Inhalt / Kritik

Dune 2021

„Dune“ // Deutschland-Start: 16. September 2021 (Kino)

Die Zeichen stehen auf Veränderung bei Familie Atreides. So wurde Herzog Leto (Oscar Isaac) vom Imperator dazu auserkoren, den Wüstenplaneten Arrakis zu verwalten und damit auch den Abbau von Spice, einer extrem wertvollen Substanz, welche eine Reise durch das Universum ermöglicht. Gemeinsam mit seiner Frau Jessica (Rebecca Ferguson), Sohn Paul Atreides (Timothée Chalamet) und einer ganzen Heerschar von Bedientesten und Kämpfern auf den Weg zu ihrer neuen Heimat. Dort wollen sie nach dem Rechten sehen und sicherstellen, dass die Spice-Produktion wie gewohnt vorangeht. Doch von Anfang an scheint ihr Aufenthalt unter keinem guten Stern zu stehen. Nicht allein, dass Arrakis ein gefährlicher, lebensfeindlicher Ort ist, die Ausrüstung, die sie dort vorfinden, ist von minderer Qualität. Währenddessen spinnt Baron Vladimir Harkonnen (Stellan Skarsgård), dessen Haus bislang den Planeten verwaltete, im Geheimen seine Intrigen …

Wiedergeburt eines Klassikers

Aller guten Dinge sind drei. Auch wenn Frank Herberts 1965 erschienener Roman Dune ein absoluter Klassiker ist und das meistverkaufte Science-Fiction-Buch aller Zeiten sein soll: Die bisherigen Adaptionen waren nicht gerade erfolgreich. David Lynchs Kinoversion Dune – Der Wüstenplanet genießt zwar einen gewissen Kultstatus, was aber mehr den surrealen Bilderwelten als dem vielfach kritisierten Inhalt zu verdanken ist. An die Serienadaption von 2000 erinnert sich hingegen kaum einer mehr. Dieses Schicksal dürfte dem dritten Anlauf erspart bleiben, allein schon wegen des jahrelangen Vorabhypes. Schließlich ist es niemand anderes als Denis Villeneuve, der sich des Weltraumepos’ um die Kämpfe auf einem Wüstenplanet annimmt. Und wenn es ein Regisseur schafft, einen absoluten Kultfilm fortzusetzen und damit zu begeistern – siehe Blade Runner 2049 –, dann sollte ihm auch das Unmögliche gelingen und Herberts Werk adäquat auf die große Leinwand bringen.

Dass Dune Letztere verdient, steht außer Frage. Keiner der diversen Bockbuster, die sich dieses Jahr in die Kinos trauen, bietet dem Auge mehr als dieser hier. Von Anfang an heißt es hier klotzen statt kleckern. Die Kulissen sind gigantisch, sowohl auf dem Wüstenplaneten wie anderswo. An Spezialeffekten wird nicht gespart, etwa wenn die berühmten Riesenwürmer auftauchen oder bei den späteren Kämpfen. Und sollte gerade mal nichts passiert, darf man die Kostüme bewundern, die je nach Situation zwischen militaristisch und folkloristisch schwanken. Gerade Letzteres tut dem Film sehr gut: Villeneuve versteht es, eine Welt aufzubauen, die gleichzeitig fremd und doch bekannt ist. Genug also, um Neugierde zu erzeugen und doch nahbar genug zu sein, um die unmissverständlichen Botschaften zu verstehen.

Kapitalismuskritik und Plädoyer für mehr Offenheit

Von diesen Botschaften gibt es einige. Wenn sich die mächtigen Häuser auf Arrakis ausbreiten, dann um diesen auszubeuten. In einer nicht unbedingt subtilen Szene erfahren wir, dass einst geplant war, den Planeten in eine blühende Oase zu verwandeln. Doch dann fand man Spice, was diese Pläne zunichtemachte. Im Zweifel hat Profit dann doch Vorrang vor Ökologie. Die zweite größere Aussage betrifft den Respekt vor anderen Kulturen. Symbolisiert werden diese durch die Fremen, ein heimisches Volk, das tief in der Wüste lebt. Die zuvor herrschenden Harkonnen hätten diese am liebsten ganz ausgelöscht und bezeichneten sie als Barbaren, Atreides zeigt sich nach anfänglicher Irritation offener. Spätestens an dieser Stelle, bei der sehr deutlich Bezug auf den früheren Kolonialismus genommen wird, ist klar: Atreides gut, Harkonnen böse.

Tatsächlich ist die Figurenzeichnung einer der großen Schwächen von Dune. Das ist alles ziemlich einfach angelegt, auch innerhalb der einzelnen Gruppierungen. So beeindruckend die Besetzung des Films ist – Villeneuve hat einen hochkarätigen Cast verpflichten können –, die immens talentierten Schauspieler und Schauspielerinnen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Figuren nicht mehr als mäßig interessante Archetypen sind. Das ist einerseits schade, weil das mit der emotionalen Identifikation schwieriger wird. Das Abenteuer, welches bei den Filmfestspielen von Venedig 2021 Weltpremiere hatte, wirkt oft ein wenig leblos. Andererseits hat diese Konzentration auf das Wesentliche den Vorteil, dass man sich dem Abenteuer und den Bilderwelten ungestört hingeben kann. Anders als Christopher Nolan, der sich bei seinen Filmen oft für intelligenter hält, als er letztendlich ist, weiß Villeneuve das alles besser einzuschätzen. Er ist vor allem an einer tatsächlich visuellen Vision interessiert, ohne sich am Inhalt zu überheben.

Schmerzlich vermisste Weltreise

Das hat Dune mit Blade Runner 2049 gemeinsam, das ebenfalls mit einer unglaublichen Welt begeisterte. Im direkten Vergleich gibt es hier aber schon deutlich mehr Handlung. War die Fortsetzung des Kulthits noch stärker in den Arthouse-Anfängen des Kanadiers verwurzelt, sind die Kämpfe um den Wüstenplaneten mehr an einem Mainstreampublikum ausgerichtet. Aber das muss ja nicht verkehrt sein. Nachdem so viele Science-Fiction-Vertreter der letzten Jahre, die für eine breite Masse konzipiert waren, am Ende ziemlich enttäuschten, ist dieser hier sehr viel stimmiger und runder. Die folkloristischen und esoterischen Momente, auch im Hinblick auf die undurchsichtige Schwesternschaft Bene Gesserit, erinnern daran, wie schmerzlich solche Weltraum-Opern vermisst werden, bei denen man tatsächlich das Gefühl hat, dass da draußen unendliche Weiten auf ihre Entdeckung warten.

Credits

OT: „Dune“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Jon Spaihts, Denis Villeneuve, Eric Roth
Vorlage: Frank Herbert
Musik: Hans Zimmer
Kamera: Greig Fraser
Besetzung: Timothée Chalamet, Rebecca Ferguson, Oscar Isaac, Josh Brolin, Stellan Skarsgård, Dave Bautista, Stephen McKinley Henderson, Zendaya, Chang Chen, Charlotte Rampling, Jason Momoa, Javier Bardem

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2021
Toronto International Film Festival 2021

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Dune (2021)
„Dune“ ist eine gelungene Adaption des gleichnamigen Science-Fiction-Klassikers, der vor allem aufgrund des enormen Aufwandes beeindruckt. Die Bilder sind überwältigend, die Besetzung erlesen, auch bei der Ausstattung gibt es so viel, das man bewundern darf. Manchmal wirkt die Welt dennoch eher leblos, nicht zuletzt wegen der sehr schematischen Figuren. Auch bei den Aussagen des Films orientierte man sich an einem Massenpublikum.
8von 10
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4.2

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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