„Killing“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Kämpfe oder sterbe …

Mokunoshin Tsuzuki (Sosuke Ikematsue) ist ein waschechter Samurai; viel zu tun hat er allerdings nicht, denn im Großen und Ganzen ist die Zeit, in der er lebt (etwa die Mitte des 19. Jahrhunderts), eine relativ friedvolle – Samurai werden eigentlich nicht mehr benötigt. Als talentierter, aber herrenloser Samurai arbeitet Mokunoshin auf einem Bauernhof und trainiert nebenbei mit dem Bauernjunge Ichisuke (Ryusei Maeda). Doch eigentlich würde er gern nach Edo gehen, um sich zu beweisen. Als der ältere, ebenfalls herrenlose Samurai Jirozaemon Sawamura (Shinya Tsukamoto) auftaucht und Mokunoshin kämpfen sieht, lädt er ihn sein, sich ihm anzuschließen. Er will eine kleine Truppe zusammentrommeln, die mit ihm dem Shogun in Edo dient und ihn vor drohenden Gefahren bewahrt. Mokunoshin und Ichisuke sind sofort Feuer und Flamme, doch als eine Gruppe Outlaws auf den Bauernhof kommt, ändern sich die Pläne …

Ein junger, talentierter, wenn auch noch unerfahrener Samurai macht sich auf die weite Reise über Kyoto nach Edo, um sich zu beweisen und zu einem echten Samurai zu werden. Begleitet wird er von einem wahren Schwertmeister, der seine Feinde schnell wie der Blitz besiegen kann. Schüler und Mentor, die zusammen ein großes Abenteuer erleben …  Wer sich nun genau diese Story ausgemalt hat, wird leider enttäuscht, denn nach rund einem Viertel des Films wird klar, dass Mokunoshin und eigentlich alle auf dem Bauernhof ein ganz anderes Problem haben: Ichisuke legt sich mit den Outlaws an und plötzlich gibt es Mord und Totschlag und für den ehrenwerten Samurai bleibt nur ein Weg: Ehre. Rache.

Kurz und schmerzlos
Der Film könnte demnach den enttäuschen, der sich Action und Abenteuer und die glorreiche Zeit der Samurai erwartet. Action gibt es zwar in einer kurzen Szene auch, im Vordergrund steht aber viel mehr das Drama, die Figuren. Der Weg des Samurai wird hier kritisch, allerdings auch etwas oberflächlich verhandelt. Als Low-Budget Film mit einer Laufzeit von gerade mal 80 Minuten hat der Film nicht besonders viel an Abenteuer zu bieten. Positiv zu bemerken ist, dass durch die kurze Laufzeit absolut keine Längen entstehen – keine Szene scheint redundant, jeder der sporadischen Dialoge ist auf den Punkt gebracht. Obwohl die Kürze der Dialoge an sich etwas Gutes ist, bleibt dadurch das Innenleben und die Motive der Figuren zu großen Teilen unklar. Gerade bei einem solch komplexen Thema und so einem untraditionellen Zugang zum Samurai-Film wäre etwas mehr Tiefe der Geschichte wünschenswert gewesen.

Hoch interessant ist die Figur Mokunoshin. Der junge Samurai begegnet uns am Anfang äußerst selbstbewusst, cool und gelassen: Über den kleinen Bauernhof, auf dem er aushilft, ist er beinahe so etwas wie der Herr, da er in seiner Klasse über den Bauern steht. Im Sparring mit Ichisuke ist er ganz klar überlegen und besiegt ihn immer wieder leichtfüßig. Auch nimmt er Sawamuras Aufforderung an, mit ihm nach Edo zu gehen – doch als es dann ernst wird und die Reise beginnen soll, bricht er plötzlich mit Fieber zusammen. Und auch als es wenig später wirklich um Leben und Tod geht, weigert sich Mokunoshin so zu handeln, wie es die Ehre gebietet. Er setzt nur widerwillig einen Fuß vor den anderen und vor allem – er kann nicht töten. Ein Samurai, der niemanden töten kann oder will? Nutzlos. Sein Desinteresse an dem Ehrenkodex der Samurai? Inakzeptabel. Und vor allem selten in Samurai-Filmen gesehen.

Natürlich wurde die Zweifelhaftigkeit des Ehrenkodexes der Samurai mittlerweile öfter filmisch diskutiert, doch in Killing findet sich beinahe eine vollständige Dekonstruktion des Mythos „Samurai“. Statt Rache und Ehre bleiben ironischerweise Flucht und fast so etwas wie Menschlichkeit übrig. Regisseur und Drehbuchautor Shinya Tsukamoto liefert hier einen interessanten Zugang zur Samurai-Thematik, der allerdings noch etwas unausgegoren wirkt. Die Kameraführung ist gelungen; wackelige Handkamera-Szenen sind stets dramaturgisch sinnvoll begründet und wechseln sich mit ruhigen, langen Einstellungen ab. Auch wenn die Welt, in der die Figuren sich bewegen, nicht besonders groß ist, erhält der Zuschauer dadurch das Gefühl, mit am Ort des Geschehens zu sein.



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Killing
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Killing
Mokunoshin ist ein talentierter, aber herrenloser Samurai mit einem Problem: Er kann nicht töten. Was man daraus machen kann, zeigt „Killing“ von Shinya Tsukamoto leider nur in Ansätzen. Das Innenleben der Figuren bleibt zum großen Teil verborgen. Gleichzeitig passen die Ruhe und die sporadisch gestreuten Dialoge perfekt zur Atmosphäre des Films. Insgesamt wirkt die Geschichte noch etwas unausgegoren und dürfte die meisten Fans von Samurai-Filmen voll von Abenteuer und Action etwas enttäuschen.
6von 10

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