Hausu

„Hausu“ // Deutschland-Start: 16. August 2019 (DVD/Blu-ray)

Die Sommerferien stehen vor der Tür und die junge Oshare (Kimiko Ikegami) freut sich bereits seit Wochen auf einen Trip aufs Land, den ihr Vater (Saho Sasazawa) ihr versprochen hat. Zu Hause angekommen wartet aber eine große Überraschung auf die Schülerin, denn ihr Vater eröffnet ihr, dass er auf einer Geschäftsreise eine Frau (Haruko Wanibuchi) kennengelernt hat, die er kurzerhand beschlossen hat zu heiraten. Überrumpelt von den Neuigkeiten beschließt Oshare mit ihren Freundinnen zu ihrer Tante (Yoko Obachama) zu reisen, da sie über die Ereignisse nachdenken möchte. Dort angekommen werden sie und ihre sechs Freundinnen von der Tante in Empfang genommen, die im Rollstuhl sitzt und große Mühe hat den Haushalt zu führen. Die Mädchen helfen ihr das Haus aufzuräumen, kochen Essen und bringen generell wieder Leben in das etwas muffige Anwesen. Jedoch ereignen sich bald schon merkwürdige Dinge und die erste von Oshares Freundinnen verschwindet scheinbar spurlos. Bald müssen die Mädchen feststellen, dass mit dem Haus etwas nicht stimmt …

Machen Sie etwas, dass ich nicht verstehe
Bereits in den 1960ern zeigte sich ein tiefer Umbruch im japanischen Filmgeschäft, der schon bald das alte System obsolet machen würde. Während sich viele Studios wie Toho darauf verstanden, Kostümdramen zu machen und auf einem strikten hierarchischen System basierten, welchem alle an einem Film beteiligten Akteure unterlagen, kamen diese schon bald nicht mehr mit, wenn es darum ging mit ausländischen Blockbustern oder dem wachsenden Einfluss des Fernsehens gerecht zu werden. Vielleicht, so erklärt es sich zumindest Regisseur Nobuhikko Obayashi, waren diese Entwicklung und die daraus resultierende Verzweiflung der Studios Gründe, warum man seinem Debütfilm Hausu grünes Licht gab. Auch wenn die Produzenten bei Toho nicht wirklich verstanden, worum es in dem Film eigentlich ging, hofften sie etwas gefunden zu haben, was anders war und vor allem junge Menschen in die Kinos locken würde.

Dem Anspruch einen Film zu machen, den man nicht versteht, wird Hausu augenscheinlich mehr als gerecht. Hört sich die Inhaltsangabe auf der kürzlich erschienen Edition aus dem Hause Rapid Eye noch wie das Handlungskonstrukt eines leidlich gruseligen Teenie-Horrorfilms an, wird man schon nach wenigen Minuten in dem wilden Erzählkosmos Obayashis merken, dass dies nur ein Aspekt ist oder vielmehr nur die Oberfläche zu einem psychedelischen, teils absurden Genremix bietet. Chiho Katsuras Drehbuch versammelt Elemente aus dem Familiendrama sowie dem Coming-of-Age Dramen, verknüpft komödiantische Szenen mit Versatzstücken eines Musicals und begibt sich bisweilen sogar auf eine Meta-Ebene, die den filmisch-fiktiven Rahmen dieses Werkes sprengt. Nach Aussagen Obayashis war der Hauptanknüpfungspunkt für ihn ein Traum seiner Tochter, in dem sie von einer riesigen Katze verfolgt wurde, was die assoziative Anlage des Filmes erklärt, der mehr gemein hat mit den Werken eines Lewis Carrol (Alice im Wunderland).

Eine erwachsene Frau
Ein Zuschauer kommt dem wilden Bilderreigen, der sich in den knapp 90 Minuten über einen ergießt, fast nicht bei. Anstatt einen beliebigen Genrebeitrag zu schaffen, hat sich Obayashi, wie man anhand seiner vielen anderen Werke sehen kann, dem Experimentellen, dem avantgardistischen Film verschrieben, was man nicht zuletzt am wunderbar expressiven Sounddesign sowie der Anlage der Charaktere merkt. Hausu ist aber mitnichten ein hermetischer Film, bietet der audiovisuelle Trip dem Zuschauer nicht zuletzt den Übergang der jungen Protagonistin ins Erwachsenenleben, das Loslassen von der Vergangenheit hin zu einem selbstbestimmten Leben.

Hausu
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Hausu
"Hausu" ist ein wilder Film, eine Erfahrung für den Zuschauer, der unterhält, aber auch viele Interpretationsmöglichkeiten bietet. Dank der tollen Musik, des Sounddesigns sowie der teils absurden Dialoge bleibt Hausu stets abwechslungsreich sowie verspielt und damit ein Film, wie man ihn selten gesehen hat. Dies ist ein Trip, auf den man sich einlassen sollte.
10von 10

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