„Black Panther“, USA, 2018
Regie: Ryan Coogler; Drehbuch: Ryan Coogler, Joe Robert Cole; Musik: Ludwig Göransson
Darsteller: Chadwick Boseman, Michael B. Jordan, Lupita Nyong’o, Andy Serkis, Martin Freeman, Danai Gurira, Letitia Wright, Daniel Kaluuya

Black Panther

„Black Panther“ läuft ab 15. Februar 2018 im Kino

Nach dem Tod seines Vaters schickt sich T’Challa alias Black Panther (Chadwick Boseman) an, den Thron von Wakanda zu besteigen. Das kleine afrikanische Land ist international isoliert, insgeheim aber deutlich fortschrittlicher, als es den Anschein hat. Tatsächlich verfügt es über enorme Schätze und Technologien, von denen keiner wissen darf. Doch ausgerechnet der zwielichtige Waffenschieber Ulysses Klaue (Andy Serkis) weiß um den Reichtum und versucht, diesen für sich zu nutzen. Unterstützung erhält er dabei durch den mysteriösen Erik Killmonger (Michael B. Jordan), der ein ganz eigenes Interesse an Wakanda hat. Eine schwierige Aufgabe für den Monarchen. Doch zum Glück ist er dabei nicht allein: Seine Schwester Shuri (Letitia Wright), die Kämpferinnen Nakia (Lupita Nyong’o) und Okoye (Danai Gurira) sowie der CIA-Agent K. Ross (Martin Freeman) werden schnell in einen Kampf hineingezogen, der nicht nur über das Schicksal des afrikanischen Landes, sondern der ganzen Welt bestimmt.

Angesichts der vielen konkurrierenden Superheldenfilme der beiden Comic-Giganten Marvel und DC Comics ist es selbst als Fan schwer, den Überblick zu behalten. Und die Lust natürlich auch, zu ähnlich sind sich viele der Streifen. Und doch gelingt es immer mal wieder einzelnen Teilen dieser Endlosreihen, besonders auf sich aufmerksam zu machen. Beispielsweise indem sie etwas tun, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber noch immer nicht ist. Wonder Woman füllte allein schon deshalb die Titelzeilen dieser Welt, weil hier eine Frau die Hauptrolle hatte und der Film von einer Frau inszeniert wurde. Black Panther hat nun die Ehre und Bürde, von einem Schwarzen gedreht worden zu sein und fast ausschließlich ein schwarzes Ensemble auf der Lohnliste zu haben.

Im Zeichen der Zeit
In den USA ist das ein wichtiges Thema, weshalb schon jetzt reihenweise Rekorde gebrochen werden – noch bevor der Film angelaufen ist. Black Panther begnügt sich aber nicht allein damit, in Zeiten des Rassismus bewusst schwarz zu sein. Der Film rückt Rassismus und Unterdrückung auch noch in den Mittelpunkt seiner Geschichte, wenn er bald gar nicht mehr viel von Reichtümern und Technologien spricht, sondern von Unterdrückung und Aufstand, von Verantwortung und Gleichheit. Dies im Rahmen eines Blockbusters zu machen, ist ungewöhnlich, so wie sich Black Panther auch in anderer Hinsicht von den Marvel-Kollegen distanziert. Andeutungen auf die übrigen Filme gibt es fast gar nicht, auch auf Schützenhilfe prominenter Mitkämpfer wird verzichtet – schließlich wurde die Figur letztes Jahr bereits in The First Avenger: Civil War eingeführt. Und auch der Humor hält sich dieses Mal stark zurück. Die meisten Lacher gehen noch auf Shuri und Ross zurück, die oftmals reinen Comic-Relief-Charakter haben.

Bemerkenswert ist auch, dass der Film sehr viel physischer ist als viele andere Comic-Adaptionen. Ganz ohne CGI-Spektakel geht es zwar auch hier nicht, mit einem nicht immer idealen Ausgang. Viele der Kämpfe sind aber doch einer spürbar körperlichen Natur. Diese gehören dann auch zu den Höhepunkten von Black Panther: Mal barbarisch, dann technologisch gibt es hier eine ganze Menge zu sehen. Ungewöhnliche Waffen zum Beispiel. Und Frauen, viele Frauen. Wenn die Sondereinheit der rein weiblichen Truppe Dora Milaje ausrückt, dann haben sich alle Diskussionen zur fehlenden Repräsentation des „schwachen“ Geschlechts erledigt. Denn mit denen sollte sich besser niemand anlegen.

Tiefer Griff in die Klischeekiste
Es gibt also viele Gründe, Black Panther zu mögen oder ihn wichtig zu finden. Und dann wäre da ja auch noch die exzellente Darstellerriege. Die Figur des Erik Killmonger wird auch dank Jordan zu einem der stärksten Antagonisten aus dem Marvel-Stall. Doch auch seine unglaubliche Präsenz kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass einiges hier sehr grob modelliert ist. Und auch irgendwie langweilig. Nach einigen Überraschungen und Wendungen in der ersten Hälfte, die James Bond nähersteht als Marvel, hält sich die zweite an jedes erdenkliche Klischee, das es in dem Bereich geben kann. Und das ist schon sehr enttäuschend, gerade auch für einen Film, der eigentlich doch den hohen Eigenanspruch vertritt, Neuland zu betreten. Enttäuschend vor allem aber auch, weil Ryan Coogler Regie führte und das Drehbuch mitschrieb. Und von dem war man in Nächster Halt: Fruitvale Station und Creed – Rocky’s Legacy doch einiges mehr gewohnt. Seine dritte Zusammenarbeit mit Jordan ist die schwächste und trotz ihres Symbolgehalts die banalste.

Wenn Black Panther scheitert, dann nicht weil es ein schlechter Film wäre. Er ist unterhaltsam, engagiert, zeitweise auch spannend. Er scheitert daran, dass er mehr sein wollte und zu mehr gemacht werden sollte, als er es am Ende ist. Ein typischer Fall von nicht erfüllten Erwartungen also. Aber auch der enorme Pathosanteil, der sich hier mit der Zeit aufbauscht, trägt dazu bei, dass die ganz große Begeisterung nicht halten will. Coogler und seine Gang ergeben sich dermaßen der Heldenverehrung, dass das Werk wie eben Wonder Woman zu amerikanisch ist, um durchgängig zu überzeugen. Ein guter Film, der aber in erster Linie durch seine Begleitumstände in Erinnerung bleiben wird als durch eine eigene, aufregende Vision. Der viel Potenzial, beispielsweise bei den verschiedenen Stämmen, ignoriert. Der in einer interessanten exotischen Kulisse spielt und mit vielen Kontrasten arbeitet, dabei aber selbst seltsam blass bleibt.

Black Panther (2018)
4 (80%) 3 Artikel bewerten

Black Panther (2018)
Business as usual im Marvel Cinematic Universe? Nicht so ganz. Es gibt weniger Humor, dafür mehr physische Kämpfe. Zudem begeistern das exzellente Ensemble und die exotische Kulisse. Inhaltlich ist „Black Panther“ jedoch weniger überzeugend, verfällt nach dem wendungsreichen Auftakt in die Klischee-Schockstarre und hat trotz wichtiger Message irgendwie nichts zu erzählen.
7von 10

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.