Jahresrückblick (2021)

Als 2021 die Lichtspielhäuser nach und nach wieder eröffneten und die großen Produktionen wie Dune, Godzilla vs. Kong, Black Widow, wie auch die kleinen Perlen wie Der Rausch, The Green Knight oder The Father nun endlich für funkelnde Augen in den Kinosälen sorgten, kam wieder Hoffnung auf. Endlich wieder Kino!

Doch hat sich das Warten gelohnt – wie Dune als Paradebeispiel zeigt. Wenig überraschend sorgten diese wuchtigen Bilder in Kombination mit dem hämmernden Sound für ein grandioses Kinoerlebnis, das man so nie zuhause auf der Couch erlebt hätte. Doch welche Werke gibt es neben dem sechsfachen Oscarpreisträger aus 2021 darüber hinaus, die in Erinnerung bleiben? Wie in jedem Jahr soll unser Jahresrückblick genau dies festhalten.

 

Michael Gasch

Top Filme 2021

1. Malcolm & Marie

Zwei Schauspieler, ein einziges Filmset und das auch noch ohne Farbe – bei Malcolm & Marie merkt man erst einmal, wie wenig es braucht, um einen tollen Film zu zaubern. Bei so viel Reduzierung geschehen tatsächlich noch Wunder.

2. The Lost Leonardo

Gute Dokumentationen gibt es wie Sand am Meer. Herausragende dagegen sind sehr rar geworden. The Lost Leonardo fällt dabei jedoch ganz klar in die zweite Kategorie, erstens weil diese Produktion sich wie ein halber Thriller anfühlt und weil man zweitens in so vielen unterschiedlichen Perspektiven neues Wissen über die Kunstwelt und unsere Gegenwart mitnehmen kann.

3. The Little Things

Auch wenn die meisten Kritiker im Falle von The Little Things nicht überzeugt waren, so stellt sich mir doch die Frage, was hier so dermaßen falsch gemacht wurde. Ich sehe es eher konträr: aufgrund der grandiosen Schauspieler und einer total ungewissen Atmosphäre, die man im Thrillergenre lang nicht mehr erlebt hat, verdient sich John Lee Hancocks Film definitiv einen Platz in meiner Liste.

4. Tick, Tick… Boom!

Wer hat noch nie etwas von Jonathan Larson und einem der erfolgreichsten Broadway-Musicals gehört? Hab ich’s mir doch gedacht – das sah in meinem Fall genauso aus. Sei’s drum – Tick, Tick… Boom! zeigt nach dem Meisterwerk La La Land im modernen Kino einmal mehr, dass man mit der Kombination aus Musik und Film ganz große Kunst erschaffen kann, selbst wenn man mit der Welt der Musicals so gar nichts am Hut hat.

5. Strange Dreams

Strange Dreams dringt ganz tief in das menschliche Unterbewusstsein ein und schafft es, was gefühlt 99 % aller Horrorfilme nicht einmal mehr im Ansatz erreichen: eine Atmosphäre, die dem Atem stocken lässt. Statt Jumpscares und einer mittlerweile immer schlimmer werdenden Künstlichkeit im Horrorgenre gibt es hier jede Menge Feingefühl, eine gute Portion Symbolik und jede Menge schaurige Bilder, die einem noch Wochen nach dem Film im Kopf hängen bleiben.

6. The Last Duel

Bereits nach den ersten zehn Minuten stellte sich ein Gefühl ein, dass allein diese schon zehnmal besser sind als das meiste, was in den letzten Monaten herausgekommen ist. Und auch wenn The Last Duel einige Schwächen hat, so war es im Gegensatz zu der Nostalgie-Welle der ganzen Reboots usw. doch einmal erfrischend, neuen Stoff zu sehen. Das scheint der großen Masse jedoch egal zu sein, schaut man sich das vernichtende Box-Office an. Ridley Scotts Mittelalterepos zeigt daher nicht nur wie Kunst in 2021 aussehen kann, sondern hält uns auch vor Augen, dass die Welt durch den ganzen Blockbuster-Einheitsbrei tatsächlich ambitionierte Großproduktionen kaum mehr wertschätzt.

7. Green Knight

Beim „kleineren Cousin“ von The Last Duel scheint dies nicht viel anders auszusehen und doch ist dies einer der gelungensten Filme der letzten paar Jahre. Warum? Weil sich David Lowery (erneut) weit aus dem Fenster gelehnt hat und dem Publikum mit seinen mutigen surrealen Bildern einmal richtig etwas abverlangt. Da es an Mut im Kino aber auch generell deutlich mangelt, sind solche Produktionen ein echter Hoffnungsschimmer.

8. Dune

Auch wenn ich nach zwei Stunden im Kinosessel hin- und herrutschte, so kann man Dune seine astronomischen Ambitionen nicht absprechen. Vielmehr sehe ich in Dune einen Film, der in die Geschichte eingehen wird, nicht aber aufgrund seiner Bilder oder Effekte, sondern vielmehr aufgrund des visionären Kerns. Wenn ein Film es schafft, dass sich Hollywood mal wieder etwas mehr auf Qualität besinnt, dann definitiv dieser. Und bei aller Fairness – welch schöneres Kompliment kann man einem Film in dieser Liga schon machen?

9. Free Guy

Wer wie ich mit Deadpool nicht so wirklich etwas anfangen konnte, der wird vermutlich auch eine gewisse Skepsis gegenüber Free Guy aufbauen. Überraschenderweise hat es sich in dem Fall jedoch gelohnt, da Shawn Levys Actionspektakel nicht nur für laute Lacher sorgt, sondern auch zwischen den Zeilen einen durchaus interessanten Beitrag zum großen Thema Virtuelle Realität leistet.

10. Don’t look up

Immer näher am Puls der Zeit, verblüfft Adam McKay erneut und stellt mit seinem neuesten Film sogar seine Vorgänger in den Schatten. Während diese Filme aufgrund der dokumentarischen Aufarbeitung schon fast einen Deut zu spät kamen, so hat man bei Don’t look up den Eindruck, er könnte in 2022 spielen. Auffällig dabei: Das Idiocracy 2.0 hat jegliche Hoffnung in die Menschheit aufgegeben und bleibt bis zur letzten Minute vollends konsequent. Und mal ehrlich, wie viele vergleichbare Produktionen können das schon von sich behaupten?

 

Top Schauspielerin 2021

Jodie Comer

In Free Guy und The Last Duel am brillieren, stellt sich Comer als eine Schauspielerin heraus, die von Film zu Film in puncto Authentizität deutlich weiter wächst. Dieser Prozess, der bei den meisten Schauspielern irgendwann immer weiter abnimmt, sorgt dann manchmal aber auch dafür, dass diese Stars nur noch sich „selbst“ spielen. Bei Comer dagegen ist das (noch) das komplette Gegenteil, wodurch man als Zuschauer den einen oder anderen Überraschungsmoment erlebt, gerade in The Last Duel.

 

Top Schauspieler 2021

Adam Driver

Das bisher eher differenzierte Bild von Adam Driver scheint sich zu wandeln. War er in den letzten Jahren in eher weniger gelungenen Filmen (hust hust Star Wars hust) anzutreffen, so hat er in 2021 mit gleich drei Filmen (Annette, House of Gucci, The Last Duel) bewiesen, dass er zu deutlich mehr fähig ist. Es erweckt daher schon fast den Eindruck, dass Driver in vergleichsweise eher kleineren Filmen besser aufgehoben ist, als in so hochtrabenden Blockbusterfilmen wie den Star Wars-Sequels.

 

Top Newcomer 2021

Anthony Scott Burns

Weder unbekannt, noch ein wirklicher Newcomer, wurde ich dennoch am meisten von Anthony Scott Burns überrascht, der sich mit seinem neuen Film Strange Dreams einen Namen gemacht hat und von dem man sicherlich noch einiges erwarten kann. Zwischen Jordan Peele (Get Out) und David Robert Mitchell (It Follows) fügt sich Burns deshalb in meine Top 3 der Regisseure ein, welche die zeitgleich schaurigsten und wunderschönsten Kinobilder kreieren.

 

Meine Höhepunkte 2021

1. Kino trotz Corona

Monatelang ohne Kino und alles per Streaming schauen brachte zwar eine ungeheure Bequemlichkeit, zeigte aber doch, dass das Kino eine ganz andere Atmosphäre mitbringt – gerade bei Filmen wie Dune. Schrecklich stelle ich mir vor, würde man diese Großproduktion auf der Couch schauen.

2. Interview mit Ildiko Enyedi

Sicherlich hat jeder seine Filme, die er vergöttert und wo man am liebsten einmal mit dem Regisseur oder der Regisseurin ein Interview führen möchte. Der Traum ging für mich in diesem Jahr in Erfüllung, da man schließlich nicht jeden Tag eine solche Möglichkeit geboten bekommt. Im Gespräch mit Ildiko Enyedi (Körper und Seele (Meisterwerk!)) konnte ich so einmal ganz persönliche Fragen stellen, weshalb dieses Erlebnis ein echtes Highlight für mich war.

3. Star Wars

Nach zehn Jahren Filmgenuss habe ich es in diesem Jahr nun endlich einmal geschafft die Star Wars Filme (Episode 1-6) nachzuholen. Obwohl ich nie einen Fuß in diese Welt fand, kann ich nun zumindest sagen, dass ich mich mit diesem Universum fast schon ein wenig anfreunden kann. Offenheit macht sich eben doch bezahlbar.

 

Meine größten Enttäuschungen 2021

1. Woman in the Window

Vor einem Jahr noch in meiner Top 3 der meist erwarteten Filme vertreten, stellte sich Woman in the Window als gleichermaßen klischeehaft und konventionell heraus. Die hohen Erwartungen einmal ignoriert, entpuppt sich Joe Wrights Thriller als Film, der sich, so hat man den Eindruck, nur an Versatzstücken früherer Werke orientiert und absolut nichts neues kreiert – und das obwohl bei diesem Stoff deutlich mehr Spielraum für künstlerische Ästhetik drin gewesen wäre.

2. Foundation

Heiß erwartet verfolgte ich die ersten Folgen von dem Science-Fiction Epos, nur um dann festzustellen, dass mir so ziemlich alle Figuren egal waren. Diese Gleichgültigkeit, die für einen Film oder eine Serie kurzerhand zum Todesurteil werden kann, ging dabei so schnell, dass es nach der dritten Folge sogar zu einem Abbruch kam. Überaus enttäuschend für mich, da ich in Foundation DIE Serie 2021 erwartet habe.

3. The Guilty

Die Filmfans, die das dänische Original kennen, scheinen sich in dem Fall relativ einig zu sein, dass dieses US-Remake all das verkörpert, was im amerikanischen Kino trotz der vereinzelten guten Filme schon jahrelang falsch läuft: fehlende Originalität, faules Kopieren und dies noch nicht einmal gut. Paradoxerweise ist dies aber fast schon ein wenig erstaunlich, da diese Geschichte weder komplex, noch aufwändig ausfällt. Schlimmer noch – das Remake erfüllt damit nicht einmal die Anforderungen für einen entspannten Sonntag-Nachmittag.

 

Meist erwartete Filme/Serien 2022

1. Project Hail Mary

Ryan Gosling im Weltraum und mutterseelenallein auf einer mysteriösen Mission – muss ich noch mehr sagen? Da mich schon die Romanvorlage von Andy Weir (Der Marsianer) sehr beeindruckte, bin ich sehr auf die Verfilmung gespannt, die hoffentlich 2022 noch erscheinen wird.

2. Herr der Ringe (Amazon)

Relativ selbsterklärend ist die ganze Welt auf die Amazon Serie zu dem Herr der Ringe-Universum gespannt und ich ganz vorn dran. Dabei gilt es viel aufzuholen, nachdem man die mehr oder weniger grausigen Hobbit-Filme als Hardcore-Fan am liebsten wieder vergessen möchte. Hier steht also viel auf dem Spiel…

3. Babylon

Da Damien Chazelle zu den talentiertesten Jung-Regisseuren der Gegenwart zählt und die Welt schon mit dem fantastischen Whiplash und dem noch fantastischeren La La Land beeindruckt hat, stellt sich die Frage, ob er mit seiner Neuproduktion über das Hollywood der späten zwanziger Jahre anknüpfen kann.

Hendrik Warnke

Top Filme 2021

1. Shiva Baby

Shiva Baby hat mich komplett umgehauen. Ich liebe gekonnt stressige Filme und Shiva Baby ist in dieser Hinsicht meisterhaft inszeniert. Dazu entwickelt er eine sehr gekonnte Tragikomik, während sämtliche Probleme, die Familienfeiern so mit sich führen, angesprochen werden.

2. The Green Knight

The Green Knight ist wunderschön, mysteriös und kryptisch. Die Welt ist so geheimnisvoll, wie kaum eine andere und ich liebe es, mit dem Protagonisten durch diese Welt zu schreiten und meinen Assoziationen freien Lauf zu lassen.

3. Der Masseur

Der Masseur bietet vermutlich die beste Sozialkritik des Jahres. Dabei ist er wahnsinnig vielschichtig und umhüllt in seiner Satire eine düstere Mystik und Tragik.

4. The Father

Unfassbar tragisch und beängstigend, aber ein toll gespieltes, sehr immersives Erlebnis zum Thema Demenz. Die Darstellung der Orientierungslosigkeit, sei es durch sich ändernde Schauspieler*innen oder Räumlichkeiten, ist fantastisch.

5. Pig

Einer der speziellsten Umgänge mit dem Thema Rache, die ich je gesehen habe, fast eine Dekonstruktion des Rachefilms, der großartig mit der Erwartungshaltung einer John Wick-Gesellschaft spielt. Inszenatorisch toll und mit einer ganz besonderen Stimmung.

6. Titane

Zwar nicht so gut wie Raw, aber auch hier schafft Julia Doucournau es wieder, Fragen nach und über Identität, Feminismus und Familie in einen komplexen Bodyhorror-Film zu packen, der eklig, lustig und berührend ist.

7. Candyman

Eine großartige Weiterführung und Modernisierung des Horrorklassikers, der sowohl die politische Seite als auch die der reinen Handlungsebene sinnvoll weiterdenkt. Dazu ist er optisch wie akustisch ein Brett.

8. The French Dispatch

Wes Anderson hat hier mal auf 150 % gedreht. Atemberaubend, was hier an Kreativität, Intertextualität und Schönheit losgelassen wird. Leider lassen diese Elemente etwas zu wenig Luft, um sich voll zu entfalten.

9. Dune

Dune ist ohne Zweifel der größte Film des Jahres. Denis Villeneuve schafft wahnsinnige Bilder und eine beeindruckende Welt durch tolle Regiearbeit und ein tolles Pacing.

10. Good Luck Banging or Looney Porn

Der diesjährige Gewinner des Goldenen Bären ist herrlich erfrischend. Er vermischt Elemente aus Spielfilm, Dokumentation und Essay und rechnet dabei clever, witzig und bitterböse mit der Gesellschaft und Menschheitsgeschichte ab.

 

Top Serien 2021

  1. Arcane Staffel 1

Arcane ist eine Wucht. Optisch und akustisch zwar ein echtes Highlight, ist es aber gerade das Writing, das am meisten überzeugt. Eine spannende Welt, faszinierende Charaktere und eine schleichende Abwärtsspirale erzeugen eine faszinierende Sogwirkung beim Schauen.

  1. Beastars Staffel 2

Beastars behandelt Vorurteile, Rollenbilder und innere Komplexe in einer Welt anthropomorpher Tiere auf eine sehr erwachsene und düstere Art. Staffel 2 verlässt dabei immer wieder den Schauplatz der Highschool aus Staffel 1, um der tollen Serienwelt und den fantastisch geschriebenen Charakteren mehr Tiefe zu geben.

  1. Reservation Dogs Staffel 1

Taika Waititi und Sterlin Harjo zeigen die Tristesse und systematisierten Probleme, aber auch Hoffnungen und Träume indigener Menschen in Nordamerika. Sehr witzig, tragisch und kreativ wird hier ein Licht auf eine der unterrepräsentiertesten Communitys in der westlichen Welt gerichtet.

  1. It’s a Sin

It’s a Sin bietet einen tollen, bittersüßen Einblick in die Londoner LGBTQ-Szene der 1980er, mit erdrückendem Thatcherismus, dem Erstarken von AIDS und ganz vielen bunten Partys.

  1. Maid

Maid ist eine beklemmende Serie über eine junge Mutter, die versucht, sich und ihre Tochter vor häuslicher Gewalt und extremer Armut zu retten, bei der gerade das Thema der häuslichen Gewalt toll angesprochen wird. Auch Hauptdarstellerin Margaret Qualley trägt mit einer tollen Leistung sehr dazu bei.

 

Top Schauspielerin 2021

  1. Olivia Colman

Für ihre Leistung in The Crown gewann sie 2021 den Emmy. Dazu kommen tolle Performances in The Father, Frau im Dunkeln und Landscapers, eine Rolle in Ein Festtag und mehrere Sychronisationsrollen. In dieser Kombination aus Qualität und Quantität kann ihr keine in diesem Jahr das Wasser reichen.

  

Top Schauspieler 2021

  1. Adam Driver

Adam Driver hatte ein tolles Jahr. Nicht nur bot er als Henry McHenry in Anette meine Lieblingsperformance des Jahres dar. Meiner Meinung nach hat er außerdem durch seinen Doppeleinsatz für Ridley Scott noch einen weiteren Schritt auf der Prestigeleiter der Filmindustrie gemacht.

 

Top Newcomer 2021

  1. Paulina Alexis

Die 20-Jährige ist unter anderem in Gostbusters: Legacy in einer Nebenrolle zu sehen gewesen, hat mich aber vor allem mit ihrer Hauptrolle in Reservation Dogs beeindruckt. Ich bin gespannt, mehr von ihr zu sehen.

 

Meine Höhepunkte 2021

  1. Der Festival Herbst

Als richtigen Höhepunkt kann ich hier eigentlich nur die Wiederöffnung der Kinos und somit auch das Wiederstattfinden vieler Festivals nennen. Durchweg positive Erfahrungen mit den Sicherheitskonzepten und viele tolle Filme in Hamburg, Köln, Oldenburg, etc. sorgten dafür, dass eine ziemlich triste erste Jahreshälfte toll zu Ende geführt wurde.

 

Meine größten Enttäuschungen 2021

1. Parallele VOD-Releases von Kinofilmen

Anstatt sich von der Pandemie lehren zu lassen, was fehlt, wenn die Kinos geschlossen haben, scheint sich bei vielen Studios, Plattformen und Menschen die Idee durchgesetzt zu haben, dass es doch viel lukrativer bzw. einfacher ist, Filme zu Hause zu gucken. Parallel-Releases auf HBO Max, Disney Plus oder Sky, die auch noch damit beworben werden, man brauche das Kino doch gar nicht, üben zusätzlichen Druck auf die angeschlagene Kinolandschaft aus. Immerhin hat Warner Media angekündigt, das für HBO Max 2022 zu beenden.

2. The Bad Batch

Star Wars ist ein Franchise, das das Potenzial seine Welt zu vertiefen oder vielleicht sogar zu dekonstruieren, mit Füßen tritt. Statt einer Auseinandersetzung mit der geopolitischen und sozioökonomischen Situation durch das Erstarken des Imperiums zu bekommen, wird hier eine Reihe belangloser und langweiliger Sidequests mit uninteressanten Figuren kredenzt.

3. Army of the Dead

Ich habe ja nicht viel erwartet, aber meine Güte. Unfassbar hohl, unfassbar hässlich und viel zu lang.

 

Meist erwartete Filme/Serien 2022

  1. Obi-Wan Kenobi

Es überkommt mich eine große Angst, diese Serie betreffend, wenn ich an The Bad Batch oder die erste Folge von The Book of Boba Fett zurückdenke, allerdings interessiert mich sehr, wie erklärt wird, wie aus dem schlagfertigen Ewan McGregor Alec Guinness werden konnte.

  1. Euphoria Staffel 2

Nach dreijähriger Pandemiepause geht es ab Januar nun endlich weiter mit Euphoria. Eine Serie, die so sehr die HBO-DNA trägt, wie wohl kaum eine andere. Sensationell geschrieben und optisch das Beste, was die Serienwelt zu bieten hat.

  1. You Won’t Be Alone

Erinnert an etwas zwischen The Witch und Under the Skin, die ich beide sehr mochte. Dazu kommen eine schicke 4:3 Optik und Noomi Rapace. Ich bin dabei.

 

Madeleine Eger

Top Filme 2021

1. Dune

Denis Villeneuves SciFi Meisterwerk, hat mich ganze drei Mal im Kino umgehauen. Ein gewaltiger Film für die Sinne, der einen regelrecht in den Sitz drückt und von Anfang bis Ende fesselt.

2. Drive My Car

Ein poetischer Film weniger Worte. Die Geschichte um Verlust, Trauer, Unehrlichkeit, aber auch Liebe und die Kunst als Möglichkeit zur Rückfindung und als Wegweiser zu begreifen.

3. Annette

Hat mich eiskalt erwischt und sprachlos gemacht. Ein außergewöhnliches Musical, das wie ein abstrakter Fiebertraum wirkt und mit mehreren ungewöhnlichen künstlerischen Entscheidungen zum inszenatorischen Meisterwerk wird.

4. The Trouble with Being Born

Es gibt Filme, die kriechen einem derart unter die Haut, dass sie einen auch Stunden danach nicht loslassen. Ein herausforderndes Drama, das bewusst Grenzen überschreitet und Auswüchse eines handfesten Horrors annimmt.

5. Titane

Eine Familiengeschichte über Liebe, Selbstfindung und Verbundeheit, die in ihrer Darstellung kaum drastischer sein könnte, dabei aber ihre Schönheit in der Metaphorik nicht verliert. Stark und ergreifend.

6. The Power of The Dog

Ein brodelndes Drama unter dem Deckmantel eines Westerns. Benedict Cumberbatch in einer seiner stärksten Rollen, begleitet von unfassbar anmutigen sowie sinnlichen Bildern und einem Score der das innerste der Figuren hervorbrechen lässt.

7. The Green Knight

David Lowery bezaubert einfach erneut. Ein Regisseur, der es versteht mit ruhigen Geschichten und herausragend komponierten Bildern in andere Welten zu entführen.

8. Pig

Letztes Jahr schaffte es der wilde Ritt „Colour ot of Space“ in meine Top 10. Dieses Jahr könnte der Film mit Nicholas Cage kaum gegensätzlicher sein. Berührend und wunderschön inszeniert, erarbeitet Pig das Bild eines Mannes der an einem erneuten Verlust in seinem Leben zerbrechen würde und darum kämpft das wertvollste was er besitzt zurückzubekommen.

9. Spiderman: No Way Home

Nostalgieschock pur. Als riesiger Fan der Filme, mussten ab der Hälfte die Taschentücher her. Ein Film der unglaublich viel Spaß macht und gekonnt sein Netz um drei Filmgenerationen spinnt.

10. Fabian oder Der Gang vor die Hunde

Ein deutsches Meisterwerk, das mit kreativer Zeitlosigkeit besticht und Tom Schilling sowie Albrecht Schuch erneut hervorragend aufspielen.

 

Meine Höhepunkte 2021

1. Mad God und Takahisa Zeze

Zwei Entdeckungen, die das Filmjahr um einiges bereichert und meinen Horizont deutlich erweitert haben. Auf den ersten Blick mögen der Film und der Regisseur von anfänglich sehr freizügig gestalteten Geschichten nicht viel gemeinsam haben. Von beiden war ich am Ende aber überaus fasziniert, erschrocken und mitgenommen. Und hätte „Mad God“ schon einen deutschen Kinostart gehabt, hätte er ohne Zweifel meine Top 10 angeführt.


2. Filmfest Hamburg

Nach der langen Durststrecke Anfang 2021 von früh bis spät mit anderen Filmbegeisterten im Kino, manchmal bis zu sechs Filme aus den unterschiedlichsten Genres und Ländern auf dem Programm und dabei etliche herausragende Entdeckungen machen zu können war für mich das tollste und ironischerweise das entspannendste was das Jahr zu bieten hatte.

Peter Gutting

Top Filme 2021

  1. Quo vadis, Aida?

Selten wird Privates und Politisches so geschickt verschränkt wie im Film der bosnischen Regisseurin Jasmila Žbanić. Ihr Politdrama hält die Erinnerung an das Massaker von Srebrenica wach und ist zugleich spannendes, großes Kino.

  1. Lieber Thomas

Der Schauspieler Albrecht Schuch war in diesem Jahr erneut in mehreren großen Rollen zu sehen. Die wuchtigste Interpretation lieferte er in „Lieber Thomas“, dem visuell ausgefeilten Porträt des Schriftstellers und Filmemachers Thomas Brasch.

  1. Ammonite

Äußerlich passiert wenig im historischen Frauendrama von Francis Lee. Aber im Inneren seiner von Kate Winslet und Saoirse Ronan herausragend verkörperten Figuren lodert das Feuer – großartig in Szene gesetzt in einer rauen, die Gefühle spiegelnden Küstenlandschaft.

  1. Nomadland

Noch ein Film mit einer Paraderolle für eine der prägendsten Kinopersönlichkeiten der letzten Jahrzehnte. Frances McDormand mischt sich unter die Wanderarbeiter der USA und legt eine Körpersprache an den Tag, als hätte sie nie etwas anderes getan, als bei Amazon zu jobben oder Rüben zu ernten.

  1. Vor mir der Süden

Ein weiteres Road-Movie, diesmal nicht nur dokumentarisch angehaucht, sondern tatsächlich als Doku. Auf den Spuren des Filmemachers Pier Paolo Pasolini bereist Pepe Danquart sämtliche Küsten Italiens, einmal rund um den Stiefel, 3000 Kilometer. Er findet Kurioses und Nachdenkenswertes, Poesie und Elend.

Eines der ungewöhnlichsten Beziehungsdramen der letzten Jahre: Dietrich Brüggemann dröselt das langsame Erlöschen der Liebe in 15 episodenhaften Szenen auf – nicht als Tragödie, sondern als witzige Überspitzung des Alltags mit surrealen Schockelementen und einer sehenswerten Analyse des äußeren Drucks, der auf einem jungen Paar mit Kinderwunsch lastet.

  1. Herr Bachmann und seine Klasse

Rekordverdächtig lang, aber außerordentlich intensiv: Maria Späths Doku folgt einem charismatischen Lehrer und seinen nicht weniger eindrucksvollen Schülern. Unterricht auf Augenhöhe, Spaß statt Stress. Der Publikumsliebling der Sommer-Berlinale macht Hoffnung auf menschenfreundliches Lernen jenseits von Leistungsdruck.

  1. The Father

Anthony Hopkins in Bestform: Zwischen Starrsinn und Verletzlichkeit spielt der 84-Jährige einen alten Mann, der allmählich den Verstand verliert. In einem bemerkenswerten Verwirrspiel lässt Regisseur Florian Zeller den Zuschauer an der erschreckenden Erfahrung teilhaben, seine sieben Sinne nicht mehr beieinander halten zu können.

  1. Mitgefühl

Auch in der Dokumentation von Louise Detlefsen geht es um demenzkranke Menschen – und um die Hoffnung, dass eine einfühlsame Pflege möglich ist. Acht bis zwölf Hochbetagte leben in einem privaten Heim im dänischen Dagmarsminde, wie in einer großen Familie, zärtlich umsorgt. Ein wunderschön fotografierter Beweis, wie es besser gehen könnte, auch in größeren Heimen.

  1. Walchensee forever

Die Dokus hatten 2021 einen starken Auftritt, nicht nur thematisch sondern auch künstlerisch. Sehr beeindruckend war etwa die Art, wie Janna Ji Wonders aus dem privaten Familienarchiv eine Jahrhundertgeschichte destilliert: von drei Generationen starker Frauen, die auf ganz unterschiedliche Weise ihre Eigenständigkeit in einer männerdominierten Welt behaupten.

  

Top Schauspielerin 2021

Jasna Ðuričic

Die Hauptdarstellerin von „Quo vadis, Aida?“ ist in ihrer Heimat Serbien ein Star, war aber hierzulande bislang weitgehend unbekannt. Ihre unter die Haut gehende Performance als gehetzte, wie eine Löwin um ihre Söhne kämpfende Dolmetscherin im Kriegschaos von Srebrenica verschaffte ihr zu Recht den Europäischen Filmpreis.

 

Top Schauspieler 2021

August Diehl

Vor herausfordernden Rollen ist August Diehl noch nie zurückgeschreckt. In „Plan A – Was würdest du tun“ der Gebrüder Doron und Yoav Paz wagt er einen schwindelerregenden Balanceakt. Seine Figur lässt den Zuschauer die Gefühle und Motive nachempfinden, die zu der Idee führten, sechs Millionen Deutsche zu vergiften, als Rache für den Holocaust. Zugleich lässt sein bewundernswert vielschichtiges Spiel immer die Skrupel mitschwingen, das wirklich umzusetzen.

 

Top Newcomer 2021

Maresi Riegner

Es ist nicht ihre erste Hauptrolle, aber in „Monte Verità – Der Rausch der Freiheit“ von Stefan Jäger zeigt die junge Österreicherin, warum mit ihr künftig zu rechnen sein wird. Die Bandbreite, die ihr die Rolle als unterdrückte Ehefrau und sich emanzipierende Künstlerin abfordert, könnte nicht größer sein. Sie meistert sie mit großer Präzision.

 

Meine Höhepunkte 2021

  1. Filmfest München

Fast zeitgleich mit der Wiedereröffnung der Kinos am 1. Juli fand das erste große Festival statt, das wieder Publikum zuließ. Auch wenn der Wettergott etwas dagegen hatte und einige Open-Air-Veranstaltungen zum Härtetest machte – das Erlebnis, endlich mal wieder Filme in Gemeinschaft zu sehen, war eine tolle Erfahrung nach dem elend langen Lockdown.

  1. Das Überleben der meisten Kinos

Keine Frage, die Streamingdienste haben von der Pandemie kräftig profitiert. Doch das Kino hat die erzwungene Schließung weitgehend unbeschadet überstanden. Noch immer nehmen Filmliebhaber einiges auf sich, um das Erlebnis der großen Leinwand wieder zu genießen. Sie tragen Masken oder lassen sich testen. Aber Hauptsache, das Kino lebt.

  1. Interviews

Durch meine Mitarbeit bei Film-Rezensionen seit diesem Sommer hatte ich viele Gelegenheiten, mit Schauspielern und Filmemachern persönlich zu sprechen. Solche Interviews hatte ich schon lange nicht mehr geführt. Und ich habe gemerkt, dass fast immer mehr dabei herauskommt als bloße Marketing-Lobhudelei.

 

Meine größten Enttäuschungen 2021

  1. Auf dünnem Eis

Auf dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen laufen traditionell auch viele Fernsehfilme. Einige davon, die ich dieses Jahr sehen konnte, waren gar nicht so schlecht, wie ich erwartet habe. Doch das Obdachlosendrama „Auf dünnem Eis“ bestätigte meine übelsten Vorurteile: klischeehaft, konstruiert, überdeutlich.

  1. Sommer 85

Eigentlich freue ich mich auf jeden neuen Film von François Ozon. Und weil ich „Sommer 85“ im Kino verpasst habe, habe ich ihn mir nachträglich auf DVD angeschaut. Als sommerlich-leichte Romanze ist der Film sicherlich nicht gescheitert. Aber von Ozon hatte ich mir mehr erhofft, zumal er Motive aus seinem Drama „In ihrem Haus“ hier wieder aufwärmt.

  1. West Side Story

Auch kein schlechter Film. Aber wenn Steven Spielberg ein Remake dreht, erwarte ich, dass er seine Gründe für eine Neuauflage hat – und dass die Motive nicht nur privater Natur sind. Hier scheint es allerdings mehr darum zu gehen, auch noch ein Musical zum umfangreichen Gesamtwerk hinzuzufügen. Eine wirklich eigene Idee habe ich vermisst.

 

Meist erwartete Filme/Serien 2022

  1. Parallele Mütter

Immer, wenn Pedro Almodovár mit Penélope Cruz dreht, darf man gespannt sein. Das tut er zwar meistens, aber in den 2010er Jahren machten die beiden eine kleine Pause, die erst mit „Leid und Herrlichkeit“ (2019) endete. Nun also wieder eine ganz große Rolle für „La Cruz“.

  1. Was sehen wir, wenn wir zum Himmel schauen?

Ein großartiger Film, der immer wieder Opfer von Verschiebungen wird. Ich habe mir die ungewöhnliche Liebesgeschichte des Georgiers Alexandre Koberidze schon im Februar dieses Jahres auf kleinem Bildschirm angeschaut, möchte sie aber unbedingt noch einmal auf großer Leinwand sehen. Leider sind die Auskünfte zum Start in 2022 nur vage: „Demnächst“ soll er in die Kinos kommen, noch ohne festen Termin.

  1. Warum ich euch nicht in die Augen schauen kann

Vor einigen Jahren schrieb der Japaner Naoki Higashida im Alter von gerade einmal 13 Jahren ein Buch, indem er schilderte, wie er als autistischer Mensch die Welt erlebte. Die Dokumentation von Jerry Rothwell versucht, dafür Bilder zu finden, was auf einigen Festivals schon zu begeisterten Kritiken geführt hat.

Rouven Linnarz

Top Filme 2021

  1. Drive My Car

Pünktlich zum Ende des Jahres hin kommt Ryusuke Hamaguchis Drive My Car auch nach Deutschland. Erzählt wird eine Geschichte um Trauer und Trauma, und wie andere Menschen einem Halt geben können. Schauspielerisch wie auch ästhetisch ist Hamaguchis Film sehr sehenswert und wird wohl noch einiges an Preisen gewinnen.

  1. Dune

Lange mussten wir hierzulande warten auf den ersten Teil von Denis Villeneuves Verfilmung von Dune, doch wir wurden mit einem Spektakel belohnt, welches nicht nur optisch und schauspielerisch sich sehen lassen kann, sondern ein Film ist, der noch einmal deutlich machte, warum wir das Kino nach wie vor brauchen. Nämlich für solche Filme.

  1. Der Rausch

Thomas Vinterbergs Der Rausch mag vom Verleih als Komödie angepriesen worden sein, doch eigentlich handelt es sich um eine heitere, bisweilen tragische Geschichte vom Älterwerden, vom Abschied von Träumen und wie man sich etwas Jugend bewahrt in einer auf Selbstoptimierung und Funktionieren ausgerichteten Welt.

  1. Beyond the Infinite Two Minutes

Auf vielen Festivals konnte Junta Yamaguchis Zeitreisefilm schon überzeugen, so zum Beispiel auf dem Fantasy Filmfest oder der Nippon Connection. Dieser Independentfilm schafft es mit viel Humor und guten Schauspielern vom Sinn des Scheiterns und der Entscheidungen in unserem Leben zu erzählen.

  1. Judas and the Black Messiah

Mit Judas and the Black Messiah gelang Regisseur Shaka King der beste Politthriller des Jahres 2021. Erzählt wird die Geschichte eines FBI-Agenten, der die Black Panther ausspionieren soll, was immer mehr zu einer Gewissensfrage wird und in welcher Art von Staat wir leben wollen und welche Verantwortung der/die Einzelne hat.

  1. The Green Knight

Basierend auf einem mittelalterlichem Gedicht erzählt David Lowery in The Green Knight von Sir Gawain, einem Ritter der Tafelrunde und seiner langen Reise zum Duell mit dem „grünen Ritter“. Fantasievoll, packend und visuell berauschen ist Lowerys Film, und hat zudem mit Dev Patel einen Hauptdarsteller zu bieten, der hier die bisher beste Leistung seiner Karriere zeigt.

  1. Possessor

Neben vielen anderen Produktionen kam das deutsche Kinopublikum im Juni 2021 auch in den Genuss von Brandon Cronenbergs neuem Film Possessor und das Warten hat sich sehr gelohnt. Mit der wie immer sehr guten Andrea Riseborough in der Hauptrolle erzählt Cronenberg vom Verhältnis des Körpers zum Kommerz und hat einige visuell verstörende Szenen und Bilder zu bieten.

  1. Nomadland

Nach The Rider und Songs My Brothers Taught Me erzählt Regisseurin Chloé Zhao in Nomadland abermals von Aussteigern, die in der von Materialismus und Kommerz definierten Gesellschaft nicht mehr leben können. Auch wenn die esoterischen Untertönen nicht vollends überzeugen, so ist der Film alleine schon wegen der tollen Darstellung Frances Dormands einen Blick wert.

  1. Go Seppuku Yourselves

Regisseur Toshiaki Toyoda schafft es in unter 30 Minuten mehr über das Chaos, die Paranoia und die Zersetzung der Gesellschaft in der Coronakrise zu sagen, als manche Filmemacher in der doppelten Zeit. Go Seppuku Yourselves erzählt von einem Japan, in dem die Pest wütet und das System, um sich selbst zu erhalten, dringend einen Schuldigen benötigt. Konsequent und zynisch ist Toyodas Film und eine bittere Parabel auf das Versagen eines System und der moralischen Verkommenheit einer Gesellslchaft.

  1. The Last Duel

Kaum war Ridley Scotts neuer Film im Kino, war er auch schon wieder verschwunden, was sehr bedauerlich ist, denn Scott liefert hier seinen besten Film seit Jahren ab. Mittels mehrerer Perspektiven erzählt er von einem Skandal und einer Fehde zweier Ritter, von Niedertracht und Ambition. Das ist großartiges, bildgewaltiges Kino und verdient nicht als „Flop“ gesehen zu werden.

 

Top Serien 2021

  1. Them

Them ist in gewisser Weise eine Serienversion von Filmen wie Get Out und Wir. Erzählt wird die Geschichte einer afroamerikanischen Familie, die sich in den frühen 1950er Jahren in Los Angeles niederlassen, doch bei der mehrheitlich weißen Nachbarschaft auf wenig Gegenliebe stoßen. Them erzählt über das Trauma des Rassismus und über Vorbehalte.

  1. Squid Game

Unverständlich an dieser Serie sind höchstens die Kontroversen, die teils sogar bis ins Lächerliche hineingingen, denn anstatt sich mit Themen wie Klassengesellschaft und dem Versagen eines Systems zu befassen, welche diese tolle Serie aufgreift, versteift man sich auf Oberflächlichkeiten sowie einige wenige Szenenausschnitte auf YouTube.

  1. Heels

Für Wrestlingfans ist Heels einfach nur Pflicht, denn neben dem Geschäft an sich, konzentriert sich die Serie darum, wie schwierig es ist, sich in diesem durchzusetzen. Die Geschichte um zwei Brüder erzählt von Neid und Missgunst, sowie von der Käuflichkeit von Menschen und deren Ideale.

  1. Dr. Brain

Die von Regisseur Kim Jee-woon inszenierte Serie gehört neben Squid Game zu den besten asiatischen Serien 2021 und erzählt von der Ambition eines Mannes, sich vom Trauma seiner Kindheit zu lösen und den Schlüssel für die menschliche Erinnerung zu finden. Nicht alles ergibt Sinn und vieles hätte man auch kürzer fassen können, doch schon wegen der Darstellung von Lee Sun-kyuns in der Hauptrolle bleibt die Serie sehenswert.

  1. Dom

Dom erzählt vom Aufstieg und Fall eine südamerikanischen Drogenbosses sowie von einem Konflikt zwischen Vater und Sohn. Vor allem wegen seiner düsteren, packenden Atmosphäre sowie der Darstellung von Drogenkriminalität und wie sich diese entwickelt hat, ist Dom einen Blick wert.

 

Top Schauspielerin 2021

Jodie Comer

Neben ihrer Rolle in Free Guy überzeugte Jodie Comer in Ridley Scotts The Last Duel als Marguerite de Carrouges, die zum unfreiwilligen Opfer eines Streits zwischen zwei Edelmännern und ihrer Ambitionen vom gesellschaftlichen Aufstieg wird. Ihre Perspektive ist mit Abstand die interessanteste, weil spannendste im ganzen Film und überzeugt durch Comers sensibles und kluges Spiel.

 

Top Schauspieler 2021

Nicolas Cage

Alle Spötter, denen Nicolas Cage nur als Thema diverser Memes bekannt ist, werden sich vielleicht wundern, wenn sie einmal einen Blick auf Michael Sanoskis Pig werfen. Als Eremit, der in den Wäldern Oregons lebt, gibt Cage seine bester schauspielerische Leistung seit Jahren ab und zeichnet das Porträt eines von Trauer und Verlust gezeichneten Mannes.

 

Top Newcomer 2021

Maria Bakalova

Es gibt nicht viele Gründe, sich den zweiten Borat-Film anzusehen, doch zumindest einer davon heißt Maria Bakalova, die zumindest zeitweise gar für einen Oscar gehandelt wurde. Die bulgarische Schauspielerin zeigt sich furchtlos und stiehlt dadurch sogar Sacha Baron Cohen mehr als einmal die Show.

 

Meine Höhepunkte 2021

  1. Die Rückkehr des Kinos

Ab Mitte 2021 konnte man wieder ins Kinos gehen und hoffentlich bleiben die Lichtspielhäuser uns erhalten. Auch wenn das Streaming immer mehr zu einer ernsten Konkurrenz wird, hat die Wiedereröffnung der Kinos eindeutig gezeigt, wie sehr sich viele Menschen nach dem Erlebnis Kino gesehnt haben.

  1. Fantasy Filmfest 2021

Nach dem eher mauen Programm der Nights überzeugte das des eigentlichen Festivals durch sein facettenreiches Programm mit vielen Highlights und betonte noch einmal nachdrücklich, wie vielseitig das Genrekinos sein kann und warum es das Kino in Zeiten des Streaming nach wie vor braucht.

  1. Viele Heimkinoveröffentlichungen

An dieser Stelle würde es den Rahmen sprengen, die zahlreichen tollen Veröffentlichung von Turbine, Koch Media, Capelight, Nameless oder NSM aufzuzählen, doch zumindest soll beispielsweise auf die Veröffentlichungen von Liliana Cavanis Der Nachtportier (Wicked Vision), David Lynchs Mulholland Drive (Arthaus) und Dune (Koch Media) verwiesen werden.

 

Meine größten Enttäuschungen 2021

  1. No Time to Die

Wirklich schlecht mag das Ende er Ära Daniel Craigs als James Bond nicht sein, aber wirklich überzeugend ist No Time to Die nicht. Ein vergessenswerter Bösewicht, ein unnötig komplizierter Plot sowie ein gefühlsduseliges Ende machen diesen Bond zu einer großen Enttäuschung, sodass man wohl besser noch einmal Skyfall oder Casino Royale schauen sollte.

  1. Der Flop von The Last Duel

Während Ridley Scott die Schuld am kommerziellen Versagen seines Filmes bei den Millenials sieht, ist das enttäuschende Abschneide n von The Last Duel durchaus ein Alarmsignal, zeigt es doch auf, wie sehr sich die Sehgewohnheiten durch Binge-Watching und die zunehmende Konzentration von seelenlosen Blockbuster-Spektakleln geändert haben.

  1. Verspätungen und Rückrufaktionen im Heimkino

Immer mehr wird gerade in der Qualitätsüberprüfung bei Heimkinoveröffentlichungen eingespart, was sich in den zahlreichen Verspätungen und Rückrufaktionen widerspiegelt. Hiervon sind keinesfalls nur kleine Labels betroffen, denn gerade die großen Produktionsfirmen wie Warner oder Paramount schwächelten deutlich, was man anhand der UHD-Version der Mad Max-Reihe oder von Wes Cravens Scream sehen kann.

 

Meist erwartete Filme/Serien 2022

  1. Terrifier 2

Damien Leones Terrifier (2016) ist ein kleiner, blutiger und sehr gemeiner Slasher, der mit Art einen Bösewicht geschaffen hat, der selbst Pennywise in den Schatten stellt. Aufgrund der Pandemie wurden die Dreharbeiten gestoppt, doch im September wiederaufgenommen, sodass einem Start im Jahre 2022 hoffentlich nichts mehr im Wege steht.

  1. The Northman

Nach Der Leuchtturm und The Witch darf man wohl gespannt sein, was Regisseur Robert Eggers in seinem dritten Film zeigen wird, dessen erster Trailer ein bildgewaltiges, blutiges Wikinger-Epos verspricht, mit vielen namhafte Schauspielern.

  1. The Batman

Auch der Auftritt Robert Pattinsons als Batman musste wegen der Pandemie in eine unfreiwillige Drehpause gezwungen. Die ersten Bilder und Trailer versprechen einen spannenden Film, der mit einem namhaften Ensemble und einem düsteren visuellen Stil aufwartet.

 

 

 

 

 

 

 



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