Inhalt / Kritik

Judas And The Black Messiah

„Judas and the Black Messiah“ // Deutschland-Start: 1. Juli 2021 (Kino)

Als der Autodieb William O’Neal (Lakeith Stanfield) bei seinem jüngsten versuchten Diebstahl erwischt wird, sieht es gar nicht gut aus für ihn. Da er für die Tat einen gefälschten Ausweis des FBI benutzt und sich zudem als Agent der Behörde ausgeben hatte, kommen zu der Strafe für den Autodiebstahl noch eine weitere für die gefälschten Dokumente. Als ihm der echte FBI-Agent Roy Mitchell (Jesse Plemons) ein Angebot macht, wie er nicht nur seiner Strafe entgehen kann, sondern sich zudem noch etwas dazuverdienen kann, ist William deswegen ganz Ohr. Doch die Aufgabe ist nicht ohne, denn er soll sich zum Vertrauten Fred Hampton (Daniel Kaluuya), dem Anführer der Black Panther in Chicago, hocharbeiten und der Behörde so wichtige Informationen über die Panther besorgen. Anfangs noch skeptisch, ob ihn der Agent nicht über den Tisch ziehen will, gelingt es O’Neal jedoch schnell nicht nur das Vertrauen Hamptons zu gewinnen. Als Hampton wegen einer Lappalie vor Gericht kommt und verurteilt wird, kann O’Neal aufgrund seiner Talente als Organisator noch weiter in der Hierarchie der Panther aufsteigen.

Doch zugleich wird seine Mission sehr viel gefährlicher und die paar Dollar mehr, welche ihm Mitchell für seine Informationen gibt, reichen O’Neal nicht mehr, der am liebsten aussteigen will. Hampton hat derweil eine Koalition geschlossen mit anderen Verbänden und Minderheiten in der Stadt, was ihm und den Panthers eine sehr viel größere Bühne und Einfluss verschafft, sodass das FBI unter J. Edgar Hoover (Martin Sheen) Hampton als gefährlichsten Terroristen Amerikas einstuft. In dieser Situation muss sich O’Neal entscheiden, wem nun seine Loyalität gilt, denn mit den politischen Zielen Hamptons beginnt er immer mehr zu sympathisieren.

Die USA in Flammen

Schon seit vielen Jahren war eine Verfilmung des Lebens Fred Hamptons, des charismatischen Anführers der Black Panther, in Arbeit, doch trotz der eifrigen Werbung, die Kenny Lucas und Keith Lucas für ihre Geschichte unter anderem bei Netflix machten, sollte es noch eine ganze Weile dauern, bis die erste Klappe fiel. Dabei ist die Geschichte um Hampton, seinen Aufstieg und den Verrat an ihm eine Geschichte, wie sie besser nicht in die heutige Zeit passen könnte, vor allem da der Film die Perspektive William O’Neals einnimmt, jenes Mannes, der jahrelang als Informant für das FBI gearbeitet hat und diesem Informationen über die Black Panther und Hampton zukommen ließ. So ist Judas and the Black Messiah eine Geschichte über Verrat und über ein Amerika, welches immer mehr zu einem Überwachungs- und Polizeistaat wird.

Es dauert nicht lange und man bemerkt als Zuschauer, dass sich die USA in Judas and the Black Messiah im Krieg befinden. Dieser Konflikt findet jedoch im eigenen Land statt und hat mit dem Vietnamkrieg insofern etwas gemein, als es auch bei diesem keine klaren Fronten mehr gibt und Loyalitäten immer wechseln können. Auch wenn sich die Geschichte besonders auf die Protagonisten Fred Hampton und William O’Neal konzentriert wird der dritte Charakter im Bunde als eine Art dunkle Macht beschrieben, als ein System, das sich hinter Schreibtischen und Hinterleuten versteckt. Beide Seiten suchen sich ihre Armee, finden sie und gehen zum Angriff über, wobei Regisseurin Shaka King und Will Bersons Drehbuch dies als Schlacht der Ideologien inszenieren.

Die Dramaturgie erscheint ähnlich wie in Andrew Dominiks Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford. Während Daniel Kaluuya das Charisma, die Passion und den Kampfeswillen Hamptons überzeugend verkörpert, ist es nicht zuletzt Lakeith Stanfield, der als von Zweifeln zerfressener Informant schon bald nicht mehr weiß, welche Seite nun die richtige ist und wie er handeln soll. Als Soldat wider Willen muss er in diesen Krieg ziehen, in welchem er nichts mehr ist als eine Schachfigur, die man strategisch gut positionieren will.

Die Marke und die Pistole

Als Erklärung, warum er für seinen Diebstahl eigentlich einen gefälschten FBI-Ausweis nimmt und keine Waffe, sagt William lächeln, dass die FBI-Marke und der Ausweis letztlich doch viel furchteinflößender wären als eine Waffe. Nicht nur die politischen Ansichten Hamptons sind es, die Judas and the Black Messiah seine Aktualität verschaffen, es sind auch solche Sätze, die im Jahre 2021 nach wie vor provokant sind. Generell ist Shaka Kings Film stets bedacht darauf, solche Verweise in den Vordergrund zu stellen, was manchmal etwas konstruiert ist, aber die Relevanz der Themen durchaus treffend betont. Die Vision eines Amerikas als Polizeistaat, in der jeder überwacht wird und das System überall seine Spitzel hat, mag auch die Ära Hoover zutreffen wie auch in die heutige Zeit passen, auch wenn die Mittel heutzutage andere sind.

Neben der thematischen Tiefe und der schauspielerischen Aspekte sind es auch die Bilder von Kameramann Sean Bobbitt sowie die Filmmusik von Mark Isham und Craig Harris, die zu überzeugen wissen. Abgesehen von der Visualisierung eines prägenden Jahrzehnts für die USA betont der jazzige, teils improvisiert wirkende Soundtrack passend zu jener Zeit der Unruhe und des Konflikts.

Credits

OT: „Judas and the Black Messiah“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Shaka King
Drehbuch: Will Berson, Shaka King
Musik: Mark Isham, Craig Harris
Kamera: Sean Bobbitt
Besetzung: Daniel Kaluuya, Lakeith Stanfield, Dominique Fishback, Jesse Plemons, Asthon Sanders, Darrell Britt-Gibson, Lil Rel Howery

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 2021 Bester Film Nominierung
Bester Nebendarsteller Daniel Kaluuya Sieg
Bester Nebendarsteller LaKeith Stanfield Nominierung
Bestes Drehbuch Will Berson, Shaka King Nominierung
Beste Kamera Sean Bobbitt Nominierung
Bestes Lied H.E.R., D’Mile, Tiara Thomas Sieg
BATFA Awards 2021 Bester Nebendarsteller Daniel Kaluuya Sieg
Beste Nebendarstellerin Dominique Fishback Nominierung
Beste Kamera Sean Bobbitt Nominierung
Bestes Casting Alexa L. Fogel Nominierung
Golden Globes 2021 Bester Nebendarsteller Daniel Kaluuya Sieg
Bestes Lied H.E.R., D’Mile, Tiara Thomas Nominierung

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Judas and the Black Messiah
„Judas and the Black Messiah“ ist ein schauspielerisch wie inszenatorisch dichter Mix aus Biografie und Drama. Regisseurin Shaka King gelingt das Bild einer Zeit des Konflikts, in der sich die politische und gesellschaftliche Richtung der USA entscheiden sollte.
8von 10

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