Kritik

Dangan Runner

„Dangan Runner“ // Deutschland-Start: 20. Dezember 2019 (Blu-ray)

Das Leben meint es nicht gut mit Yasuda (Tomoro Taguchi) oder zumindest ist dies seine Meinung. Während er Mühe hat, auch nur einen Job als Küchenhilfe zu halten, machen sich seine Vorgesetzten sowie seine Freundin über ihn lustig, Letztere geht sogar vor seinen Augen fremd, ohne dass Yasuda etwas dagegen unternehmen kann. Doch hat er sich unlängst über seine Kontakte zu der Yakuza, der japanischen Mafia, eine Pistole gekauft und will damit eine Bank überfallen. Am Tag, als der Überfall stattfinden soll, geht jedoch alles schief und versehentlich schießt er Aizawa (Diamond Yukai) an, eine Aushilfe in einem Supermarkt. Dieser ist gerade durch seine letzte Heroindosis noch so aufgeputscht, dass er flugs die Verfolgung aufnimmt und Yasuda durch die Straßen Tokios jagt. So vertieft in ihr Katz-und-Maus-Spiel rennen die beiden noch den Yakuza Takeda (Shinichi Tsutsumi) über den Haufen, einer der Gangster, die Yasuda die Waffe besorgten und denen Aizawa noch Geld schuldet. Nun nimmt also auch Takeda die Verfolgung auf, die sie alle drei nicht nur durch die japanische Hauptstadt führt, sondern auch geradewegs in einen bleihaltigen Konflikt zwischen zwei Yakuza-Banden und der Polizei.

Die Freiheit des Laufens
Dangan Runner oder Wie eine Kugel im Lauf, so der ursprüngliche deutsche Titel, ist der Debütfilm Hiroyuki Tanakas bzw. Sabus, das Pseudonym, unter dem er wohl den meisten Filmkennern ein Begriff ist. Auch wenn dieses Debüt bereits über 20 Jahre für den Regisseur und Schauspieler zurückliegt, ist Dangan Runner, wie er in Interviews sagt, noch immer so etwas wie eine Basis für sein Schreiben, eine thematische und visuelle Orientierung. Themen wie Zufall und Karma aber auch die Musik begleiten das Schaffen Sabus seit dieser in den 90ern mit der eigenen Band nach Tokio kam, wo diese sich alsbald auflöste, was ihn wiederum dazu bewegte, sein Glück als Schauspieler zu versuchen. Dangan Runner entstand nicht aufgrund der Suche Sabus nach einem interessanten Skript, sondern auch, weil er, wie die drei Protagonisten seines Filmes, in einem Fluss des Schaffens gefangen war, der ihn die Geschichte fast in Einem herunterschreiben ließ.

Bereits in diesem ersten Werk Sabus führt er seinen Zuschauer in das für ihn fundamentale Thema des Laufens ein. Dies mag sich zunächst banal anhören, ist aber zum Verständnis der Filme, ihrer existenziellen Themen sowie ihrer Komik unerlässlich. Zum einen ist der Akt des Laufens die Erfahrung des eigenen Körpers, dessen Grenzen sowie dessen Leistungsfähigkeit, doch gleichsam ein potenziell lebensveränderndes Moment der Freiheit. Selbst der anfängliche Schwächling Yasuda muss völlig außer Atem zugeben, welche spirituelle Erfahrung das Laufen, jenes kräftezehrende Rennen für ihn ist.

Visuell verzichtet Sabus Inszenierung auf eine Erweiterung dieser Laufszenen, beispielsweise durch digitale Effekte oder gar schnelle Schnitte. Vielmehr ist eine lange, beinahe statische Einstellung eine fast schon dynamischer Kontrast zu der Bewegung der Schauspieler, die über Brücken, durch Straßen oder Einkaufspassagen hetzen, eine Erfahrung, bei der selbst die Schauspieler beim Dreh ihre „eigene Schauspielerei überschreiten“, wie Sabu im Interview mit film-rezensionen zugibt.

Zufall und Karma
Jedoch ist der Akt des Laufens nicht als rein körperlicher Akt zu verstehen, sondern auch als eine Form des Lebensflusses zu verstehen. Die Protagonisten in Dangan Runner stören diesen Fluss oder sind gehemmt, egal ob durch eine geradezu manische Obsession mit der Uhrzeit wie im Falle von Yasuda oder durch den Drogenkonsum wie bei Aizawa. Folgt man dem Konzept des Karmas haben diese Männer ihres beschmutzt oder beschädigt durch eigenes Unvermögen zu handeln, Drogen oder die einfache Tatsache, dass sie den Beruf des Gangsters, wie Takeda, eingeschlagen haben. Insofern ist der Akt des Laufens auch eine Form der (spirituellen) Reinigung in den Filmen Sabus.

Augenscheinlich spielt der Zufall eine große Rolle in den Filmen Sabus. Durch eine Reihe von Missgeschicken sowie einer gehörigen Portion Dämlichkeit stoßen die drei Männer aufeinander und treten damit eine sich immer weiter ausbreitende Lawine von Ereignissen los, die Sabu bis ins Absurde hinein steigert. Doch ist dies eine auch eine Folge ihres Handelns – oder eben Nicht-Handelns – und somit keinesfalls Zufall oder (Un-)Glück.

Credits

OT: „Dangan ranna“
AT: „Wie eine Kugel im Lauf“
Land: Japan
Jahr: 1996
Regie: Sabu
Drehbuch: Sabu
Musik: Daisuke Okamoto, Diamond Yukai
Kamera: Shuji Kuriyama
Besetzung: Tomoro Taguchi, Diamond Yukai, Shinichi Tsutsumi, Ren Osugi, Akaji Maro

Bilder

Filmfeste

Berlinale 1997

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Dangan Runner – Wie eine Kugel im Lauf
"Dangan Runner" ist eine sehr unterhaltsame Komödie über das Schicksal und über den Lauf des Lebens (im wahrsten Sinne des Wortes). Getragen von vielen inszenatorischen und visuellen Einfällen sowie durch das engagiert spielende Ensemble ist "Dangan Runner" eine Empfehlung für all diejenigen, die Komödien mögen, die zu gleichen Teilen amüsieren, aber darüber hinaus auch noch etwas zum Nachdenken zu bieten haben.
8von 10

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