht. Gespickt mit zahlreichen Referenzen zu Seefahrerei und Mythologie sowie zwei der wohl besten darstellerischen Leistungen 2019 ist Der Leuchtturm ein beeindruckender Film.

4. Wir

Von der Anlage her ähnlich wie Parasite erzählt auch Jordan Peeles zweiter Film nach Get Out von den Unsichtbaren in der westlichen Gesellschaft. Die Rebellion gegen die liberale Gesellschaftsordnung, die demokratische Werte propagiert, sich aber doch in den Wochenendhäusern vor denen da draußen verbarrikadiert, verläuft in Wir aber gänzlich anders, denn wir müssen erkennen, dass „die da draußen“ wir sind. In Bezug auf die Innenpolitik Amerikas hat Jordan Peele einen der wohl brisantesten, weil schrecklich aktuellen Film geschaffen.

5. John Wick: Kapitel 3

Mit dem dritten Teil der John Wick-Reihe haben Keanu Reeves in der Hauptrolle und Chad Stahelski auf dem Regiestuhl eine Referenz für modernes Actionkino sowie für das Unterhaltungskino an sich geschaffen. Aberwitzig und mit kunstvoll choreografierten Sequenzen ist John Wick eben jene Ein-Mann-Armee, die er sein muss, um sich aus einem repressiven System zu befreien und es letztlich zu Fall zu bringen.

6. Burning

Wie sein Landsmann Bong Joon-ho behandelt auch Lee Chang-dong die Klassengesellschaft, legt aber mit Burning einen von der Anlage ruhigeren Film vor, der beinahe einem Kammerspiel ähnelt. Der Akt des Verbrennens nicht mehr genutzter Gewächshäuser ist nicht nur eine Grenzüberschreitung, sondern auch ein Akt der Systemzerstörung, eine Befreiung des Ichs, welches durch soziale Regelhierarchien an den status quo gebunden ist.

7. Killing

Wie schon in Shinya Tsukamotos früherem Werk Bullet Ballet oder in den grandiosen Tetsuo-Filmen steht der Körper im Fokus des Filmemachers, die Beziehung zwischen Mensch und Stahl sowie die Auseinandersetzung mit Gewalt. In gerade einmal 80 Minuten schafft Tsukamoto etwas, was vielen Filmemachern mit einem weitaus höheren Budget nicht einmal in drei Stunden gelingt, nämlich ein Bild einer Gesellschaft, die Gehorsam predigt und in der Gewalt, in welcher Form auch immer, essentieller Grundbaustein ist.

8. Once Upon a Time in … Hollywood

Innerhalb des Gesamtwerkes eines Quentin Tarantino ist Once Upon a Time In … Hollywood sicherlich nicht sein bester Film, aber einer, der beweist, dass bei allen Referenzen Tarantino einer der besten Geschichtenerzähler des Kinos ist. Zudem versetzt uns der Film in eine Zeit des Umschwungs zurück, in welcher der mächtige Riese Hollywood sich mit extravaganten Nabelschauen in den Stillstand produzierte. In einer grandiosen, furchtlosen Leistung, für die DiCaprio den Oscar verdient, wird er zu einem Spiegelbild eines durch Exzess und Egomanie geprägten Systems.

9. I Am Mother

Zu Unrecht an der Kinokasse untergegangen ist I Am Mother von Grant Sputore ein Film, welchen man in der Tradition mit Werken wie Duncan Jones‘ Moon oder Alex Garlands Ex Machina sehen muss. Sputores Film behandelt die Definition des Menschseins aber zugleich die „hidden agenda“ hinter der Programmierung von Mother, jenem Roboter, dem die Erziehung von der von Clara Rugaard gespielten Tochter obliegt. Dies ist ein spannender, minimalistisch inszenierter Science-Fiction-Film, der mehr Aufmerksamkeit verdient.

10. Rambo: Last Blood

Der vermutlich letzte Teil der Geschichte rund um den von Sylvester Stallone gespielten John Rambo ist ein mehr als würdiger Abschluss. Der Krieg und der Kampf sind längst nicht mehr nur auf das Schlachtfeld in einem fernen Land begrenzt, sondern sind Teil dieses Menschen geworden, dieses zerfurchten Gesichts, welches grimmig in die Kamera schaut. Noch einmal muss er sich erheben, eine Schlacht gegen ein Drogenkartell führen, was uns noch einmal vergegenwärtigt, dass man zwar vor dem Kampf fliehen kann, dieser einen aber immer wieder einholt.

Top Schauspielerin

Florence Pugh

Seit ihrem Auftritt in Carol Morleys The Falling (2014) und ihrer Rolle als Katherine Lester in Alice Birchs Lady Macbeth gehört Florence Pugh zu den talentiertesten Darstellerinnen ihrer Generation. In diesem Jahr spielt sie ihre mit Abstand emotional wie auch körperlich fordernde Rolle in Ari Asters Midsommar, eine Leistung, die, wenn die Academy etwas von Schauspiel verstünde, mit einer entsprechenden Goldstatue ausgezeichnet werden müsste. In ihrem Spiel zeigt sich das zentrale Thema eines Films, der seine Figuren zwischen die Wahl eines Kollektivs und einem selbstbestimmten stellt, eine Leistung, die mit viel Mut das Für und Wider dieser Entscheidung abwägt und gleichsam eine große Traurigkeit zeigt.

Top Schauspieler

Robert Pattinson

Bereits in seinen Kollaborationen mit Regisseur David Cronenberg (Cosmopolis, Maps to the Stars) zeigte Pattinson ein beachtliches Spektrum. Spätestens seit seiner darstellerischen Leistung in Good Time sowie denen in Der Leuchtturm und High Life verabschiedete er sich vollends von dem Ruf eines Teenie-Darstellers hin zu einem ernstzunehmenden Schauspieler, der es schafft zu gleichen Teilen die emotionalen Tiefen einer Figur auszuloten wie auch seine Kunst in den Dienst der Themen dieser Werke zu stellen.

Meine größten Enttäuschungen

1. Billiges Kino

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch jenes Jammern der Kinobranche über schwindende Zuschauerzahlen, für welche die großen Ketten irrtümlicherweise Dienste wie Netflix verantwortlich machen sowie illegale Downloads. Anstatt ansprechend zu reagieren, erfolgt bei Ketten wie Cinemaxx eine Billigoffensive, deren Erfolg bestenfalls fraglich bleibt, vor allem da sich in den Kinos der Kette ansonsten wenig ändert. Mangelnder Komfort oder Patzer bei der Filmvorführung gehören zur Tagesordnung, ganz zu schweigen von dem Konsumwahnsinn, den man an der Snack-Theke bestaunen kann. Hinzu kommen noch die nervigen Werbeblöcke, die über naheliegende Fitnessstudios, Autohäuser oder andere Institutionen unterrichtet, gern auch mehrmals. Ich bezahle gern auch den ursprünglichen Preis bei einem sauberen Kino, einem breiteren Angebot, welches nicht nur die Masse anspricht sowie einem Wegfall dieser nervigen Werbungen.

2. Das Monopol der Maus

Nach der Übernahme von 21st Century Fox kann man mittlerweile getrost von einem Fast-Monopol des Disney-Konzerns sprechen, der nicht nur die komplette Herrschaft über das Kino, sondern generell Hegemonie über die globale Kultur anstrebt, in der es nur noch Blockbuster gibt, die bis ins kleinste Detail geplant sind, wo es nur noch „Phasen“ (wie bei Marvel) gibt und keine Filme mehr und in der Originalität durch Parameter und Marketing zu Grabe getragen wird. So dürfen wir uns auch 2020 auf zahlreiche Superhelden in den immer gleichen Filmen freuen sowie auf die cineastische Schändung weiterer Disney-Klassiker im Kontext von Realverfilmungen.

3. Die Oscars

Womit wir dann auch schon bei jener Institution sind, die nunmehr alleine durch ihren Ruf noch Kunst repräsentiert, die sich sogar nicht entblödet hat, einen Marvel-Film wie Black Panther in ihr Programm aufzunehmen. Im Rahmen von so mittelmäßigen Produktionen wie Green Book, Bohemian Rhapsody und A Star Is Born verwundert dies aber nun wirklich keinen mehr. Als einziges Trostpflaster bleibt zu sagen, dass man sich an diese Titel in spätestens einem Jahr sowieso nicht mehr erinnern wird.

Top Heimkinoveröffentlichungen 2019

1. Wenn die Gondeln Trauer tragen

Stellvertretend für die wenigen, aber technisch wie auch optisch sehr gelungenen Restaurationen von Studiocanal soll hier die von Nicolas Roegs Meisterwerk Wenn die Gondeln Trauer tragen genannt sein, die in der Soundtrack Edition sogar mit der Filmmusik aufwartet. Eine Edition, die Sammlerherzen höher schlagen lässt.

2. Psycho Legacy Collection

Bereits zu Anfang des Jahres erwartete Sammler dieses Monstrum von einer Box, welche neben allen Teilen der Psycho-Reihe (samt Remake und TV-Film) zudem diverse Filmplakate, Booklets und ein paar andere Gimmicks enthielt. Star der Box ist aber die Disc zu Psycho, die neben den bekannten Extras den Film in der bislang längste Fassung zeigt, die es im Heimkino bisland weltweit zu haben gibt.

3. Burning

Auch hier ist das Mediabook zu Lee Chang-dongs Burning, welches zudem dessen Film Peppermint Candy enhält, nur eines von vielen beispielhaften Veröffentlichungen aus dem Hause Capelight, die fast jeden Monat ein neues Mediabook auf den Markt brachten. Um diese Veröffentlichungen beneiden uns Sammler aus aller Welt. Schön zu sehen, dass sich ein Verleih so viel Mühe macht und nach wie vor hohen Wert aus Qualität legt.

4. 1900

Mit ihrer Veröffentlichung zu Bertoluccis Epos 1900 beschließt Koch Media ein mehr als erfolgreiches Jahr, welches sich wieder einmal durch viele Nischenfilme aber auch Klassiker definierte. Die Qualität des Films und die Ausstattung stehen beispielhaft für die zahllosen Veröffentlichungen dieses Hauses, die zusammen mit den Kollegen von Capelight demonstrieren, dass es immer noch eine Zukunft für physische Medien gibt.

5. Diverse Veröffentlichungen aus dem Hause Rapid Eye Movies

Neben der Begleitung von Kinostarts von Sabus Jam oder Paul Schraders Mishima – Ein Leben in vier Kapiteln machte sich Rapid Eye Movies dieses Jahr durch die Veröffentlichung zahlreicher, sehr interessanter Filme einen Namen, angefangen bei Filmen wie Dangan Runner – Wie eine Kugel im Lauf oder Ray & Liz bis hin zu dem großartigen Hausu. Bitte weiter so.

Meist erwartete Filme/Serien 2020

1. James Bond: Keine Zeit zu sterben

Nachdem Regisseur Sam Mendes uns mit den letzten beiden James Bond-Filme zwei der besten Einträge in dieser Filmreihe inszenierte, wird es nun wieder Zeit für einen Wechsel, denn Daniel Craig wird in Keine Zeit zu sterben seinen letzten Auftritt als Agent hinlegen. Hoffentlich kann Fukanagas Regie die Geschichte, die mit Casino Royale begann, fortführen und einen tollen, unterhaltsamen, intelligenten Film liefern.

2. Tenet

Nach dem eher durchwachsenen Dunkirk scheint sich Regisseur Christopher Nolan wieder im Genre des Thrillers mit Science-Fiction-Elementen eingefunden zu haben. Viel ist noch nicht bekannt zu Tenet und der Trailer verrät eher wenig, aber vielleicht ist das auch gut so. Man darf auf einen spannenden, visuell packenden Film hoffen.

3. Candyman

Das Original von Bernard Rose aus dem Jahre 1992 gehört zu den Klassikern des Horrorgenres, erzählt er nicht nur eine Geschichte über einen blutigen Mythos, sondern auch eine über den Rassismus in den USA. Die Tatsache, dass Jordan Peele am Drehbuch mitschrieb, lässt auf eine gelungene Neuverfilmung hoffen mit vielen sozialkritischen Untertönen.

Michel Rieck

Top Filme

1. Der Leuchtturm

Schon das erste Bild zeigt, wo die Fahrt hingeht: Schwarz-Weiß, 1,19:1 im Bildformat (somit fast quadratisch), zwei Personen und eine einsame Insel. Mehr hat der Film nicht und mehr braucht er auch nicht. Robert Pattinson und Willem Dafoe haben die absolut besten schauspielerischen Leistungen des Jahres hervorgebracht und schon einzig aus diesem Grund diesen Film zum Erfolg geführt. Doch gleichzeitig schaffte Robert Eggers auch noch eine unheimlich intensive Atmosphäre zu schaffen. Doch am eindrucksvollsten hat sich in meinen Kopf das Sounddesign eingebrannt. Über zwei Stunden hinweg dröhnt durch den Kinosaal immer wieder ein Nebelhorn, welches den Zuschauer zusammenzucken lässt und sich unter die Haut frisst.

2. Ausgeflogen

Eigentlich hat das französische Werk gar nicht so viel zu erzählen, doch dafür gibt es Echtheit, Lebensnähe, Natürlichkeit! Regisseurin Lisa Azuelos erzählt sehr gerne Geschichten aus ihrem eigenen Leben, so auch hier. Anhaltspunkt war der Auszug ihrer jüngsten Tochter und die folgende Hilflosigkeit bezüglich der eigenen nun nicht mehr klaren Bedeutung und Sinnhaftigkeit der persönlichen Existenz. Herzergreifend und amüsant saugte mich die Hommage an alle Mütter auf und ich kann es gar nicht abwarten ihn endlich noch einmal gucken zu dürfen und freue mich schon jetzt auf den Moment, den Film meiner Mutter zeigen zu dürfen.

3. Systemsprenger

Und gleich noch ein Film der unter die Haut geht. Systemsprenger ist eine deutsche Produktion über zügellose Kinder, die durch das staatliche System nicht aufgefangen werden und gleichzeitig von Familie zu Familie gereicht werden. Der herausragende Cast mag nicht gerade namhaft sein, glänzt aber dennoch schauspielerisch wie kaum ein anderer in diesem Jahr. Hierbei muss eben auch die unglaubliche Helena Zengel Erwähnung finden, die mit ihren jungen Jahren eine solch schwierige Rolle in Perfektion meistert.

4. Parasite

Selten schafft es ein Film, eigentlich alle 10 Minuten in ein neues Filmgenre zu springen und dabei so lässig daher zu kommen. Eine simple und dennoch umfassende Geschichte liegt dem zu Grunde, die es immer wieder schafft den Zuschauer abwechselnd in Erstaunen, in einen Lachanfall oder in puren Ekel zu versetzen. Wesentlich für den Erfolg ist dabei das minimalistische und dennoch ausgeklügelte Setting, welches stets auf den Punkt genau funktioniert. Dazu kommt eine wirklich intelligente Erzählung.

5. Klaus

Die wohl schönste Weihnachtsgeschichte seit Jahren zeigt dieses spanisch-amerikanische Meisterwerk. Denn dieser Film räumt auf mit allen existierenden Klischees und Mutmaßungen über den Weihnachtsmann und seine Arbeit und schafft es, auch Erwachsenen den Glauben an eine Weihnachtsmanngestalt zurück zu bringen. Anfangs etwas dröge und abgedroschen, dauert es gerade einmal zwanzig Minuten, bis der Film sein Erzähllevel erreicht hat und von da an zeigt sich nur noch eine persönliche Achterbahn der Gefühle. Gute eine Stunde kann man vor Lachen und Begeisterung durchheulen, denn unterlegt mit einem genialen Score werden alle Emotionsregionen angesprochen.

6. Vice – Der zweite Mann

Mit unfassbaren Ideen erzählt dieses Werk die Lebensgeschichte des Vizepräsidenten Dick Cheney, der stets aus dem Hintergrund die Fäden gezogen hat und damit ein Land in den Wahnsinn führte. Mit spielerischen Elementen wird der Zuschauer mit offenem Mund im Kino zurückgelassen, immer mit den Worten auf den Lippen: Das hat der Regisseur jetzt nicht im Ernst gemacht, oder? Auch hier profitiert das Werk natürlich noch von einem hervorragenden Cast, darunter einem übergewichtigen Christiane Bale.

7. Beale Street

Der Film ist eine der besten Romanzen, die ich je gesehen habe, denn Beale Street erzählt die wahre Geschichte zweier Menschen, die kaum inniger verliebt sein könnten und durch das Gesetz getrennt werden. Das gesamte Ensemble, bis in die kleinste Nebenrolle tritt einfach genial in Erscheinung und schafft mit wenigen Mitteln, eine so tief unter die Haut gehende Geschichte zu verkörpern, dass man sofort sieht, dass es bei einem guten Film nicht auf die finanziellen Mittel dahinter ankommt, sondern auf Herz und Leidenschaft.

8. Free Solo

In dem Dokumentarfilm wird der Felsenbezwinger Alex Honnold vorgestellt und über einen Zeitraum von ca. drei Monaten mit der Kamera begleitet, während er eine der wohl schwersten Felswände erklimmen will. Mit einzigartigen Bildern und einer natürlich geschaffenen Dramatik, die kein Drehbuch der Welt je besser hätte einfangen können, hat der Film es geschafft, mich völlig vom Hocker zu hauen, obwohl mich dieses Thema kein bisschen interessiert.

9. Burning

Burning ist wohl der tiefgründigste Thriller seit langer Zeit, denn eigentlich geschieht gut zwei Stunden in diesem Film rein gar nichts. Schafft man es jedoch zwischen den Zeilen zu lesen, wird einem irgendwann klar, wie verdammt heftig diese Geschichte in Wahrheit ist, wie ein Schlag in die Magengrube. Plötzlich steht dieser ganze Film Kopf und man weiß nicht mehr, was man noch sagen sollte. Das hervorragende Jünglings-Trio vereint eine Romanze geschickt mit Wahnsinn und wiegt den Zuschauer lange Zeit fälschlicherweise in Sicherheit. Und dabei ist auch stilistisch auf jede kleine Sequenz wert gelegt worden.

10. The Report

Ein Film, nach dem man erst einmal durchprusten muss, denn hier wird eine unfassbare reale Geschichte über die Folterungen von Gefangenen in den USA in den Folgejahren nach dem 11. September 2001 erzählt. Doch noch erschreckender als die Taten selbst ist der darauffolgende Versuch, alles zu vertuschen und den zuständigen Ermittler zu terrorisieren. Adam Drivers Glanzrolle gehört mit einer Oscarnominierung ausgezeichnet, da er quasi im Alleingang diesen Film zum Erfolg führt.

Top Serien

1. Love, Death & Robots

Die wohl coolste Überraschung des Jahres und das mit einer maximalen Folgenlänge von gerade einmal 17 Minuten. In diesen kleinen kurzen Episoden-Filmchen werden Intentionen von verschiedenen Künstlern aus der ganzen Welt in animierter Form visualisiert und damit viele verschiedene gesellschaftskritische und soziologische Probleme angesprochen. In Sekundenschnelle wurden so komplexe Welten geschaffen, dass man nach jeder Folge denken könnte gerade einen ganzen Langspielfilm gesehen zu haben.

2. Unbelievable

Ein heftiges Thema mit einer noch heftigeren Konsequenz, denn wie schlimm ist es vergewaltigt worden zu sein und einem danach niemand glaubt, man sich selbst sogar in einem Prozess wiederfindet wegen angeblicher Falschaussage? In vielen Momenten fehlt einem einfach nur der Atem, während man die konsequente Terrorisierung und Zerstörung dieser jungen Frau mit anschauen muss.

3. You – Du wirst mich lieben

Die Idee, eine Serie zu produzieren, bei der das Publikum in gewisser Form mit einem Stalker und Mörder sympathisiert, ist schon etwas krank. Doch viel schlimmer ist es dann auch noch, den Protagonisten damit durchkommen zu lassen. Doch vor allem die erste Staffel überrascht mit immer drastischeren Methoden und schrecklichen Wendungen, während die zweite dann doch eher etwas kreativlos dahingeschustert scheint.

Top Schauspielerin/Newcomerin

Helena Zengel

Die 11-jährige deutsche Schauspielerin ist spätestens seit diesem Jahr ein großer Filmstar. Über die vergangenen Jahre hat sie zwar schon in kleineren Rollen immer wieder in Serien oder Filmen mitgewirkt, doch als Hauptdarstellerin in Systemsprenger hat sie ihr gesamtes Talent bewiesen. Es ist einfach hervorragend und erschreckend zugleich wie eiskalt sie diese doch sehr heftig angelegte Rolle runterspielt und in Perfektion ein aufmerksamkeitsgestörtes Mädchen präsentiert.

Top Schauspieler

Willem Dafoe

Hier fiel es schwer sich zu entscheiden, denn auch Christiane Bale und Adam Driver stehen in diesem Jahr wieder ganz oben auf meiner Liste der besten Darsteller, doch wie Willem Dafoe im Schlamm zu Füßen von Robert Pattinson kriecht und winselt geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Neben dieser grandiosen Darbietung in Der Leuchtturm hat Dafoe auch noch einen faszinierend verstörten Vincent van Gogh in Van Gogh – An der Schwelle zur Ewigkeit präsentiert und mit zwei so unterschiedlichen Auftritten meine Gunst gesichert.

Mein Höhepunkt

Streaminganbieter trumpfen mit hervorragenden Produktionen

Während in den vergangenen Jahren Netflix, Amazon Prime und co. sich vor allem im Serienbereich einen Namen machen konnten, versagten sie doch stets vollkommen, wenn es um filmische Eigenproduktionen ging. 2019 drehten sie dies jedoch geradezu auf den Kopf, denn mit Werken wie The Irishman, Klaus, The Report, Marriage Story und vielen weiteren schafften sie es nicht nur ins Oscarrennen, sondern auch die Menschen vor den Bildschirmen in Begeisterung zu versetzen. Selbst in meine Top 10 haben es zwei Streaming-Produktionen geschafft, wie ihr oben sehen könnt.

Meine größten Enttäuschungen

1. Schließung des CineStar Sony Center Berlin

Gut 20 Jahre hatte das CineStar Sony Center die Menschen mit seinem Programm begeistert. Nun jedoch musste es am 31.12.2019 schließen, weil der Mietvertrag vom Inhaber einfach nicht verlängert wurde. Das Haus hat als einziges Multiplex stets alle Filme in OV gezeigt und zudem eine hervorragende Lage für große Deutschland-, Europa- und Weltpremieren geliefert. Zudem gab es dort das erste Berliner IMAX mit Laserprojektion.

2. Herzlose moderne Kinos UCI Luxe

Im Gegenzug zur Schließung des CineStar Sony Centers steht die Eröffnung des UCI Luxe Mercedes Platz sowie die Sanierung auch anderer UCI-Häuser in ganz Deutschland. Grundsätzlich ist dies erstmal ein schöner Ansatz, denn viel zu viele Kinos verkommen aktuell nur noch, doch leider gehen die UCI-Häuser damit ein völlig falsches Konzept ein. Die Kinos wirken herzlos, modern und unattraktiv. Eine Bahnhofshalle könnte nicht charmanter sein. Auf Kosten jeglicher Attraktivität wird Bild und Sound in bester Qualität gezeigt, doch geht es nicht eigentlich noch immer nur um einen gemütlichen Filmabend in toller Atmosphäre?

Lieblingszitate 2019

„Wenn ich nochmal leben könnte, würde ich die gleichen Fehler wieder machen. Nur etwas früher, damit ich mehr Zeit habe.“ Cleo

„Es geht nicht darum, ob dass was auf der Leinwand geschieht echt ist. Es geht darum, was man fühlt, wenn man im Kino sitzt. Die Gefühle sind echt!“ Traumfabrik

Meist erwartete Filme/Serien 2020

1. Haus des Geldes – Staffel 4

Trotz der wirklich mangelnden Qualität der dritten Staffel ist die Vorfreude auf eine spannende Wendung in der Vierten doch noch immer vorhanden. Insbesondere nach Bekanntwerden der Meldungen, dass die Serie auch danach noch fortgesetzt werden soll. Vielleicht schaffen es die Produzenten ja doch noch die Kurve zu bekommen und altbewährtes Storytelling und verworrene, überraschende Geschehnisse miteinander zu verweben.

2. Der Prinz aus Zamunda 2

Nachdem Beverly Hills Cop Star Eddie Murphy im vergangenen Jahr mit Dolemite Is My Name ein hervorragendes Comeback angetreten und zu alter Stärke gefunden hat, stehen demnächst noch weitere Produktionen mit seiner Anteilnahme an. Anfangs noch sehr skeptisch deswegen, steigt nun doch die Vorfreude immer mehr und lässt auf tolle Filme hoffen, die Eddie Murphys Qualitäten wieder in Gänze ausspielen können. Ende des Jahres ist er dann endlich wieder auf der Leinwand zu sehen!

3. Soul

Pixar ist zurück mit seinem neuen Film Soul. Viele der letzten Animationsfilme aus dem Hause waren ein riesiger Erfolg, unter anderem Alles steht Kopf, diverse Kurzfilme wie Piper oder auch Coco – Lebendiger als das Leben. Schon der erste Trailer zum neuen Film Soul verspricht wieder viel Überraschung und eine begeisternde Stimmung in einem etwas anderen Musikfilm, in dem offenbar die Hauptfigur auf dem Weg seine Leidenschaft in ein erfolgreiches Hobby zu verwandeln plötzlich durch einen Unfall aus dem Leben gerissen wird.

Oliver Armknecht

Top Filme

1. Marriage Story

In seinem neuesten Film zeigt Noah Baumbach auf mal komische, dann wieder erschreckende Weise, wie ein Paar sich im Rahmen einer Scheidung trotz bester Absichten selbst zerfleischt. Das ist großes Schauspielkino, das nahe geht, und von einer schmerzhaften Menschlichkeit, die man im Anschluss kaum noch aus sich herausbekommt. Allein für die berühmt gewordene Szene der Eskalation, nach der nichts mehr ist, wie es mal war, hätte das Drama alle Preise der Welt verdient.

2. Ich habe meinen Körper verloren

Surreal, tieftraurig und doch poetisch: Die französische Romanadaption mag technisch nicht der beste Animationsfilm des Jahres gewesen sein. Aber es liegt ein eigenartiger Zauber auf ihr, neben dem die große Konkurrenz trotz bombastischer Spezialfeuerwerke und theatralischer Musicaleinlagen ganz klein und gewöhnlich wirken.

3. Bis dann, mein Sohn

Die Laufzeit von drei Stunden war abschreckend. Doch der Film ist jede Minute davon wert: Wir begleiten ein chinesisches Paar mehrere Jahrzehnte, während sie von Schicksalsschlägen gebeutelt und vom Rest der Welt vergessen werden. Das ist als persönliches Porträt sehenswert, aber gerade auch als Spiegel einer sich verändernden chinesischen Gesellschaft, in der nicht alle Gewinner sein können.

4. The Irishman

Und noch so ein Brocken. Ein dreieinhalb Stunden dauernder Film über einen Gangster, in dem fast nichts geschieht? Das war gewagt, gefiel auch nicht unbedingt jedem. Doch der Abgesang auf den klassischen Gangsterfilm ist gerade wegen seiner schnöden bis erbärmlichen Ereignislosigkeit so großartig – wenn man über die groteske Deaging-Technik hinwegsehen kann.

5. Parasite

Als langjähriger Fan von Joon-ho Bong war sein neuester Film für mich zwar nicht die Offenbarung, wie er es für andere war. Doch der brillant bebilderte Genremix ist als hinterlistige Attacke auf Erwartungen und satirischer Klassenkampf eine Bereicherung für das Kino, die hoffentlich auch nachhaltig zu einer größeren Offenheit des Publikums und westlicher Filmpreis-Akademien führt.

6. On a Magical Night

Die vermutlich skurrilste Liebeskomödie des Jahres: Ein Paar trennt sich im Streit und trifft während der Nacht auf jüngere Versionen von sich selbst sowie andere frühere Bekannte. Wenn die Geister der Vergangenheit um die Gunst der Gegenwart werben und der Wille eine komische Gestalt annimmt, dann werden humorvoll und doch auch nachdenklich die Grenzen von Zeit und Raum aufgehoben.

7. Der Leuchtturm

Wenn in ohrenbetäubendem Dröhnen Wind und Wahnsinn über eine kleine Insel hinwegfegen, man in fast quadratischen Bildern einer farblosen Hölle eingesperrt wird und zwei herausragende Schauspieler ihre Hemmungen verlieren, dann vermengt sich dies zu einem audiovisuellen Wunderwerk, das einen nach vielem Malen-nach-Zahlen-Horror-Stumpfsinn wieder das Fürchten lehrt.

8. Midsommar

Das zweite große Horrorhighlight des Jahres: Auch wenn das zweite Werk von Ari Aster aufgrund der geringeren emotionalen Komponente nicht dieselbe Wirkung wie Hereditary – Das Vermächtnis hinterlässt, der hypnotische Tagtraum zwischen überliefertem Kollektiv und blinder Selbstsucht ist nicht nur der hellen Farben wegen ein Lichtstrahl inmitten des dämmerigen Genredösens.

9. Klaus

Der Zeichentrick lebt! In einer Zeit, zu der Animation für die meisten mit CGI gleichgesetzt wird, zeigt die in jahrelanger Arbeit entstandene spanische Produktion, dass auch die herkömmliche Technik modernste Bilder hervorbringen kann – wenn man sie lässt. Zudem ist der Film über eine alternative Entstehung der Weihnachtsbräuche einer der schönsten Weihnachtsfilme seit Jahren.

10. The Art of Self-Defense

Zugegeben, als Karateka bin ich da etwas voreingenommen. Doch wenn eine Karateschule mit mysteriösen Nachtkursen über Leichen geht, dann ist das eine herrlich böse und überraschend brutale Demontage von überholten Männlichkeitsbildern, die einerseits sehr gewöhnungsbedürftig ist, dabei aber viel über die aktuelle Gesellschaft zu sagen hat.

Top Serien

1. Der dunkle Kristall: Ära des Widerstands

Obwohl ich gar nicht der riesengroße Fan von Der dunkle Kristall bin, war ich doch gespannt, wie Animatronik im Jahr 2019 aussehen könnte. Das Ergebnis ist eine fantastische, visuell einzigartige Mischung aus traditioneller Animationskunst und zeitgemäßer Technik voller Liebe zum Detail. Und auch inhaltlich hat die Serienfassung die Nase vorn, da sie deutlich mehr über Figuren und das Land erzählen kann.

2. Es war einmal ein zweites Mal

Komisch, mysteriös und zugleich richtig tragisch: Wenn ein Mann durch eine Kiste in die Vergangenheit zurückreist, um seine frühere Beziehung noch einmal erleben zu können, dann ist das eine nachdenklich stimmende und originelle Geschichte darüber, wie wie wir mit unserer Vergangenheit umgehen und damit kämpfen, diese hinter uns zu lassen.

3. Matrjoschka

Ah, und schon wieder eine Zeitschleifengeschichte. Ja, aber eine, die es in sich hat: Die Serie um eine Frau, die jeden Tag aufs Neue stirbt hebt sich durch ihren Einfallsreichtum und starke Figuren von der zahlreichen Konkurrenz ab, und ist dabei auf eine Weise menschlich, wie man es nur selten auf dem Bildschirm zu sehen bekommt.

4. Castle Rock

Auch wenn die Stephen King Anthologie nicht so sehr Crossover ist, wie vorher angekündigt wurde, und das Ende ein bisschen unbefriedigend ausfällt: Die mysteriöse Geschichte um einen namenlosen Mann, der in einem Käfig, versteckt in einem Gefängnis, gefunden wird, ist ausgesprochen atmosphärisch und fesselnd gespielt.

5. Good Omens

Das Ende der Welt ist nahe! Oder vielleicht doch nicht? Klar, der Wortwitz der Buchvorlage ließ sich nur zum Teil umsetzen. Wenn Dämonen und Engel aber gemeinsame Sache machen, weil sie nicht auf ihre bequeme Erde verzichten wollen, dann ist das aber auch in dieser Form noch unterhaltsam und zudem brillant besetzt.

Top Schauspielerin

Corinna Harfouch

Ich sehe die deutsche Schauspielerin ja immer wieder gerne, egal ob nun in dramatischen oder komischen Rollen. Aber so stark wie in Lara ist auch sie nicht alle Tage: Der Film um eine Frau, die versucht, sich ihrem entfremdeten Sohn wieder anzunähern, zeigte eine der komplexesten und tragischsten Frauenfiguren des letzten Jahres.

Top Schauspieler

Adam Driver

Auch wenn die Konkurrenz dieses Jahr stark war, am Ende hatte doch der Charakterdarsteller mit der Kombi aus Scheidungsalbtraum (Marriage Story) und Folterterror (The Report) die Nase vorne. Und wenn man es schafft aus einem Drehbuchmurks wie Star Wars: Episode IX – Der Aufstieg Skywalkers trotzdem noch sehenswerte Szenen herauszuholen, dann hat man sich Platz eins redlich verdient.

Top Newcomer

Elsie Fischer

Coming-of-Age-Filme gibt es nun wirklich wie Sand am Meer. Doch Eighth Grade stach aus der Menge mit jeder Menge Humor und Herz hervor, was nicht zuletzt Elsies Verdienst war. Denn die tritt mit so viel unbeholfener Authentizität auf, dass man sich wieder selbst zurückversetzt in die Schulzeit fühlte, in guten wie in schlechten Zeiten.

Meine Höhepunkte

1. Interviews

Riley Stearns und Jesse Eisenberg signieren meinen alten Karate-Gürtel. Eine Kaffeemaschine explodiert, während Marc Benjamin und ich uns über die Tücken der modernen Technik unterhalten. Mit Bong Joon Ho durfte ich den Regisseur der Stunde persönlich treffen, bevor er auf einmal weltweit einen ungeahnten Hype auslöste. Überhaupt habe ich 2019 so viele tolle und spannende Künstler*innen getroffen oder mit ihnen gesprochen, dass die eine oder andere Enttäuschung zu ignorieren war.

2. Filmfest München

Es war ausgesprochen spannend für mich, mal hinter die Kulissen eines größeren Filmfests schauen zu können, neue Kontakte zu knüpfen, sowohl zur Branche wie auch Filmemacher*innen, und dabei Filme zu sehen, die ich sonst vermutlich verpasst hätte.

3. Die Vielfalt an Animationstechniken

2019 war eines der ganz großen Jahre, wenn es darum ging, möglichst abwechslungsreiche Animationstitel zu sehen. Neben meinen Spitzenreitern Ich habe meinen Körper verloren, Klaus und Der dunkle Kristall gab es unter anderem den irren Anime Ride Your Wave von Masaaki Yuasa, das surreale Stummfilm-Abenteuer Away – Vom Finden des Glücks und das erschütternde Die Schwalben von Kabul. Altmeister Jean-François Laguionie meldet sich mit dem wunderbaren The Prince’s Voyage zurück. Children of the Sea ist ein berauschend-mythologischer Trip. Und auch Marona’s Fantastic Tale wurde seinem Titel gerecht. Dazu gab es mit Mister Link – Ein fellig verrücktes Abenteuer und Shaun das Schaf – Der Film: UFO-Alarm Stop-Motion vom Feinsten.

Meine größten Enttäuschungen

1. Star Wars

Was hatte ich mich im Vorfeld gefreut, als die alte Truppe wieder zusammen kam, um neue Abenteuer zu erleben. Und was passiert? Das Erwachen der Macht macht Die Rückkehr der Jedi-Ritter rückgängig, Die letzten Jedi scheißt auf Das Erwachen der Macht. Der Aufstieg Skywalkers ignoriert wiederum Die letzten Jedi. Das Ergebnis: Wir haben drei Filme gebraucht, um wieder genau an derselben Stelle rauszukommen, wo wir 1983 schon in Die Rückkehr der Jedi-Ritter waren. Wollt ihr mich verarschen?

2. Pressevorführungen

So schön es ist, Filme vorab auf der großen Leinwand sehen zu dürfen, so sehr nerven mich dabei diverse „Kolleg*innen“. Mal führen sie während des Films Selbstgespräche, beklagen sich beim Personal, wenn sie nicht ihr Lieblingsgetränk gratis bekommen, drängeln sich ungeniert vor oder setzen sich in einem leeren Kino hinter dich und meckern dann, dass sie nicht freie Sicht haben. Und dann prahlen sie auch noch mit ihrem Wissen, obwohl sie keine Ahnung haben. Da bin ich für jeden Stream dankbar …

3. Das Kinosterben geht weiter

In ganz Deutschland werden zwar fleißig Petitionen unterschrieben und böse mit dem Finger gewinkt. Hilft aber nichts, die ganzen kleinen Traditionskinos geben trotzdem nach und nach auf, weil ihnen die Besucher davonlaufen.

Meist erwartete Filme/Serien 2020

1. The French Dispatch

Einem neuen Film von Wes Anderson gehört quasi von vornherein ein Ehrenplatz in meiner eigenen Hitliste, zumal er wieder eine absurde hohe Zahl von Liebelingsschaupieler*innen um sich versammelt hat. Und wenn es dann auch noch um das Thema Journalismus geht, dann führt erst recht für mich kein Weg dran vorbei.

2. Dune

Ein neuer Science-Fiction-Film von Denis Villeneuve, mehr Gründe brauche ich nicht, um dem Film entgegenzufiebern. Wobei auch hier die Besetzung die Wartezeit nicht unbedingt kürzer werden lässt.

3. I’m Thinking of Ending Things

Vom Buch habe ich noch nie etwas gehört. Aber ein Film von Charlie Kaufman mit Horror-Einschlag, dazu mit Toni Collette und Jessie Buckley besetzt, klar bin ich da neugierig.



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