Das perfekte Geheimnis

„Das perfekte Geheimnis“ // Deutschland-Start: 31. Oktober 2019 (Kino)

Wenn sie zusammenkommen, wird es immer ein lustiger, schöner Abend. Warum auch nicht? Schließlich sind die Jungs schon seit der Schulzeit miteinander befreundet, daran haben die vielen Jahre seither nichts geändert. Und doch, etwas ist anders bei diesem geplanten gemeinschaftlichen Abendessen. Pepe (Florian David Fitz) soll seine neue Freundin mitbringen. Entsprechend gespannt sind die drei anderen Paare: Carlotta (Karoline Herfurth) und Leo (Elyas M’Barek), Simon (Frederick Lau) und Bianca (Jella Haase), Eva (Jessica Schwarz) und Rocco (Wotan Wilke Möhring). Umso größer die Enttäuschung, als Pepe doch alleine auftaucht. Dafür haben die sieben bald anderweitig mehr als genug Gesprächsthemen, als sie sich entschließen, einen Abend lang jedes Telefonat, jede SMS und jede E-Mail auf ihren Handys öffentlich zu machen. Denn da sind einige Sachen dabei, die niemand hätte wissen dürfen …

Das ist dann wohl auch eine Form der Völkerverständigung. Dass erfolgreiche Filme Remakes in anderen Ländern erhalten, das kommt natürlich immer mal wieder vor. Da muss man nicht einmal mit dem Finger auf das notorisch diebische Hollywood zeigen, in anderen Teilen der Welt geht es nicht anders zu. Und doch, so etwas wie Perfetti sconosciuti ist dann doch einmalig. Seit dem Debüt Anfang 2016 wurde die italienische Komödie um eine Gruppe von Freunden, die an einem etwas eigenen Handy-Spiel teilnimmt, 18 Mal neu verfilmt, was ihr einen Platz im Guinness Buch der Rekorde beschafft hat. In Deutschland hat man von dieser Flut relativ wenig mitbekommen, lediglich der Netflix-Film Le Jeu – Nichts zu verbergen hat es bis zu uns geschafft.

Alles fast wie immer
Aber dafür dürfen wir jetzt eine eigene Version der Ereignisse bekommen. Wobei eigen vielleicht nicht das Wort ist, das man hier anwenden sollte. Im Vorfeld wurde zwar angekündigt, Das perfekte Geheimnis sei lediglich von dem Szenario der Italiener inspiriert. Tatsächlich handelt es sich aber über weite Strecken um eine direkte Kopie, die es vermeidet, irgendetwas an dem Stoff ändern zu wollen. Das ist natürlich legitim, zumal die Idee von Paolo Genovese so gut und international verständlich war, dass sie nicht ohne Grund so oft aufgegriffen wurde. Wer aber eine der anderen Fassungen bereits kennt, der kann sich diese hier mehr oder weniger sparen. Schließlich lebt die Geschichte von den Enthüllungen und unerwarteten Abgründen.

Wobei Regisseur und Drehbuchautor Bora Dagtekin, vor allem bekannt dank Türkisch für Anfänger und Fack ju Göhte, schon ein bisschen was selbst hinzufügen wollte. Leider ging jedoch genau das ziemlich in die Hose. Nicht nur dass Das perfekte Geheimnis 20-30 Minuten länger ist als andere Versionen und sich auch wirklich länger anfühlt. Was hinzukam, passt auch nicht so wirklich. Wo das Prinzip der Filme auf Ambivalenz setzt, man am Ende nicht mehr wusste, wer die Leute wirklich sind und warum man nicht mit ihnen befreundet sein wollte, da wurde hier auf Biegen und Brechen ein Happy End eingebaut, ohne sich darum zu scheren, ob sich das nun harmonisch einfügt.

Lasst uns lieber nichts riskieren!
Verständlich ist auch das, schließlich wurden hier die bekanntesten Schauspielgesichter Deutschlands zusammengeholt. Ein Film, in dem am Ende Karoline Herfurth, Elyas M’Barek, Florian David Fitz oder Jella Haase als unsympathisch dastehen? Das ist wohl kaum zu vermitteln, dachte man sich, und tat deshalb so, als wäre alles gut. Plausibel, klar, denn wie kaum ein Film der letzten Zeit ist Das perfekte Geheimnis auf maximalen Gewinn ausgerichtet. Eine Geschichte, die sich mehrfach bewährt hat, dazu die bekannten Gesichter, da wurde nichts dem Zufall überlassen. Das wiederum ist dann aber doch recht langweilig. Und eben auch einfallslos: Dagtekin, dem schon bei Fack ju Göhte 2 und Fack Ju Göhte 3 Ideen und Mut ausgingen, setzt den Trend hier leider fort. Die Besetzung ist zudem so streng nach bisherigen Rollenmustern erfolgt, dass man selbst als Nicht-Kenner der anderen Varianten denkt: Hab ich das nicht alles schon mal gesehen?

Das bedeutet natürlich nicht, dass man hieran keinen Spaß haben könnte. Die Absurdität der vielen Geheimnisse, die hier alle mit sich tragen, ist immer wieder erheiternd. Außerdem bereitet es einem doch auch Vergnügen, wenn Situationen eskalieren und sich Leute verbal an die Gurgel gehen. Nur hat Der Vorname – ein weiteres deutsches Remake eines europäischen Hits – das letztes Jahr besser und mit mehr Biss gemacht. Und während man dort auch noch ein bisschen Stoff zum Nachdenken mit auf den Weg bekam, ist die Nachdenklichkeit hier ebenso konstruiert wie die Abgründe. Kommerziell wird Das perfekte Geheimnis zweifelsfrei einer der großen Abräumer diesen Herbst werden. Eine gute Nachricht für das deutsche Kino ist das aber nicht.

Das perfekte Geheimnis
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Das perfekte Geheimnis
Man nehme einen Stoff, der schon viele Male verfilmt wurde, und besetze die Rollen mit den üblichen Verdächtigen. Was kann da schon schief gehen? Alles und nichts. „Das perfekte Geheimnis“ über einen eskalierenden Abend unter Freunden macht zwar schon noch irgendwie Spaß, ist aber eine weitestgehend mut- und ideenlose Adaption des italienischen Hits, deren neu hinzugefügten Elemente eher schaden als nützen.
5von 10

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