Foundation Apple TV+
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Foundation – Staffel 1

Inhalt / Kritik

Foundation Apple TV+
„Foundation“ // Deutschland-Start: 24. September 2021 (Apple TV+)

Mit eiserner Hand regieren die geklonten Cleon-Brüder Dawn (Cooper Carter), Day (Lee Pace) und Dusk (Terrence Mann) über die Galaxis. Doch das könnte bald vorbei sein, zumindest wenn es nach Hari Seldon (Jared Harris) geht. Schließlich hat der Mathematiker berechnet, dass die Herrschaft der Cleons in 500 Jahren vorbei sein wird und damit eine finstere Ära eingeleitet wird. Davon wollen die natürlich nichts wissen und drohen, sowohl den Wissenschaftler wie auch seinen Assistenten Raych (Alfred Enoch) und seinen neuen Schützling Gaal Dornick (Lou Llobell) zu töten, um damit die ketzerische Lehre des Abtrünnigen im Keim zu ersticken. Als kurze Zeit später jedoch ein verheerender Angriff unzählige Leben einfordert, beschließen die Cleons, die unliebsamen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen auf einen fernen Planeten zu schicken. Dort wollen sie die Grundlage der Zivilisation niederschreiben, damit künftige Generationen sie nutzen können …

Die Rückkehr futuristischer Klassiker

Science-Fiction-Fans haben momentan allen Grund zur Freude. Erst kam das lang erwartete Highlight Dune, basierend auf dem gleichnamigen Kultbuch, doch noch in die Kinos. Nun folgt mit der Apple TV+ Serie Foundation kurze Zeit später eine weitere Adaption eines großen Genreklassikers. Genauer basiert die Serie auf einer Romanreihe von Isaac Asimov, die in den 1940ern ihren Anfang mit einer Reihe von Kurzgeschichten nahmen. Diesen folgten mehrere Romane, der letzte im Jahr 1993, mehrere Monate nach dem Tod des Schriftstellers. Wie bei Dune gibt es also nicht gerade wenig Material, das sich für eine Adaption anbieten würde. So viel, dass im Vorfeld durchaus Skepsis angesagt war, ob eine Umsetzung überhaupt funktionieren kann.

Dabei ist es nicht allein die Menge der Bücher, welche die beiden Showrunner Josh Friedman und David S. Goyer vor eine größere Herausforderung stellte. Isaac Asimov hat vor allem eine Geschichte geschrieben, die von einer nur zu schwer zu bändigenden epischen Breite geprägt ist. Wo es bei Dune trotz der unterschiedlichsten Fraktionen und Völker eine klare Hauptfigur gibt, der wir durch das Abenteuer folgen, da sind es in Foundation deutlich mehr. Auch die zeitliche und räumliche Ausdehnung ist auf einem ganz anderen Level. Anders als man angesichts des Titels denken könnte, geht es in der ersten Staffel nur zu einem geringeren Teil um die Wissenssammlung, welche Hari, Gaal und die anderen anlegen wollen und die später die Grundlage für künftige Zivilisationen bilden soll.

Kampf ums Wissen

Ein bisschen schade ist das schon, da das Thema allein bereits eine eigene Geschichte rechtfertigen würde. Schon die Frage, welche Art des Zählens beibehalten werden soll, führt zu Diskussionen. Wie lässt sich dann noch entscheiden, welche Errungenschaften tatsächlich kulturell wertvoll sind und bewahrt gehören? Dafür gibt es in Foundation andere Konflikte, welche die Figuren auf Trab halten. Der angekündigte Untergang des Imperiums, seinerzeit inspiriert vom Niedergang des Römischen Reiches, hat längst begonnen. Schon in der ersten Folge kommt es zu einem verheerenden Zwischenfall, der eine Kettenreaktion auslöst. Anstatt friedlich Datensätze anzulegen, wird das Abenteuer deutlich gefährlicher.

Dennoch ist Foundation kein Action-Spektakel, auch wenn das Thema es hergeben würde. Stattdessen erzählen Friedmann und Goyer eine komplexe Geschichte mit vielen Einzelteilen, die sich über verschiedene Planeten und Zeiten verteilen. Nach einem recht geradlinigen Auftakt, welcher die Anfänge der Mission erzählt, franst die Serie immer mehr aus. Statt einer Haupthandlung gibt es nun viele Parallelstränge: Immer wieder wird von Ort zu Ort gewechselt, von Figur zu Figur, von Zeit zu Zeit. Zumal die Zeit auch noch voranschreitet, Jahrzehnte später einige der Figuren verschwunden sind oder zumindest anders aussehen. Das bedeutet schon eine gewisse Herausforderung, um in den zahlreichen Fäden nicht verloren zu gehen. Außerdem ist das mit der Identifikation natürlich schwierig, wenn es keine durchgängigen Figuren gibt. Klassische Heldensagen sehen anders aus.

Überwältigende Visionen

Dafür sind die Figuren zum Teil sehr gut besetzt. In Erinnerung bleibt dabei neben einem genüsslich despotisch auftretenden Lee Pace (The Keeping Hours) gerade auch Laura Birn (The Innocents) in der Rolle der Roboter-Beraterin Eto Demerzel. Und natürlich ist Foundation optisch überwältigend. Da treffen spannende, stimmungsvolle Schauplätze auf Effektspektakel und ungewöhnliche Kostüme. Man hat hier tatsächlich das Gefühl, fremde Welten zu entdecken, eine Kunst, die im Science-Fiction-Genre ein wenig in Vergessenheit geraten ist. Derart viel Aufwand wird nur noch selten betrieben, vor allem für eine Serie ist das atemberaubend. Der Inhalt kann da nur zum Teil mithalten, was aber weniger daran liegt, dass die Serie nichts zu sagen hat. Sie hat eher zu viel zu sagen, aber nicht den Raum, der dafür notwendig ist. Das Ergebnis wird angesichts der vielen Themen und Elemente für die einen zu komplex sein, für die anderen nicht komplex genug, weil notgedrungen einiges an der Oberfläche bleibt. Interessant ist die Adaption aber auf alle Fälle, etwas Vergleichbares sieht man dann doch nicht alle Tage.

Credits

OT: „Foundation“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Alex Graves, Roxann Dawson, Jennifer Phang, Andrew Bernstein, Rupert Sanders
Drehbuch: Josh Friedman, David S. Goyer, Lauren Bello, Leigh Dana Jackson, Victoria Morrow
Idee: Josh Friedman, David S. Goyer
Vorlage: Isaac Asimov
Musik: Bear McCreary
Kamera: Tico Poulakakis, Owen McPolin, Danny Ruhlmann, Cathal Watters, Steve Annis, Darran Tiernan
Besetzung: Jared Harris, Lee Pace, Lou Llobell, Leah Harvey, Laura Birn, Terrence Mann, Chipo Chung, Alfred Enoch, Cassian Bilton

Bilder

Trailer

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„Foundation“ nimmt sich der gleichnamigen Romanreihe an und macht schnell deutlich, weshalb eine Adaption im Vorfeld auf Skepsis stieß: Die sich über mehrere Planeten und Zeitebenen erstreckende Geschichte ist so komplex, dass sie irgendwann etwas ausfranst, gleichzeitig zu komplex und nicht komplex genug ist. Interessant ist die Science-Fiction-Serie aber ohne jeden Zweifel, dazu atemberaubend bebildert und zum Teil exzellent gespielt.
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