(„Star Wars: Episode VII – The Force Awakens“ directed by J.J. Abrams, 2015)

„Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht“ läuft ab 17. Dezember im Kino

Mehr als 30 Jahre nach dem Sturz des Imperators ist noch immer kein Friede in der Galaxie eingekehrt. Wo einst das Imperium für Angst und Schrecken sorgte, ist es nun die Terrororganisation „Erste Ordnung“, welche das Sagen hat. Doch es gibt Hoffnung: Eine geheime Karte im Inneren des Droiden BB-8 gibt Auskunft darüber, wohin der legendäre Held Luke Skywalker (Mark Hamill) verschwunden ist. Und diese Karte gilt es zu seiner Schwester General Leia Organa (Carrie Fisher) zu bringen, die an der Spitze des Widerstands steht. Einfach ist die Aufgabe nicht, denn der Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac), später auch die ehemalige Sturmtruppe Finn (John Boyega) und die Müllsammlerin Rey (Daisy Ridley) geraten dabei ins Visier von General Hux (Domhnall Gleeson) und dem finsteren, machtbegabten Kylo Ren (Adam Driver), der seine ganz eigenen Gründe hat, den Widerstand auslöschen zu wollen. Doch alleine sind die ungleichen Helden nicht, denn auf der Flucht begegnen sie zwei Abenteurern, die schon einmal den Kampf gegen das Imperium aufnahmen: Han Solo (Harrison Ford) und Chewbacca (Peter Mayhew).

Wo ist nur Luke Skywalker? Das ist eine Frage, die nicht nur den Ersten Orden und den Widerstand umtreibt, auch die Fangemeinde spricht seit Wochen schon von nichts anderem mehr. Während Han, Chewie und Leia immer wieder ihre heutige Gestalt zeigen durften, war von dem letzten aller Jedi-Ritter nichts zu sehen – kein Trailer, kein Poster. Eine Nachlässigkeit war das natürlich nicht, sondern Teil einer geradezu furchteinflößend perfekt geölten Marketingmaschinerie, die gerade auch durch ihre absurde Geheimniskrämerei den Hype um das lang erwartete Sequel in nicht gekannte Höhen steigen ließ. Es stand aber auch eine Menge auf dem Spiel: Nachdem George Lucas durch seine Prequels viele alte Fans vergrätzte, galt es die nun zurückzuholen. Und um das zu schaffen, wurde auf jedes unnötige Experiment verzichtet. „Bloß keine Kontroverse“ lautet die Devise des siebten Abenteuers aus der Star Wars-Reihe.

Ein Roboter mit wichtigen Informationen für den Widerstand, der auf einem Wüstenplaneten verlorengeht und von einem jungen Menschen gefunden wird, der in einfachen Verhältnissen aufwuchs, der jedoch zu höheren Mächten berufen ist. Damit fing vor 38 Jahren bei Eine neue Hoffnung alles an, der Urenkel wählt bis zum Komma genau das exakt gleiche Szenario. Was einen zunächst vielleicht noch etwas verwundert, wird später zur Gewissheit: Das Erwachen der Macht greift Elemente, Situationen und Figuren der beliebten Sternensaga in einer Form auf, die selbst für ein Hollywood-Sequel etwas dreist ist, an manchen Stellen fragt man sich, ob Episode VII Fortsetzung oder doch Remake ist.

Das ist natürlich schade, auch ein wenig enttäuschend für all die, die über 30 Jahre darauf gewartet haben, wie es denn nun mit der weit entfernten Galaxie weitergeht. So wie bislang auch: Die Namen wurden ausgetauscht, ansonsten hat sich kaum etwas geändert. Das Gefühl, auf der Stelle zu treten, wird aber auch dadurch bestärkt, dass sich Das Erwachen der Macht über die Ereignisse nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter nahezu völlig ausschweigt, nur beiläufig von den Zwischenjahren berichtet. Immerhin ist sich der Film seines überbordenden Fanservices bewusst, macht das teilweise mit einem Augenzwinkern – allgemein ist Episode VII ein überraschend humorvoller Film. Ein bisschen darf man sich dann aber schon fragen, wie die Rückkehr der Leinwandhelden wohl ausgesehen hätte, wären die Ideen von George Lucas aufgegriffen worden. Denn so fragwürdig seine Prequels auch gewesen sein mögen, funktionierten sie damals doch eigenständig und ohne die ständigen Verweise auf die Originaltrilogie. J.J. Abrams hingegen setzt voll und ganz auf den Nostalgiefaktor.

Wer selbst mit den alten Teilen aufgewachsen ist, wird deshalb hier mehr Spaß haben. Es fehlen zwar die epischen Weltraumschlachten, actionreich ist Das Erwachen der Macht aber schon, durchgängig kurzweilig, bietet eine Reihe interessanter Charaktere – alte wie neue – und verabschiedet sich auch von dem glattpolierten Look der Prequels. Hier dürfen Raumschiffe wieder nach tatsächlich benutzten Maschinen aussehen und nicht nur nach Computer, auch die Designs der Aliens sind wieder deutlich gelungener. Am Ende ist der Film so, als würde man alte Freunde treffen, die man schon lange nicht mehr gesehen hat. Es ist kein Wiedersehen, wie man es sich vielleicht immer vorgestellt hat. Dafür sind die kleinen Mäkel zu offensichtlich, die anderen nicht ganz so perfekt, wie man sie in Erinnerung hat. Und doch schießen einem immer wieder Tränen in die Augen und man wird sich erst bewusst, wie sehr man sie vermisst hat, wie sehr sie zu einem Teil von einem selbst geworden sind. Dass die Auftritte der alten Haudegen etwas klein sind, ist natürlich traurig, zumindest Harrison Ford darf in seiner Rolle als beliebtester Halunke der Galaxie vergessen lassen, dass tatsächlich drei Jahrzehnte seit seinem letzten Abenteuer vergangen sind. Immerhin müssen wir dieses Mal nicht ganz so lange warten, bis es weitergeht, Episode VIII ist bereits für Mai 2017 eingeplant. Und vielleicht wird es dann auch wieder etwas mutiger, wenn nicht mehr Abrams, sondern Rian Johnson (Looper) bei Regie und Drehbuch das Sagen hat.

Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht
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Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht
Es ist ein Wiedersehen mit Freude, aber auch ein klein wenig enttäuschend: „Das Erwachen der Macht“ orientiert sich so stark an der ersten Trilogie von „Star Wars“, dass der Film wie ein Remake wirkt. Durch den Verzicht auf jedes Risiko ist Episode VII inhaltlich nicht ganz so spannend, aber doch sehr unterhaltsam, bietet viel Action, interessante, liebgewonnene Charaktere und auch überraschend viel Humor.
8von 10

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