Inhalt / Kritik

Droste no hate de bokura Beyond the Infinite Two Minutes

„Beyond the Infinite Two Minutes“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Eigentlich wollte der Café-Besitzer Kato (Kazunari Tosa) ja nur rauf auf sein Zimmer, als er dort eine seltsame Entdeckung macht: sich selbst. Genauer sieht er in seinem Monitor sein eigenes Abbild, das mit ihm zu sprechen beginnt. Und als wäre diese Erfahrung nicht schon seltsam genug, stellt sich dabei heraus, dass es sein zukünftiges Ich ist, das sich mit ihm unterhalten will. Zwei Minuten sind es, die das Bild des Monitors von dem im Fernseher trennt, der unten im Café steht. Als Kato der Sache auf den Grund zu gehen versucht, stoßen erst seine Angestellte Megumi (Aki Asakura), später auch mehrere Freunde hinzu. Fasziniert von diesem Phänomen suchen sie bald nach einer Möglichkeit, das für sich zu nutzen, müssen dabei aber höllisch aufpassen, nicht das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinander zu bringen …

Die (un-)mögliche Zeitreise

Die Vorstellung, durch die Zeit zu reisen, hat schon immer die Menschen fasziniert. Ob nun in Büchern oder auf der großen Leinwand, da wurden schon alle möglichen Geschichten erzählt. Zumal auch die Möglichkeiten der Nutzung endlos erscheinen. Die einen wollen vielleicht Geheimnisse der Vergangenheit lösen, andere einen Vorabblick auf die Zukunft erhaschen. Und dann gibt es natürlich noch solche, die eine solche Zeitreise überwiegend pragmatisch nutzen wollen. Vor allem die eigene Bereicherung steht da weit oben auf der Prioritätenliste. Es ist aber auch zu verführerisch, die Lottozahlen der nächsten Woche zu kennen und so Millionen zu scheffeln, ohne wirklich etwas dafür tun zu müssen.

All das greift Makoto Ueda in seinem Drehbuch zu Beyond the Infinite Two Minutes auf. Und doch ist die Geschichte des Autors, der schon an den skurrilen Animeadaptionen Penguin Highway und Night Is Short, Walk On Girl mitgewirkt hat, kaum mit den bekannten Werken dieses Themenfeldes zu vergleichen. Zum einen ist da das Manko, dass der Blick in den Fernseher nur zwei Minuten in die Zukunft erlaubt. Damit lässt sich nicht viel anfangen. Außerdem dürfen die Männer und Frauen das Café nicht verlassen, sonst können sie ihren jüngeren Ichs schließlich keine Nachricht hinterlassen. Das alles schränkt die Möglichkeiten einer solchen Zeitreise, die nicht so wirklich eine ist, schon gehörig ein.

Absurde Ideen über alle Zeiten hinweg

Doch in Beyond the Infinite Two Minutes geht es auch gar nicht darum, eine auch nur irgendwie ernsthafte Auseinandersetzung mit dem für und wieder von Zeitreisen zu starten. Vielmehr wollten die Mitglieder der Theatergruppe EUROPE KIKAKU einfach nur ihren Spaß haben. Und Spaß macht diese mit geringstem Budget gedrehte Science-Fiction-Komödie auf jeden Fall. Es dauert dabei schon eine Weile, bis die Geschichte mal Fahrt aufnimmt. Zum einen müssen die Figuren dieses Phänomen erst einmal verarbeiten und verstehen, weshalb es jedes Mal aufs Neue erklärt wird. Hinzu kommt, dass sich frühere Szenen immer doppeln. Das Publikum sieht die Ereignisse einerseits „in echt“, wenn Kato und die anderen vom Café zum Zimmer und wieder zurück laufen. Es sieht sie aber auch in einem der beiden Bildschirme, die den vergangenen Ichs den Weg weisen.

Nach der längeren Einführung und der damit einhergehenden mangelnden Abwechslung zeigt der Beitrag von der Nippon Connection 2021 aber seine Stärken. Das Szenario an sich ist ja schon schräg genug, dass man immer wieder darüber schmunzeln darf. Auch die enthusiastischen Figuren, die sich an den kleinsten Dingen erfreuen können, tragen dazu bei, dass man hier gut gelaunt vor den Bildschirmen sitzt. Zumal Beyond the Infinite Two Minutes Einfallsreichtum beweist. Je mehr die Männer und Frauen mit diesen Zeitreisen erreichen, umso mehr wollen sie die Grenzen austesten. Das Ergebnis: Die Geschichte wird von Minute zu Minute absurder, bis sie gerade im letzten Drittel so richtig schön eskaliert. Sinn ergibt dann praktisch gar nichts mehr, aber das lässt sich verschmerzen.

Schnittfertig und sympathisch

Denn da sind noch zwei weitere Punkte, die den Film sehenswert macht. Zum einen handelt es sich um eines dieser Werke, die ohne erkennbaren Schnitt auskommen und die Geschichte damit in Echtzeit erzählen – der japanische Kollege One Cut of the Dead lässt grüßen. Das stimmt zwar nicht alles so wie behauptet, schließlich mussten auch die Aufnahmen in den Bildschirmen vorab gedreht werden. Dennoch ist es beeindruckend, wie hier alles ineinandergreift und tatsächlich der Eindruck entsteht, bei allem live dabei zu sein. Der zweite Pluspunkt sind die Figuren, die zwar schon so ihre Macken haben, sich aber mit einer derart mitreißenden kindlichen Begeisterung in ihr Abenteuer stürzen, dass man ihnen nur zu gern dabei Gesellschaft leistet. Auch wenn der Inhalt nicht so wahnsinnig tiefgründig ist, das Thema der Selbstbestimmung im Angesicht einer bereits gezeigten Zukunft nur wenig ausgearbeitet ist: Die 70 Minuten von Beyond the Infinite Two Minutes vergehen wie im Flug und lassen auf mehr von dieser Theatertruppe hoffen.

Credits

OT: „Droste no hate de bokura“
Land: Japan
Jahr: 2021
Regie: Junta Yamaguchi
Drehbuch: Makoto Ueda
Musik: Koji Takimoto
Kamera: Junta Yamaguchi
Besetzung: Kazunari Tosa, Aki Asakura, Riko Fujitani, Gôta Ishida, Yoshifumi Sakai

Bilder

Trailer

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Beyond the Infinite Two Minutes
In „Beyond the Infinite Two Minutes“ entdeckt ein Café-Besitzer, dass der Fernseher in seinem Café gegenüber dem Monitor in seinem Zimmer um zwei Minuten voraus ist. Nach einer anfänglichen Verwirrung wird daraus eine amüsante Science-Fiction-Komödie mit diversen absurden Ideen, einem mitreißenden Ensemble und einer beeindruckenden Schnitttechnik.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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