(OT: „Good Time“, Regie: Ben Safdie/Joshua Safdie, USA/Luxemburg, 2017)

Good Time

„Good Time“ läuft ab 2. November 2017 im Kino

Sie hatten es sich so einfach vorgestellt: Der Kleinganove Connie Nikas (Robert Pattinson) und sein jüngerer, geistig behinderter Bruder Nick (Ben Safdie) spazieren in eine Bank, schieben einen Zettel rüber und machen sich im Anschluss mit 65.000 Dollar aus dem Staub. Anfangs sieht es auch tatsächlich so aus, als könnte dieser Plan aufgehen. Doch dann geht schief, was schiefgehen kann. Nick wird von der Polizei geschnappt und Connie muss zusehen, wie er seinen kleinen Bruder da wieder rausholt. Nachdem der erste Versuch, von seiner Freundin Corey (Jennifer Jason Leigh) das Geld für die Kaution zu holen, scheitert, greift der gesuchte Verbrecher zu immer verzweifelteren Methoden und zieht immer mehr Menschen in die Geschichte hinein.

Es ist eigentlich gar nicht so lange her, dass die Twilight-Reihe die Kinocharts aufmischte und für so manchen Filmfan zu dem Symbol für alles wurde, was in Hollywood falsch läuft. Zu schmalzig, zu emo, rundum lächerlich, so die weit verbreitete Ansicht der Nicht-Zielgruppe. Vor allem Horrorfans waren empört, was hier aus ehrwürdigen Monster wie dem Vampir oder dem Werwolf gemacht wurde. Umso spannender ist es, wie sehr sich die beiden Hauptdarsteller seither von ihren Teenierollen losgelöst haben und zu zwei der aufregendsten Schauspieler der letzten Zeit wurden. Kristen Stewart zeigte unter anderem in Personal Shopper und Certain Women ihre Klasse und auch den Mut zu Nicht-Mainstreamfilmen. Und auch Robert Pattinson ist vorrangig in kleineren Filmen zu sehen, schreckte beispielsweise in The Rover nicht davor zurück, sein Hochglanzimage ziemlich in den Dreck zu ziehen.

Hoher Einsatz, wenig Sympathie
Er ist dann auch das unbestrittene Aushängeschild in Good Time. Kaum eine Rezension, die nicht verwundert feststellt, dass in dem einst so geschmähten Darsteller sehr viel mehr steckt. Und es ist auch beeindruckend, wie sehr er in der nicht ganz so schmeichelhaften Rolle des schmuddeligen Kleinganoven aufgeht. Dessen Einsatz für den kleinen Bruder ist beachtlich, er scheut wirklich vor nichts zurück, um die Geschichte wieder geradezubiegen. Ein Sympathieträger ist er dennoch nicht. Er stiehlt, betrügt, lügt, benutzt Gewalt, was auch immer ihm gerade opportun erscheint. Der Film beginnt auch damit, dass Connie Nick aus einer Therapiesitzung reißt, den Therapeuten beschimpft und stattdessen lieber einen Bankraub angeht. Das kann ja heiter werden!

Doch so beeindruckend Pattinsons Wandelbarkeit auch ist, es wäre unfair, Good Time allein auf das Aushängeschild zu reduzieren. Das Brüderpaar Ben und Joshua Safdie hatte schon vorher mit rau-naturalistischen Filmen auf sich aufmerksam gemacht. Dieses Erbe ist auch beim dritten Werk noch zu spüren, viele Szenen sehen eher nach Sozialdrama aus denn nach Thriller. Fast jeder, der hier auftaucht, hat mit irgendwelchen Problemen zu kämpfen. Die sind oft finanzieller Natur, der Schritt zur Gosse ist da nicht weit. Aber auch familiäre Schwierigkeiten werden sich durch den Film ziehen, bei den Brüdern Nikas, bei Corey, bei weiteren Charakteren.

Rastloses Vergnügen
Und von denen gibt es in Good Time eine ganze Menge. Connies Odyssee durch die Nacht bringt immer mehr Leute hervor, ist wie ein großer Strudel, aus dem es kein Entkommen gibt. Manche der Figuren sind nur kurz dabei, andere tauchen immer mal wieder auf. Ein bisschen schwindlig kann einem schon dabei werden, in welcher Geschwindigkeit sich das hier abspielt. Das hohe Tempo des Films, der dem Publikum kaum mal Zeit zum Durchschnaufen gönnt, wird dabei von der treibenden Synthiemusik unterstützt, die – wie so manches hier – wie aus einer anderen Zeit zu stammen scheint. Dass die Geschichte eher schlicht ist und so manche Wendung sich sehr früh ankündigt, ist da eher zweitrangig. Good Time wird zwar für alle Beteiligten in dem Film ein Desaster sein, als unbeteiligter Zuschauer hat man hier aber tatsächlich eine gute Zeit.

Good Time
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Good Time
Zwei Brüder, ein Bankraub, ein Rattenschwanz an Katastrophen. Wenn in „Good Time“ ein Kleinganove eine nächtliche Odyssee antritt, ist das inhaltlich eher überschaubar. Die sozial-naturalistischen Szenen, das hohe Tempo und der Synthiescore machen den Thriller dann aber doch zu etwas Besonderem – und natürlich Robert Pattinson, der hier als schmuddeliger Verbrecher erneut seine Wandelbarkeit unter Beweis stellt.
7von 10

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