Das 29. Fantasy Filmfest stand eindeutig im Zeichen der Veränderung. Nicht nur, dass es 2015 erstmals auch einen Winterableger namens White Nights gab, die Höhepunkte stammten nach Meinung vieler von den Nachwuchsregisseuren, die mit ihren Debüt- oder Zweitwerken vertreten waren. Die Krone in Form des Fresh Blood Awards ging dabei an die Spanier Juan Fernando Andrés und Esteban Roel für den kammerspielartigen Psychothriller Shrew’s Nest. Damit verwiesen die beiden nicht nur den kultigen Retroendzeittrash von Turbo Kid und die hoch gelobte deutsche Familiengroteske Der Bunker auf die Plätze 2 und 3, auch der surreale Mysterythriller Observance und der tragikomische Bewältigungshorror von Nina Forever blieben am Ende chancenlos – trotz unstrittiger Qualitäten. Nicht im Rennen – weil im Rahmen der Frühsjahrs-/Winterableger gelaufen, waren der fantasievolle Romanze/Drama/Horrorzwitter Spring – Love Is A Monster, der spannend-dreckige Krimi Mörderland – La Isla Mínima, der iranische Schwarz-Weiß-Vampirfilme A Girl Walks Home Alone At Night und der verstörende Kannibalenwestern Bone Tomahawk. Doch auch bei diesen Beiträgen darf man sich auf die Folgewerke jetzt schon freuen.

Ein solches wird es von Marcin Wrona nicht mehr geben, denn der polnische Regisseur beging im September tragischerweise Selbstmord. Einen letzten Film hat er uns aber noch mit auf den Weg gegeben, der auch noch einer der besten des Festivaljahrgangs war: Demon, eine fantastisch gefilmte, zum Teil unsterblich komische Theaterstückadaption über eine Hochzeit, die von einem ungebetenen Gast empfindlich gestört wird. Auch Ava’s Possession konnte dem Übersinnlichen etwas Witziges abgewinnen, indem es sich die Frage stellte: Was geschieht eigentlich mit Leuten, nachdem sie Dämonen wieder losgeworden sind? Allgemein war die Mischung aus humorvollen Szenen und düsteren Stoffen 2015 stark vertreten: Ob die mörderische Musiksatire Kill Your Friends, welche das Festival eröffnete, oder der Abschlussfilm Cop Car über zwei Jungs, die einem Polizisten das Auto klauen, der schwarzhumorige Thriller The Guest, der Endzeitirrsinn von The Midnight Afterdie Vampirkomödie Therapie für einen Vampir oder die Horrormanga-Verfilmung Parasyte: Part 1sie alle brachten einen gekonnt zum Lachen, ohne dabei Genrefans zu ignorieren. Deutlich klassischer ging es bei der Märchensammlung Das Märchen der Märchen und der Edgar-Allen-Poe-Animations-Anthologie Extraordinary Tales zu, auch der französische Anti-Drogen-Kampf Der Unbestechliche hielt sich lieber ans Bewährte. Zu guter Letzt durfte sich aber auch glücklich schätzen, wer das Paranoia-Thriller-Drama The Invitation, die Identitätssuche in Nobody From Nowhere, das surreale Treiben in H., das abgründige Vater-Tochter-Gespann in The World of Kanako oder Strangerland gesehen hat, der von zwei verschwundenen Kindern in Australien handelt.

Die rezensierten Filme von 2015 im Überblick:

*       Lief im Rahmen der Fantasy Filmfest Nights

**     Special Screening in Berlin/Nürnberg/Frankfurt/Köln/Hamburg/Stuttgart

***   Special Screening in München

**** Lief im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights

Fantasy Filmfest 2015
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